Das verflixte „S“ bei Hörgeschädigten

Das verflixte „S“ …

Es ist so typisch bei uns Hörgeschädigten, das „S“ zu verschlucken oder gar nicht zu betonen. Schon alleine das Auslassen  oder ein zu schwaches Aussprechen des Buchstabens „S“ hat solch eine große Wirkung, dass der Hörgeschädigte nicht mehr verstanden wird.

Ich habe in dem Alter immer noch das Problem mit dem verflixten „S“. Wenn ich müde bin, spreche ich das „S“ nicht mehr richtig aus – und dann hört sich mein Gesprochenes so verschwommen an – Ergebnis: Ich werde so gar nicht verstanden.

Ja, ja, das verflixte „S“…

Das verflixte
Bildquelle: Gehörlosbloggerin Judith Harter

Immer wenn ich eine Rede halten soll, und ich habe den Text vorbereitet – wisst Ihr, was ich da mache? Ich unterstreiche jedes „S“ im Text, um mich ständig beim Vortragen daran zu erinnern, das verflixte „S“ auch wirklich zu betonen, damit die Hörenden mein Gesprochenes verstehen – und das verflixte „S“ spielt da eine sehr wichtige Rolle.

Da das verflixte „S“ ein Zischlaut ist, habe ich aufgrund meiner Taubheit das „S“-Problem durch die fehlende Hör-Kontrolle – und so kommt es, dass ich bei anderen das verflixte „S“ oft nicht wahrnehme und somit bei meinem eigenen Sprechen dieses S vergesse!

Dann kommt noch hinzu, dass ich immer noch lernen muss, welche Wörter eine bestimmte Melodie haben bei der Aussprache. Wenn ich z.B. Stan Laurel sagen will, muss ich mich darauf konzentrieren, das ST so auszusprechen, wie es genau geschrieben wird – ohne dass ein „SCH“ daraus wird.

Bei so einem einfachen Wort wie „Post“ – da muss ich darauf achten, dass das verflixte „S“ hier auch wirklich stark rüberkommt. Das Verschlucken des „S“ in diesem Wort reicht schon aus, dass keiner mehr versteht, dass ich entweder zur Post will oder Post abzugeben habe.

Und all die verschiedenen Varianten des „S“ – ein weiches „S“, ein hartes „S“, ein langes „S“, ein summendes „S“, je nach Wortmelodie und bei welchen Wörtern man sich das alles merken muss… UFF!!! Hände überm Kopf, wie soll ich das alles schaffen?

Hin und wieder ist es frustrierend, wenn es mit der eigenen Lautsprache aufgrund der Hörschädigung und daraus fehlender Rückhör-Kontrolle hadert.

Und doch, durch die tägliche Übung bekomme ich das verflixte „S“ auf die Reihe und wenn ich dadurch auf Anhieb verstanden werde, ist es für mich ein riesengroßer Fortschritt! Oft habe ich das Gefühl, ich mache einen Schritt vor, dann wieder zwei Schritte zurück. Aber im Großen und Ganzen komme ich doch recht voran.

Bin ich müde, bekomme ich kein „S“ mehr zustande, es wird sozusagen immer flüssiger und flüssiger – und man versteht bei mir gar nichts mehr. Dann sage ich nur noch Gute Nacht! (Welch ein Glück, dass „Gute Nacht“ kein „S“ drin hat – sicher ist hier eine tiefgründigere Bedeutung vorhanden 😀 ).

Man ahnt oft gar nicht, wie stark das Hören die Sprechmuskulatur und auch die Atemtechnik beeinflusst. Als Hörgeschädigte muss ich mir das täglich antrainieren und mir die Stellen merken, wie wann und wo die Sprachmelodie des Wortes eingesetzt wird und wie ich dabei zu atmen habe.

Das verflixte „S“ – das Geheimnis des Verstandenwerdens 😉

Eure Gehörlosbloggerin

 

Interview mit dem gehörlosen europäischen Politiker Patrick Hennings

Interview mit dem gehörlosen europäischen Politiker Patrick Hennings

 

Ich habe mit dem sehr engagierten Patrick Hennings (PH) ein Interview geführt, der sich sehr für die Gerechtigkeit einsetzt, und auch schon mal lautstark dafür motzt und schimpft. Dabei spürt man, dass er jedoch fair gegenüber den Menschen bleibt. Das kann nicht jeder. Hier geht es zum Interview:

Patrick Hennings

Gehörlosblog: Du empfindest dich als ein Europäer. Was hat dich nach Belgien/Wallonien verschlagen?

Patrick Hennings: 6 Gründe 🙂
– Die drei Inklusionsprojekte auf der RWTH Aachen, die ich ehrenamtlich unterstütze, nämlich Vibelle, Gateway und Deaftrain.
– Ich wirke auch mit bei der Arbeitsgemeinschaft Hören und Kommunikation, die Teil des Arbeitskreises Inklusion von der Städteregion Aachen ist.
– Ich erfuhr, dass die Gebärdensprache in der Deutschsprachgemeinschaft Belgiens noch immer nicht gesetzlich anerkannt ist, im Gegensatz zur Wallonie und zu Flandern. Außerdem gab es dort noch nirgends einen gemeinnützigen Verein, der sich für die Belange, Interessen und Rechte für die deutschsprechenden Belgier einsetzt. So gründete ich gemeinsam mit weiteren Interessierten und Unterstützerin den ersten Hörgeschädigtenverein in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Aufgrund dessen, dass in diesem Teil auch sehr viele französischsprechende Belgier gibt, also Wallonen, ist dieser Verein zweisprachig ausgerichtet und ebenso natürlich auch den beiden Gebärdensprachen, nämlich LSFB und DGS. In der Deutschsprachigen Gemeinschaft gibt es keine eigene Gebärdensprache, deshalb  DGS.
– ein weiterer Grund ist meine Unterstützung für das Projekt Barrierefreiheit im Europaparlament. Gemeinsam mit The Greens/EFA, EUD und EFHOH versuchen wir zu testen, in wie weit Barrierefreiheit für Gehörlose und andere Hörgeschädigte im Internet und vor Ort realisierbar ist. Dies ist eine unglaublich große Herausforderung, wenn wir bedenken, wie viele Gebärdensprachen es in Europa gibt! Wir haben inzwischen schon zumindest mit IS und Untertitelung in Englisch angefangen, zuletzt sogar auch mit Livestream mit IS und Untertitelung. Dies konnten wir also inzwischen erfolgreich umsetzen und wollen mit den nächsten Schritten schauen, wie wir die weiteren Sprachen mit anbieten können. Wir wollen als europäische, grüne Fraktion und Partei Vorreiter sein und bleiben.
Es ist technisch eine hochinteressante Herausforderung. Es liegt auf der Hand, dass ich aus logistischen Gründen in Belgien lebe.
– Und ich habe enge Verwandte in Lüttich.
– Ich könnte grundsätzlich in verschiedenen Ländern leben, Europa insgesamt ist meine Heimat, eigentlich nicht nur Europa, da Canada auch ein Teil meiner Heimat ist, wo ich schon lebte und mich sehr wohl fühlte.

Gehörlosblog: Was ist dein Hörstatus? Bzw. wie entwickelte sich dein Hörstatus?

Patrick Hennings: Ich verlor in meinem ersten Lebensjahr aufgrund der damals gesetzlich vorgeschriebenen Pockenschutzimpfung den größten Teil meines Gehörs. Ich war an die Taubheit grenzend schwerhörig bis zu meinem 31. Lebensjahr. Aufgrund von Kommunikationsstress ertaubte ich leider und mein Gehör erholte sich bisher nicht wieder. Dennoch komme ich gut zurecht, da ich bestens von den Lippen absehen kann und hartnäckig und mit aller Konsequenz und aller Kontinuität das Sprechen üben und pflege. Und ich lerne seit Jahren immer mehr die Deutsche  Gebärdensprache, ASL kann ich ein bisschen, und mit LSFB habe ich angefangen und werde auch diese Sprache weiterlernen, um mich eben auch mit den Gehörlosen in der Wallonie unterhalten zu können.

Gehörlosblog: Wo und in welchen Bereichen bist du derzeit Sprecher auf politischer Ebene?

Patrick Hennings:
– Ich bin politischer Sprecher für EFHOH in Brüssel und in Deutschland auch für DGIG und CIV-HRM
– Für Bündnis 90/Die Grünen in NRW bin ich Sprecher für den Arbeitskreis Inklusion, wobei wir hier im generellen Bereich von Inklusion arbeiten, also allgemein im Bereich kultureller und sozialer Inklusion, eben nicht nur für Menschen mit Behinderung. Ich bitte um Entschuldigung, dass ich es so betone. Denn viele Menschen denken, wenn sie den Begriff Inklusion hören, es handelt sich um Menschen mit Behinderung. Ich bin eben auch sehr interessiert, was wir alles tun müssen gegen die zunehmende Kinderarmut, wie es eine ständige Herausforderung mit den Menschen mit Migrationshintergrund ist.
Ich bin auch über Bündnis 90/Die Grünen in NRW Delegierter zu den Bundesarbeitsgemeinschaften Behindertenpolitik, Demokratie & Recht, Europa und Ersatzdelegierter zur Bundesarbeitsgemeinschaft Soziales.
– Ähnlich ist es mit der Ecolo in der Wallonie, dort bin ich in den Bereichen Behindertenpolitik, Internationales und Europa aktiv.

Gehörlosblog: Ich habe erfahren, dass du bereits in den 80er-Jahren dich politisch engagiert hast. War es in Hamburg? Wann genau? Worauf richtete sich zu diesem Zeitpunkt deine Aufmerksamkeit?

Patrick Hennings: Ja, in Hamburg. Solange ich denken kann, kämpfe ich gegen AKW, für Tierschutz und Menschenrechte, z.B. mehr Rechte und Anerkennung der Prostitution.
Deswegen übernahm ich auch mal jahrelang die aktive Betreuung für einen in Auschwitz Überlebenden, bis ca. 1993. Der übrigens für mich eine ganz faszinierende Persönlichkeit war. Denn gerade er brachte mir das Tanzen bei. Er war vor der Verschleppung nach Auschwitz Steptänzer in Paris.
Auf dem Gymnasium in Hamburg von 1979 bis 1984, wo ich auch mal Schulsprecher war, setzte ich mich stets für den gemeinsamen Unterricht ein, so weit es ging.

Gehörlosblog: Welche Gründe bewogen dich damals dazu, in die Politik einzusteigen? Gelten diese Gründe heute noch? Oder haben sie sich aufgrund der aktuellen Lage in Deutschland geändert? Welcher Bereich liegt dir besonders am Herzen?

Patrick Hennings

Patrick Hennings: Ich erlebte 1993 den spannenden Prozess Hafenstraße und die Hausbesetzungen mit, wie auch den Umgang der Stadt Hamburg mit der Meuterei im Gefängnis Santa Fu, wo auch viel Korruption im Senat dank energischem Einsatz der damaligen GAL Hamburg aufgedeckt wurde.

Ich wurde von der damaligen Bürgerschaftsabgeordnetin Krista Sager gefragt, ob ich Interesse hätte, für die GAL in Hamburg-Mitte den Co-Vorsitz zu machen und behinderten-politischer Sprecher zu sein. Ich war zu der Zeit auch stellvertretender Vorsitzender für den Hamburger Schwerhörigenverein. Es ging ruckzuck, ich bekam sogar den erfolgreichen Wahlgang nicht richtig mit, Dolmetscherbegleitung bekam ich damals noch nicht 😉

Gehörlosblog: So kamst du in die grüne Politik… Wie hast du diese damals erlebt? Wie erlebst du diese heute?

Patrick Hennings: Ich habe die grüne Partei stets als Bürger- und Menschenrechtspartei erlebt und gekannt, wie auch die große Intensität dieser Partei für die Themen Vielfalt, maximal mögliche Mit- und Selbstbestimmung. Auch eine gesunde Welt ist Menschenrecht.

Aufgrund der zunehmenden Armut und der kontinuierlich verschwindenden Mittelschicht, auch in Deutschland, widme ich mich seit rund drei Jahren dem Thema soziale Gerechtigkeit und eine starke Sozialpolitik.
Es ist unstreitig, dass die Menschen grundsätzlich genug zum Leben haben müssen, ansonsten bleiben sie weiterhin verschlossen und blind gegenüber unserer grundsätzlichen Verantwortung für eine solidarische Gesellschaft und unsere Erde, gehen weiterhin zu den Fast Food Ketten, kaufen weiterhin Klamotten aus Kinderarbeit, etc..
Es gibt auch zu viele Menschen, die sich in einer RTL II Depression befinden und vor lauter Ahnungslosigkeit gegenüber ihrer eigenen Bedeutung in einer demokratischen Gesellschaft, meinen, dass es nichts beizutragen gäbe.
Diese Lethargie, dieses Desinteresse gegenüber den herrschenden und sich selbstbedienenden Hyänen, die Bankenmanager, Konzernleiter, Politiker, Vereinsvorstände usw. finden wir auch in den Bildungsbürgerschichten.
Platon, Sokrates, Hannah Arendt und weitere Denker setzten sich mit dem Phänomen des Bürokraten im Menschen auseinander.
Ein Mensch, der nicht denkt, sondern nur handelt.

Es sind die Menschen, die ihr eigenes Individuum aufgegeben haben, somit nicht mehr selbständig existieren und erst recht die Unmenschlichkeit und die schweren Verbrechen in unserer Geschichte ermöglichten und in der Gegenwart nach wie vor ermöglichen, wie auch so jede wichtige gesellschaftliche und politische Reform und Entwicklung zu einer besseren Gesellschaft und mehr Gerechtigkeit verhindern.

Von Hannah Arendt ist das weltberühmte Zitat: Keiner hat das Recht zu gehorchen!

Dieses Zitat sagt eigentlich schon sehr viel über die wesentlichen Fehler in unserer Gesellschaft und in vielen Menschen aus.
Wir haben es mit Armut im finanziellen, im geistigen und moralischem Sinne zu tun.
Das heißt, die Herausforderungen sind ebenso vielfältig, wie die von uns angestrebte solidarische Gesellschaft!
Diese Herausforderung gilt für ganz Europa, dennoch gibt es aufgrund verschiedener Kulturen bestimmte und deshalb sehr interessante Unterschiede, vor allem in der allgemeinen Haltung einer Gesellschaft zur Solidarität mit bedürftigen Menschen. Diese Unterschiede versuche ich schon seit meiner Studienzeit zu erarbeiten und immer tiefer zu verstehen.

Gehörlosblog: Welchen Lebensbereichen widmest du dich besonders? Was empfindest du als deine persönliche Berufung?

Patrick Hennings: Deshalb auch meine grundsätzliche Widmung der Wissenschaft von Vielfalt, Inklusion und Soziologie, in Europa und mein politisches Engagement für eine starke Bildung, starke Kultur, starke mittelständige Wirtschaft einschliesslich der vielen Klein- und Einzelunternehmern und soziale Gerechtigkeit.

Der Trend zur Gier muss beendet werden und Solidarität muss wieder schick sein. Dann ist der Weg zu einer wirklich inklusiven und vielfältigen Gesellschaft einfacher.

Es ist meine Berufung dafür zu streiten und zu kämpfen.
Ich habe sonst einfach ein schlechtes Gewissen, denn ich habe viele Freunde, die fortlaufend diskriminiert werden und leider zu wenig Kraft haben, sich zu wehren. Ich kann es noch, also mache ich es, für uns alle, so weit ich es kann.

Gehörlosblog: Du bist kulturell sehr interessiert und hast in dem Bereich schon sehr viel auf die Beine gestellt. Um nur einige zu nennen: „SOPOS – Sense Our POSsibilities – Open Minded“, Events in deinem ehemaligen Club in St. Pauli, dein engagierter Einsatz für deine geliebte Musik sowie Menschen. Da war dein Einsatz in der TV-Sendung „Sehen statt Hören“ mit Mischa Gohlke zu sehen für das Projekt „Grenzen sind relativ“. Es gibt ein tolles Video von dir, in dem die Begriffe der Getränke in der Bar gebärdet werden. Das Video ist untertitelt und somit eines der wenigen besten Videos von Hörgeschädigten, die barrierefrei gezeigt werden, für Hörgeschädigte sowohl für Hörende:

 

Gehörlosblog: Demnächst kommt ein Musikvideo raus, in dem du mitsingst. Wie ist es dir gelungen? Was ist es für ein Lied?

Patrick Hennings: Ja, es ist so gut wie sicher. Es soll eine Überraschung werden, mal wieder etwas anderes und neues. Ich denke, das gab es in der Form noch nicht, so wie damals die mit Sandra Ortiz und Julia Vitt gemeinsame Idee für dieses Video „bar signs“, wo Lukas Kollien den Hauptakteur macht.
Unsere Grundidee war damals, wenn wir schon Inklusion wollen, d.h. im Falle von zwei Kulturen, z.B. die hörende und gehörlose Welt, dann müssen auch sich beide Seiten aufeinander zu bewegen und sich möglichst gleichmäßig bemühen, wodurch sich dann auch der gegenseitige Respekt und die gegenseitige Würdigung beweist. Deswegen übernahmen wir nur einen Teil, der schon bekannten Gebärden und erfanden einige neu, damit auch Gehörlose diese „neue Sprache“ ebenso lernen können, eben „Gleichberechtigung“ unter den Lernbereiten.
Darüber hinaus wollten wir zeigen, wenn wir bedenken, dass in manchen Ländern die Gebärdensprache auch bewusst von Hörenden aus beruflichen Gründen, auch in der Armee oder beim Sport genutzt wird, warum eben nicht auch für die Menschen, die z. B, in einer Disko arbeiten oder diese besuchen? Man muss sich nicht mehr anschreien und man kann sogar sich wirklich intensiv unterhalten, auch mit viel Spass.
Nun zurück zum Musikvideo, auch dieses wird unique. Bitte habt Geduld. Danach können wir uns wieder sprechen 🙂

Gehörlosblog: Möchtest du jetzt schon verraten, welches Projekt demnächst ansteht, wo man dich erleben kann? (über ungelegte Eier musst du natürlich nichts schreiben, gg)

Patrick Hennings: Werde ich nicht verraten, noch nicht, aber, ich werde Gehörlosblog als Erstes informieren.

Gehörlosblog: 🙂 Was bewegt dich so, dich für die Menschen einzusetzen und dich für das Soziale stark zu machen?

Patrick Hennings: Ich weiß nicht, ich war eigentlich immer so. Ich konnte noch nie Ungerechtigkeit ausstehen, schon im Kindergarten nicht. Gott sei Dank prügel ich mich seit der 6. Klasse nicht mehr 😉 Ich hörte damals mit dem Prügeln auf, nachdem ich mich auf dem Schulhof mit einem prügelte, der zuvor einen viel kleineren Jungen mit diskriminierte und ihn mit dem Taschenmesser bedrohte. Ich wollte also diesen kleinen Jungen verteidigen. Ein Mädchen kam dann zwischen uns Prügelnden, ganz plötzlich. Ich bemerkte es zu spät und hatte schon meine Faust in Richung ihr Kiefer unterwegs. Sie war danach 4 Wochen mit Gehirnerschütterung nicht lernbereit.
Das war mir eine verdammt wichtige Lehre. Gerechtigkeit kann man sich nicht mit körperlicher Gewalt erstreiten, sondern man muss sie sich geistig erkämpfen, gemäß der Philosophie von Malala.

Gehörlosblog: Welche Botschaft möchtest du den Hörgeschädigten weitergeben?

Patrick Hennings: Ich bin davon überzeugt, dass auch die Menschen, für die es keine technische Hilfe zum Hören über die Ohren gibt, und auch die Menschen, die zu ihrer Gehörlosenkultur stehen, was wir grundsätzlich zu respektieren haben, aus Gründen des Rechts auf Selbstbestimmung, dass man Musik eben nicht über die Ohren wahr nimmt, sondern mit dem ganzen Körper. Deswegen meine Leidenschaft auch zum Tanz. Musik und Tanz sind wunderbare Instrumente, den eigenen Körper besser kennenlernen und verstehen zu können. Und darüber hinaus ohnehin ein wunderbares Instrument, sich grenzüberschreitend kulturell austauschen zu können.
Meine Leidenschaft zur Musik und Tanz half mir die grossen Barrieren zur hörenden Welt leichter überwinden zu können. Denn sie gibt mir immer wieder Kraft für die Hoffnung und das Selbstvertrauen, was man unbedingt braucht, um nicht in unserer Gesellschaftumzufallen, bzw. um sich als Hörgeschädigter besser behaupten zu können.

Patrick Hennings und sein geliebtes Schlagzeug

Gehörlosblog: Als Bauchtänzerin stimme ich dir hier voll zu, dass die Musik und der Tanz viel zur Erfüllung des Lebens beiträgt. Ohne beides ist die Welt um so vieles ärmer. Was ist dir dabei noch wichtig?

Patrick Hennings: Auch sehr wichtig ist es, man darf einfach keine Angst haben und das Letzte was man tun sollte, ist sich in der Gesellschaft zu verstecken. Die Hörenden sind unsicher genug im Umgang mit uns Hörgeschädigten. Wir müssen den ersten Schritt tun und zeigen, dass es doch nicht so schwer ist, miteinander zu kommunizieren. Wir gehören alle zusammen, so individuell wie wir alle auch sind. One world, one people.

Und ich wünsche mir, dass in einigen Ländern und Kulturen Hörgeschädigte endlich aufhören sich gegenseitig zu diskriminieren. So individuell die Menschen sind, so individuell können auch Hörschädigungen sein, so unterschiedlich sind auch die Wege zur Überwindung der technischen Barrieren. Jeder Mensch muss letztendlich es für sich selbst entscheiden, welchen Weg er gehen möchte und nicht muss! Wenn ein Mensch gehörlos sein möchte, auch wenn er es nicht ist, dann hat er ein Recht dazu und dies ist zu respektieren. Ebenso ist es umgekehrt.
Ich sehe die Gebärdensprache auch nicht als gefährdet an, erst Recht, wenn wir zeigen, welche Vorteile diese Sprache auch für die Hörenden hat, allein für einige Berufe wäre sie wirklich hilfreich! Und, ich finde diese Sprache wirklich sehr schön, da man eben nicht mehr nur faul kaum seine Lippen bewegt beim Sprechen, sondern man setzt seinen Körper viel stärker und bewusster in der Kommunikation ein. So dass viel mehr Aufmerksamkeit untereinander erreicht wird, und vielleicht auch eine viel sichere und ggf. entspanntere Kommunikation erreicht wird.

Gehörlosblog: Welche Botschaft möchtest du den Hörenden weitergeben?

Patrick Hennings

Patrick Hennings: Ich bin wirklich traurig, dass nach soviel Jahrzehnten Aufklärungsarbeit über die Vielfalt der Hörschädigungen und die unterschiedlichen Hilfsmitteln, eben nicht nur die Hörgeräte, die Menschen noch immer nicht verstanden haben, bzw. auch sich kaum wirklich dafür interessieren, auf welchen Wegen man den Hörgeschädigten insgesamt mehr gesetzliche Teilhabe sichert. Zum Beispiel die Untertitelung aller Videos und TV-Programme. Ein typisches Phänomen, Menschen wissen, dass ein Gehörloser oder anderer Hörgeschädigter in der Runde dabei ist. In den ersten Minuten bemüht man sich. Mit der Zeit hat man die Hörgeschädigten wieder vergessen.
Dieses Phänomen hat sogar im Laufe der Zeit zugenommen, die Menschen haben weniger Disziplin in der Kommunikation miteinander, was auch in weniger Respekt im Umgang miteinander, Beispiel der Umgang mit den alten Menschen, begründet werden könnte. Ich habe es in der Tat früher leichter gehabt in größeren Gruppen von hörenden Menschen teilhaben zu können.
Ich staune schon nicht mehr, dass, trotz nach jahrzehntelanger Aufklärungsarbeit und zunehmender Hörschädigung in der Gesellschaft, z.B. die Männer immer noch so erpicht darauf sind, einen Bart zu tragen, der die Lippen verdeckt, wie auch der ihr Gesicht teilweise somit verdeckt. Das Interesse an optimaler visueller Kommunikation schient nachzulassen oder man hat überhaupt kein Interesse daran, dass man richtig oder wirklich verstanden wird, auch von Menschen mit Hörschädigung. Ich würde jedoch wollen, wenn ich z.B. eine Rede halte, dass JEDER Mensch mich wirklich verstehen kann, zumindest akustisch 😉

Gehörlosblog: Durch dein Engagement für „Inklusion“ bist du hier sozusagen der Experte. Das Wort ist für viele Menschen ein „kaltes FrePatrick Henningsmdwort“. Meine Frage: Wie würdest du „Inklusion“ in einfachen Worten beschreiben? So dass es jeder verstehen kann, sogar ein Kind.

Patrick Hennings: Inklusion ist nur eine allgemeine Definition. Diese muss unterschieden werden in integrierende und separierende Inklusion.

Mit der Inklusion soll in erster Linie insgesamt die technische Barrierefreiheit für alle Menschen mit besonderen Bedürfnissen, somit grundsätzliche, gesellschaftliche Teilhabe erreicht werden.

Gemäss dem Selbstbestimmungsrechts und dem Ziel auch mehr Vielfalt zu erreichen und zu sichern, also mehr Wertschätzung und Respekt gegenüber den verschiedenen Kulturen zu zeigen, muss jedem Menschen selbst überlassen werden, ob er sich integrieren möchte oder nicht. Deswegen die beiden verschiedenen, inklusionspolitischen Wege.
Da einzelne Bedürfnisse so individuell sind, wie auch die Technik sich ständig weiterentwickelt, wie auch die Bildung stets ausreichend gepflegt, gefördert werden muss, wie auch sie grundsätzlich Geld kostet, deshalb politisch stets gefährdet bleibt,
ist Inklusion ein ständiger Prozess, um ausreichende gesellschaftliche Teilhabe und möglichst viel Vielfalt zu erreichen und zu halten.

Gehörlosblog: Du empfindest dich als Europäer und bist demnach aufgeschlossen. Somit engagierst du dich eher für die Europa-Politik. In der Satire wird jedoch oft gespottet über die Politiker, die hier in Deutschland als „untauglich“ abgewählt und ins Europaparlament geschickt wurden. So wird gesagt, dass die meisten unfähigen Politiker im EU-Parlament sitzen und unsinnige Gesetze herausbringen, die Europa nicht weiterbringen, sondern eher zerstören. Das stellt sich angesichts der aktuellen Lage auch immer wieder als wahr heraus. Was ist bei dir anders?

Patrick Hennings: Es gibt grundsätzlich Neider und Vorurteile. Wir brauchen gute und ausreichend qualifizierte Politiker auf allen Ebenen, ob Kommune, Land, Bund oder Europa.
Politiker haben oft einerseits eine persönliche Motivation, andererseits werden sie oft über Lobbies beauftragt. Ich meine damit nicht die Bestechung 😉
Meine wichtige Lobby sind Vereine und Institutionen, die sich insbesondere für die Menschenwürde und politisch für besseren Schutz unserer Bürger- und Menschenrechte einsetzen. So ist es logisch, dass ich mich besonders stark für Menschen einsetze, die vom Ausschluss bedroht sind.
Es stimmt nicht, wenn behauptet wird, dass Europa unsinnige Gesetze verabschiedet.

Gehörlosblog: Eigentlich sollte die Menschenwürde eine Selbstverständlichkeit sein, so dass keine Lobby und kein Verein dafür nötig ist. Gibt es in Europa viele Probleme, weil jedes Land – mental und geographisch gesehen – anders tickt?

Patrick Hennings:
Wir dürfen nicht vergessen, bei der Vielzahl der europäischen Länder und somit verschiedenen Kulturen, wie lang gesetzgeberische Prozesse sind.
Wir wissen, dass Gesetze in der Regel Kompromisse zwischen den verschiedenen politischen Interessen und Strömungen sind.
Wenn ein europäisches Gesetz dennoch „unsinnig“ ist, liegt es nicht an Europa, sondern an bestimmten Ländern, die aus Reihe tanzen oder es könnte, wie es leider oft passiert, nach wie vor, die Geld- oder Wirtschaftslobby dahinter stecken.
Wir dürfen auch nicht vergessen, dass gerade Deutschland, das sich immer wieder gern als „Sheriff“ in Europa zeigt, Europameister (wenn es noch aktuell ist) beim Empfangen der blauen Briefe ist.
Wir müssen uns erinnern, die letzte Bundesregierung verlor so oft vor dem Bundesverfassungsgericht, wie keine andere Bundesregierung zuvor. So liegt es auf der Hand, dass die blauen Briefe aus Brüssel ähnlich begründet und gerechtfertigt sein müssen.
Meine persönliche Motivation ist, ich will ein europäisches Deutschland und kein deutsches Europa.

Patrick Hennings bei der LPR Köln
Und es gibt schon einen Tauben im Europaparlament. Er gehört jedoch zur FIDESZ, dieser rechtspopulistischen, an Rassismus grenzenden Partei, die Menschenrechte mit den Füssen tritt, usw.. Dieser Mann soll als bisher einziger Selbstvertreter im Europaparlament Behindertenpolitik machen? Das ist schlimm genug, denn widersprüchlicher kann es nicht sein. Deshalb kämpfe ich um den Einzug ins Europaparlament. Ich denke, es ist unheimlich wichtig, gerade im Interesse wirklich sozialer Verbände und Verfechter unserer Menschenwürde und Menschenrechte.
Und es gehören auch möglichst viele Selbstvertreter auch ins Europaparlament, gemäß nicht ohne uns über uns. Ebenso wie Frauen es nicht dulden, dass Männer über Frauen bestimmen und Gesetze verabschieden.
Ansonsten, ich streite es nicht ab, dass es in der Tat Europapolitiker, wie eben auch die Rechts- und Nationalpopulisten, gibt, die mit ihrem Verhalten das Projekt Europa, und somit auch den sozialen Frieden in einigen Ländern besonders gefährden.
Um so wichtiger ist es, dass eben wirkliche Europäer ins Europaparlament einsteigen.

Gehörlosblog: Für die Europa-Politik fallen mir nur diese zwei Fragen ein:
Das Finanzsystem scheint die maßgebliche Grundlage zu sein, um sämtliche fortschrittliche Unternehmungen durchführen zu können. Einfach ausgedrückt: Ohne Geld keine Bildung, ohne Bildung keine Innovation, ohne Innovation keine Wirtschaft.

1.) Kannst du mir erklären, wieso der Staat, also wir, den pleite gegangenen Banken Steuergelder geben müssen?

2.) Und warum gleichzeitig die Löhne gesenkt, Stellen gekürzt, die Steuern erhöht und immer mehr Unternehmen geschlossen werden müssen?

Patrick Hennings:

1) Das Finanzsystem wäre sonst zusammengebrochen, mit erheblichen, volkswirtschaftlichen Schäden.

2) Das ist das Entscheidende. Warum müssen Bürger zahlen für die politischen Fehler?
Wenn ein Staat tatsächlich pleite ist, das ist eine Sache.
Die andere Sache ist, wenn ein Staat dennoch über genügend Mitteln verfügt und es „nur“ eine Frage der Umverteilung ist.
Dies ist eben die Aufgabe für die Sozialpolitiker ausreichend und energisch genug für  soziale Gerechtigkeit zu streiten gegen die anderen politischen Interessen.

Gehörlosblog: Hmmm, so ganz zufrieden stellen mich die Antworten nicht. Ich bin sehr gespannt, wie andere auf meine zwei Fragen bzgl. der Politik reagieren. Du bist vornehmlich Menschen- und Bürgerrechtler, wie auch Sozial- und Kulturpolitiker. Was verstehst Du unter sozialer Gerechtigkeit in Europa?

Patrick Hennings:
Diese ist eine kurze Frage, die jedoch hier den Rahmen sprengen würde, würde ich auf alle wichtigen Beispiele und Bausteine in der Sozialpolitik eingehen.
Ich versuche sie dennoch kurz, wenn auch nur oberflächig zu beantworten.
Unter der sozialen Gerechtigkeit in Bezug auf Europa verstehe ich einen allgemeinen sozialen Konsens zwischen allen europäischen Nachbarn. Zum Beispiel, dass es in allen europäischen Ländern einen gesetzlichen Mindestlohn gibt, alle soziale Grundleistungen wie Krankenversicherung, für alle EU-Bürger, egal aus welchem EU-Land sie zuvor herkamen, in den jeweiligen EU-Ländern gewährleistet sind und bleiben.
Darüber hinaus wünsche ich mir, dass z.B. Deutschland dem Beispiel von Belgien folgt, wo es für Menschen mit Behinderung ein grundsätzliches Existenzminimum (also ohne ein vergleichbares „Hartz IV“) gibt, so dass z.B. die diskriminierende Lohnzahlung in den deutschen Behindertenwerkstätten endlich ein Ende hat.
Es gibt viele weitere Punkte, die man aufzählen kann und müsste in Bezug auf soziale Gerechtigkeit…
Um die europäische Freizügigkeit, wie sie es für Arbeitsplatz-Inhaber, reiche Menschen und Unternehmen schon lange gibt, eben für alle weitere Menschen zu erreichen, muss eben die soziale Grundsicherung in allen EU-Ländern für alle EU-Bürger gelten.
Die europäische Sozialcharta haben wir schon, die Länder müssen sie nur umsetzen.
Erst dann haben wir auch ein wirkliches Europa erreicht!
Es geht mir also um das Ziel zur bestehenden wirtschaftlichen Freizügigkeit auch die soziale Freizügigkeit, wie es sie in Deutschland zwischen den Bundesländern gibt, zu erreichen. Ich weiss, dass es vielen Nationalisten nicht gefällt, Bayern will ja z.B. auch nicht mehr mit den Berlinern teilen, eben der bekannte Geiz reicher Länder und Menschen. So wie die Lederhose zu Bayern gehört, gehören auch die armen EU-Bürger zu Europa, egal wo in Europa.
Ein Beispiel möchte ich hier abschliessend zu dieser Frage noch bringen. Die soziale Gerechtigkeit ist auch des Friedenswillen so wichtig. Z.B. wo es in Belgien einen relativ hohen Mindestlohn gibt, deshalb die Produktionskosten viel höher sind als in Deutschland, wo es noch immer keinen Mindestlohn und zu dem auch viele Hunderttausende Arbeitsplätze nur mit Hilfe von direkten und indirekten Subventionen ermöglicht werden, so dass Deutschland zum grossen Teil nur deshalb in bestimmten Branchen wie in der Fleischproduktion großen internationalen Erfolg hat und als Exportnation noch mächtiger wurde, wie sauer sind wohl die Belgier jetzt auf Deutschland? Wie unerwünscht könnten nun Deutsche in Belgien sein?
Das nur mal als ein Beispiel, warum es so wichtig ist, nicht nur in Wirtschafts-, sondern unbedingt auch in sozialpolitischen Fragen über den Tellerrand zu schauen.
Eben gemäß meinem Motto „no borders, no cry“ (= „jetzt erst recht!“)

Gehörlosblog: Wie kann die Gerechtigkeit deiner Meinung nach erreicht werden?

Patrick Hennings: Um sie zu erreichen, in ganz Europa, optimistisch gesehen, erreichen wir es, pragmatisch gesehen. Ich werde es nicht mehr erleben, bis sie wirklich erreicht wurde. Dennoch streite und kämpfe ich dafür, denn, ich will mich stets ohne Gewissensbisse im Spiegel ansehen können. Zu gross ist meine Furcht, dass ich mal etwas bereuen könnte, mein Leben lang. Ich bin also zu feige, um unrechtes tun zu können.

Patrick Hennings vertieft in der Musik Kurz: Wie im Bundestag gibt es auch im Europaparlament einen Sozialausschuss. Und dieser ist natürlich sehr wichtig, nicht nur für die Gesetzgebung, sondern um auch einen weitergehenden Schulterschluss zwischen den verschiedenen europäischen Ländern zu finden und daran zu arbeiten.
Es gibt schon das „Europäische Fürsorgeabkommen“ seit rund Mitte der 50er Jahre und eben, wie schon erwähnt, die europäische Sozialcharta und der wichtige Lissabonner Vertrag, der im Jahr 2009 unterzeichnet wurde. Gemäß diesem Vertrag bekam auch das Europaparlament mehr wichtige Rechte, wie z.B. im sozialen Bereich Gesetze durchbringen zu können, gemeinsam mit dem Rat für EU.

Das wir dennoch Probleme haben soziale Gerechtigkeit zu erreichen, liegt im wesentlichen am Nationalismus bestimmter Länder. Beispiel Rumänen zahlt allen arbeitslosen EU Bürgern Sozialgeld. Ist dies in allen anderen EU-Ländern ebenso?
Die soziale Gerechtigkeit finden wir also nicht nur mit der Gesetzgebung, sondern nur gemeinsam mit dem Willen ALLER europäischen Bürger für ein gemeinsames Europa.

Gehörlosblog: Letztlich drängt sich die Frage zur Politik auf, ob weiterhin Politiker gebraucht werden, weil sich viele Politiker als unzuverlässig und unloyal gegenüber dem Volk benehmen. So dass meiner Meinung nach die ganze Politik-Ebene überhaupt nicht mehr glaubwürdig da steht.  Ich habe hier eher den Eindruck, dass du eigentlich kein Politiker bist, sondern eher ein „Menschendiener“ bist, damit es den Menschen besser geht und sich somit besser um die Bildung, Inklusion und Innovationen in der Wirtschaft kümmern können. Somit wünsche ich dir viel Erfolg bei deinem Einsatz in der Europa-Politik und danke dir ganz herzlich für das geführte Interview! Danke 🙂

 

Herzlichst

Eure Gehörlosbloggerin

Hörgeschädigter Arzt Roland Zeh musste sich behaupten

Hörgeschädigter Arzt Roland Zeh musste sich behaupten

 

Ein guter Videobericht über den Arzt Dr. Roland Zeh – darin wird auch aufgezeigt, wie ungefähr sich die Geräuschkulisse für den Hörgeschädigten beim Hören anfühlt.

Das Video ist sehr aufschlussreich und es wird sehr gut erklärt. Kann ich jedem empfehlen! Tolles Video, mit Herz gemacht – in klarer Sprache rübergebracht, weshalb das Hören und Verstehen zwei verschiedene Stiefel sind!

Dr. Roland Zeh - hörgeschädigt
Dr. Roland Zeh – hörgeschädigt

Und so ergeht es vielen Menschen mit Hörschädigungen: Sich behaupten in der hörenden Welt.

Das Video hat übrigens intern Untertitel!

Quelle: Video-Artikel vom STERN

Sollte das Video nicht abspielbar sein, hier geht’s direkt zum STERN-Artikel „Ich musste mich erstmal behaupten (hier klicken).

 

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Wie fotografiert man gehörlose Menschen?

Wie fotografiert man gehörlose Menschen?

 

Besonders, wenn man deren Gehörlosigkeit sichtbar machen will? Wie geht das?

Per Gebärdensprache? Nein – denn auch Hörende gebärden, das fällt also weg. Oder?

Die Gehörlosigkeit bzw. Hörschädigung ist und bleibt unsichtbar. Was man dann in der Gesellschaft sieht, ist ein Mensch mit einem ratlosen Gesicht, der inmitten einer Diskussion mit mehr als zwei Menschen steht und nichts mitbekommt. Man kann nicht überall gleichzeitig hinschauen. Das wäre mal so ein Beispiel.

Mit den Hörgeräten und CI? Wenn man die abzieht, ist die Hörbehinderung wieder unsichtbar und mit langen Haaren sieht man die Geräte hinter den Ohren eh nicht. Und es gibt ja auch diese „unsichtbare“ Innenhörgeräte. Also fällt das auch weg, hmmmm…

Mit der Hand an der Ohr halten – ist ja auch nicht unbedingt etwas, der vom Hocker reißt. Und das machen Hörende ja auch, wenn sie für die Kampagne der Stiftung „Hear the World“ vor der Kamera stehen.

Habt Ihr dazu Beispiele? Wie könnte man das sichtbar machen?

Per Foto oder doch per Video, wenn z.B. der Hörende den Gehörlosen fragt: „Um wieviel Uhr fängt der Film an?“ und der Gehörlose komplett falsch versteht und so antwortet: „Ja, Sonntag“

Ich habe nämlich in der Suchmaschine eingegeben: „Gehörlose Menschen“ – und dazu die Bilder gesucht. Aber keinem sieht man die Hörschädigung an – wir sehen alle so herrlich „normal“ aus 🙂

Hmmmm, grübel…

 

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Gehörlosigkeit: Die Eingrenzung hängt zum Hals raus

Gehörlosigkeit: Die Eingrenzung Gehörlosigkeit hängt mir zum Hals raus

Deshalb habe ich eine neue Webseite www.judithgoeller.com aufgefädelt, auf der ich auch meine komplett andere Interessen einbringen kann, die nichts mit der Thematik Gehörlosigkeit zu tun haben. So kann ich mich besser „austoben“ neben meinem Gehörlosblog mit dem speziellen Thema Gehörlosigkeit.

Gleichzeitig dient mir diese auch als eine bessere Vernetzung über den Tellerrand hinaus.

Ich bestehe ja nicht nur aus Gehörlosigkeit, sondern bin in erster Linie ein Mensch, eben die Judith Göller. Ich habe vielseitige Interessen und nicht nur die Gehörlosigkeit im Blick. Und ich weiß, dass es vielen Hörgeschädigten ebenso ergeht. Und das will ich auf meiner neuen Webseite einbringen und mit euch allen dort vernetzen – mit euren Namen!

Jeder von uns ist ein „WER“ – mitsamt seinen Fähigkeiten, Stärken und starken Willen.

Mit oder ohne Gehörlosigkeit!

Damit ihr nicht etwas missversteht: Mein Gehörlosblog ist mir wichtig, sozusagen „mein Kind“, das ich liebe und immer pflege und mit neuem Stoff versorge – aber meine Person besteht eben nicht nur aus Gehörlosigkeit und ich schaue schon immer gerne über den Tellerrand hinaus, um meinen Horizont zu erweitern.

3 hörbehinderte Mädels und die Lautsprache / Gebärdensprache

Judith, Eva und Anna…

Wer meine persönliche Vorstellung in diesem Blog durchliest, weiß, dass ich noch zwei hörbehinderte Schwestern habe.

Meine Schwestern heißen Eva und Anna. Ich selbst bin die Älteste von 4 Geschwistern (ich habe einen hörenden Bruder). Meine Schwester Eva ist 1 1/2 Jahre jünger als ich. Meine jüngste Schwester Anna ist 14 Jahre jünger als ich.

Die Genberatung steht bei uns vor einem Rätsel, warum nur wir drei Mädchen von der ganzen Verwandtschaft als gehörlos geboren wurden.

Meine Schwester Eva hat noch eine zusätzliche Behinderung zu ihrer Hörbehinderung, das Franceschetti-Syndrom. Warum ich dies erwähne, darauf komme ich noch zurück.

Meine Mutter hatte bezüglich der Lautsprach-Erziehung bei mir Erfolg, weil ich den Ehrgeiz hatte (und immer noch habe), die Sprache zu lernen und zu beherrschen. Ich begann bereits mit 2 1/2 Jahren lesen und schreiben, was für mich von großem Vorteil war, um so den direkten Draht zur deutschen Sprache zu finden. Dadurch konnte ich auch viel besser von den Lippen ablesen. Alles, was Buchstaben hatte, reizte mich sehr und ich las sehr viel. Durch diese jahrelange Übung bin ich inzwischen eine sehr schnelle Leserin – ich tue geradezu die Bücher „verschlingen“ 😉

Als meine Schwester Eva auf die Welt kam, auch gehörlos, bekam sie auch ihre Frühförderung in der Lautsprache. Jedoch hatte sie kaum Lernwillen bzw. tat sich sehr schwer damit, sie fand nur sehr schwer den Weg zur Lautsprache. Auch aufgrund ihrer zusätzlichen Behinderung, sie konnte die Worte nicht formen. So habe ich dann mit Eva zusammen unsere eigene Gebärdensprache „gemacht“, so dass wir uns mittels Gebärdensprache unterhalten und verstehen konnten. Meine Mutter kam sich bei Eva als Versagerin vor, weil sie nie ganz zu Eva hindurchdringen konnte, was die Lautsprache betraf. Dass es noch andere Gehörlose gab, davon wusste ich nicht.

Ich war mir damals als Kind schon sehr bewusst, dass Eva und ich anders waren als die hörenden Menschen um uns herum. Ich kann mich heute immer noch an die Gedanken, die ich mit 3 Jahren hatte, erinnern.

Erst mit 4 Jahren (was damals zu meiner Zeit üblich war) ging ich in den Kindergarten für Hörsprachbehinderte in Frankenthal. Dort kam ich das erste Mal mit anderen gehörlosen Kindern in Berührung und kam nicht mehr aus dem Staunen heraus, dass es soviele andere gehörlose Kinder gab, die auch nicht hören konnten wie Eva und ich. Dort kam ich auch das erste Mal mit der Gebärdensprache anderer gehörlosen Kinder in Kontakt, welche sich sehr von der Gebärdensprache von Eva und mir unterschied.

Ich übernahm vieles von dieser „Kindergarten“-Gebärdensprache (es wurde im Kindergarten nicht die Gebärdensprache gelehrt, sondern die Lautsprache, aber wir Kinder unterhielten uns unter uns trotzdem in Gebärdensprache, weil es einfach schneller und leichter ging in der Kommunikation). Ich brachte davon vieles meiner Schwester Eva bei. Dennoch blieb unsere eigentliche Gebärdensprache weiterhin bestehen, die sich von der Gebärdensprache anderer Kinder unterschied. Bis heute.

Mittels unserer eigener Gebärdensprache vermittelte ich oft zwischen meiner Mutter und Eva, weil meine Mutter Eva manchmal überhaupt nicht verstand und umgekehrt ebenso.

Dann kam mein hörender Bruder auf die Welt (9 Jahre nach mir) – das ist wiederum eine eigene Geschichte für sich, ich weiß noch nicht, ob ich darüber berichten soll? Ich frage da meinen Bruder, ob er damit einverstanden ist…

Zuletzt kam meine Schwester Anna auf die Welt, von ihr brauche ich nicht viel zu berichten, da sie vom Ehrgeiz und Lernwillen her mir ähnelt. Sie hatte noch viel mehr Vorteile als ich, dank der Erfahrung meiner Mutter bei mir sowohl auch Eva. Als Anna noch keine Hörgeräte hatte als Baby, hat meine Mutter ihr von Anfang an in die Ohren direkt reingesprochen, so dass sie sehr früh mit Stimmen in Kontakt kam und dadurch schnell das Hörverständnis erwerben konnte. Als Anna ca. halbes Jahr war, bekam sie ihre Hörgeräte und konnte auf diese Weise ihr bereits erworbenes Hörverständnis weiter entwickeln und kam in den hörenden Kindergarten. Dann später in die hörende Grundschule und anschließend aufs Gymnasium. Freilich hatte Anna auch ihre Probleme auf den hörenden Schulen, da sitzen wir alle Hörbehinderte eigentlich im gleichen Boot. Derzeit studiert sie Hörgeschädigten-Pädagogik, um Lehrerin für gehörlose/schwerhörige Kinder zu werden, mit Fachrichtung Musik. Sie spielt Klavier und gibt auch Klavierunterricht und das als Hörbehinderte und mit Hörgerät. Sie macht das echt hervorragend.

Für viele mag die Musik ein Widerspruch bei hörbehinderten Kindern zu sein, aber die Musik ist erst recht ganz besonders wichtig für die hörbehinderten Kinder, um ihr Gespür und Gefühl auch besser entwickeln zu lassen. Das ist wiederum ein ganz eigenes Thema für sich, worüber ich ganz sicher auch schreiben werde, zusammen mit Anna. Mal sehen…

Zusammengefasst möchte ich damit sagen, dass es bei den Hörbehinderten/Hörgeschädigten nicht ohne Gebärdensprache gehen kann (zum Beispiel meine Schwester Eva und ich selbst ebenso). Jedoch ist es sehr wichtig, dass die Hörbehinderten viel LESEN sollen, um den direkten Draht zur Sprache zu bekommen und zu behalten, was die Gebärdensprache nicht ersetzen kann. Auf diese Weise eignen sich die Hörbehinderten auch die Unabhängigkeit bzw. Selbstständigkeit in der Kommunikation mit anderen Mitmenschen an.

+689% für Sie, weil uns dieses Gerät taub macht

Dieser Titel sprang mir ins Auge und ich dachte, ÄH??? Wollen die Hörenden denn ein Gerät, das  taub macht?

Ich habe hier vor einigen Beiträgen versprochen, dass ich darüber bloggen werde (Vorausberechnen der Gehör-Schädigung möglich).

Der Titel wurde dabei auch nochmal umgeschrieben auf

„+689% Gewinn für Sie, weil Apple iPod & Co unsere Kinder taub machen“

Das klingt schon einleuchtender und es ist auch so – sicher könnt ihr nun erkennen, worum es geht, Gewinne zu machen?

Dann folgt hier eine Beschreibung:

„Was sie zu sehen bekommen, sieht völlig unspektakulär aus. Es ist fast schon langweilig. Es ist aber für Zig-Millionen Menschen in aller Welt – darunter für jeden 4. Jugendlichen in Europa – eine SENSATION, die ihr ganzes Leben verändert.

Vorne im Veranstaltungsraum sitzt wie verlassen ein Mädchen. Keiner applaudiert. Es muss absolut still sein im Raum…

Keiner hört etwas. Plötzlich lächelt das Mädchen und sagt: ICH HAB’S GEHÖRT.“

Stellt euch vor! Jeder 4. Jugendliche in Europa braucht es! Und an der Börse kann man mit an diesem Skandal (oder als Sensation umschrieben) verdienen:

„Die SENSATION spricht sich noch in derselben Stunde an den Börsen herum. Nicht nur in Frankfurt. Auch in New York und Shanghai… Der Kurs des Unternehmens, von dem ich hier spreche, kann nur steigen…

Warten Sie bitte nicht auf den folgenden Donnerstag, 14. Oktober. Denn an diesem Tag steht diese Sensation auch schon für die Masse der Anleger in der BILD-Zeitung…

Seit Jahren „schwerhörige“ Schülerin (17) hört Stecknadel – 10 Meter weit weg – fallen

Bitte, Sie müssen dann unbedingt schon die Aktie haben.“

Da, wir haben es nun: Die Aktie für Hörgeräte! Wartet, es ist noch nicht alles – ihr seht gleich, dass die Aufklärung über die vermehrte Schwerhörigkeit bzw. Taubheit in Europa an der Börse bestens bekannt ist:

„Neulich in einer deutschen Hauptschule…

Vorsichtig setzt Schularzt Dr. H. (58) dem 12-jährigen Peter einen Kopfhörer auf, dreht mit der rechten Hand den Knopf an dem Schuhschachtel großen Apparat neben sich ein bisschen nach rechts…

„Hörst du etwas?“, fragt er den Schüler. Blondschopf Peter schüttelt den Kopf. Dr. H. dreht weiter nach rechts. „Hörst du etwas?“ Peter schüttelt den Kopf. Schularzt Dr. H. dreht den Knopf noch ein Stück weiter nach rechts. „Jetzt muss er aber etwas hören,“ murmelt er dem Klasslehrer hinter sich zu… aber Peter scheint den hellen Fiepton aus seinem Kopfhörer nicht wahrzunehmen.

Eine Katastrophe. Und Sie sind als Investor hoch willkommen. Erhalten Ihr Danke in hohen Renditen. +150%, +300%, +689%…

Jeder 4. junge Mensch in Europa ist schwerhörig. Und es werden lawinenartig immer mehr… Fachleute sprechen schon von der…

GENERATION SCHWERHÖRIG

  • Die Zahl der 14- bis 19-jährigen mit mindestens 25 dB Hörverlust verfünffachte sich in den vergangenen 5 Jahren in Deutschland
  • Die Zahl der 20- bis 29-jährigen mit diesem Hörverlust verzweieinhalbfachte sich

 

Sehen Sie, wie stark die Zahl schwerhöriger Jugendlicher zwischen 14 und 19 Jahren in den vergangenen 5 Jahren stieg. Um +400%!!!!! Das ist gigantisch!!!!!!“

Unglaublich, dass das Anpreisen der Hörgeräte-Unternehmen mit zwei Worten im gleichen Zug geschieht: Katastrophe –  gigantisch

Ich staunte sehr über diese geniale Aufklärung des Börsianers für seine Anleger, warum er ihnen die Aktie für eine Hörgeräte-Firma zum Kaufen empfiehlt. Richtig deutlich aufzeigend – solch eine klare Aufklärung finde ich in der Presse sonst oft nicht, ja sogar dort vermisse ich sie richtig!

Wollt Ihr auch in die Schwerhörigkeit investieren? 😀 Warum eigentlich nicht, wenn auch Betroffene mit davon profitieren könnten… ^^ Aber das ist noch nicht alles, es geht noch weiter:

„Noch dazu, wo das Massen-Phänomen Schwerhörigkeit immer dramatischer wird…

Die Europäische Union beschränkte zwar den erlaubten Phon-Wert für mp3-Musikabspielgeräte wie den Apple iPod schon auf 100. Das ist aber immer noch genau so laut wie ein Presslufthammer in 10 Meter Entfernung.

Dabei ist ein Hörschaden schon bei einer Lautstärke von 85 dB(A) (in 7,5 m vorbeifahrender LKW) bei einer Einwirkdauer von 40 Stunden pro Woche möglich.

Was sich da zusammenbraut sehen Sie aber auch bei dem Unternehmen, von dem ich hier spreche. Die Zahl der Verkäufe seiner winzigen High-Tech-Produkte steigen steil an…

Die Verkäufe haben sich in 5 Jahren fast verdoppelt

Und diese Verkäufe können in den vergangenen Jahren nur massiv ansteigen. Es gibt nicht die geringste Hoffnung darauf, dass künftig weniger Hörgeräte gebraucht werden. Ganz im Gegenteil…

Die Hörschäden durch mp3-Player (sind ja sogar in Handys eingebaut) werden weltweit immer mehr. Die Kurve der Hörschäden steigt dramatisch an. Gerade sah ich eine erschreckende Studie aus den USA. Dieser Studie nach vervierfachte sich in den USA die Zahl der schwerhörigen Schüler in den vergangenen 10 Jahren.“

Sehr erschreckend, gell? Ich denke, viele Hörende begreifen „Sehr erschreckend“ erst dann, wenn sie selbst von der Schwerhörigkeit betroffen sein werden.

Es geht noch weiter mit der Aufklärung für den Kauf der Aktien von Hörgeräte-Firmen – soll ich weiter machen? 🙂 Schreibt mir einfach einen Kommentar und ich berichte weiter darüber.

Vorausberechnen der Gehör-Schädigung möglich

Es klagen Ärzte und Arbeitgeber darüber, dass die Berufsanfänger „immer mehr schwerhörig“ sind.

Der Grund soll der zu hohe Lärmpegel in der Freizeit sein, dem sich die Jugendlichen aussetzen. Durch MP3-Player oder Disco-Besuche.

Ein nur 2-stündiger Discobesuch schraubt die Hörfähigkeit herunter und die Gefahr, dass der Gehörschaden später eintritt, soll hier 10 Mal größer sein, als wenn man sich pro Woche dem Lärm am Arbeitsplatz hergeben muss!

Am Arbeitsplatz gibt es Gehörschutz-Pflicht, die die Arbeitgeber einhalten müssen durch ihre Anbindung in der gesetzlichen Unfallversicherung.

Es wurde wegen diesem alarmierenden Zustand bei lärm-hörgeschädigten Berufsanfängern eine Software herausgegeben vom http://www.dguv.de.

Hier geht es direkt zum IFA-Software Lärmbelastungsrechner ADM (die Nutzung ist kostenfrei)

http://www.dguv.de/ifa/de/pra/softwa/laermbelastungsrechner/index.jsp

Pressebericht: http://www.dguv.de/inhalt/presse/2011/Q2/laerm/index.jsp

(auf rechter Seite ist ein Download-Button)

Es ist kein Wunder, dass der Hörgeräte-Verkauf durch die alarmierende Verschlechterung des Gehörs im Volk geradezu boomt! Bald blogge ich mehr darüber.

 

Hörschädigung: zwischen Ohren nicht gewaschen?

Über diesen Satz musste ich so lachen – da ist einer von vielen Vorurteilen der Hörenden gegenüber den Nicht-Hörenden bzw. Hörgeschädigten! Es gab  jedoch auch Paroli (also Gegenüberstellungen bzw. Hinweise, dass man so nicht über Gehörschädigte/Behinderte reden darf).

Ich habe diesen Satz bei den Kommentaren für eine Vorstellung des Text-Makro für ein Onlinespiel gefunden:

http://www.onlinewelten.com/games/rift/specials/1×1-rift-makros-7771/

Die Leute, die über Hörbehinderte spotten und der Meinung sind, die Textchats während des Online-Spiels seien überflüssig – diese haben selbst in der eigenen grauen Masse zwischen den Ohren nichts gewaschen.

Ungefragt aus der Welt der Hörenden gestupst …

… oder die wachsende Scham bei auftretender Schwerhörigkeit.

Hierzu bin ich auf einen schönen Erfahrungsbericht der Ärztin Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner gestoßen, die richtig anschaulich beschreibt, wie es ihr erging, als sich die Schwerhörigkeit in ihr Leben eingeschlichen hat. Ebenso auch, wie sie sich schämte, weil sie immer mehr etwas nicht mitbekommen hat und sich das vor Mitmenschen nicht eingestehen wollte.

Dann beschreibt sie ihren Rückzug von ihrer Umgebung, weil es sehr anstrengend wurde, sich ständig durchzuflunkern, dass sie verstanden hätte. Viele Missverständnisse waren an der Tagesordnung und schreckte sie immer mehr vom Zusammenkommen mit Mitmenschen ab! Und wie sich ihre Rückkehr zum Hören mit Hilfe der Hörgeräte als nicht einfach rausstellte.

Das können sich die Hörenden wirklich nicht vorstellen. Viele meinen immer noch: Hört man, versteht man alles automatisch. Nein – das ist ein Lernprozeß!

Hier gehts zum Erfahrungsbericht (hier klicken)

Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner mit Hörgeräten

So wie dieser Ärztin ergeht es vielen, vielen Menschen, die sich ihre schleichende Schwerhörigkeit gar nicht eingestehen wollen und sich immer mehr von ihren Freunden und auch von ihrer Familie zurückziehen.

Derzeit soll es angeblich 15 Mio. Hörgeschädigte in Deutschland geben, aber nur ca. 1,5 Mio davon Hörgeräte tragen.

Die Dunkelziffer der Menschen, die ihr schlechtes Gehör gar nicht zugeben wollen – aus Stolz, aus Scham, oder was auch immer, ist SEHR HOCH!!!

Und damit führt es auch zum Vorurteil: „nicht hören = dumm“ – Das bekommen wir Hörgeschädigte immer wieder in der hörenden Welt zu spüren, weil die Informationen an uns vorbei gehen, ohne dass wir sie mitbekommen.