Solidaritätsgefühl unter Hörgeschädigten

Wenn ich unterwegs bin, zum Beispiel beim Einkaufen, am Bahnhof, einfach irgendwo und sehe dort Hörgeschädigte, egal, ob bekannt oder nicht.

Was passiert dann?

In mir kommt sofort ein Gefühl hoch, ein Gefühl der Gemeinsamkeit. Dann begrüße entweder ich die Hörgeschädigten oder sie mich. Wir freuen uns und kommen ins Gespräch.

Da ist dieses Gefühl der Solidarität und Gemeinsamkeit. Gemeinschaft mit den Schicksalsgenossen. Man schließt sich sofort zusammen und führt rege Gespräche.

Erst nach der Begegnung stelle ich fest, waren die Gesprächspartner mir sympathisch oder nicht sympathisch? Vorrangig ist zuerst das Gefühl der Gemeinsamkeit.

Bei den Hörenden ist das nicht so. Was passiert, wenn Hörende einkaufen gehen? Überall Hörende – empfinden sie da ein Solidaritätsgefühl? Gemeinschaftsgefühl? Empfinden sie Dankbarkeit, dass es andere Hörende gibt, und sie sich mit ihnen austauschen können? Diese Gemeinsamkeit des Hörens?

Wir Hörgeschädigte sind eine Minderheit und haben es oft schwer unter den Hörenden. Überall muss man sich als Hörgeschädigte anstrengen, um soweit wie möglich alles verstehen zu können. Sobald dann ein anderer Hörgeschädigter über den Weg läuft, fällt diese Anstrengung beim Gespräch weg, die ein Hörgeschädigter oft bei Hörenden hat.

Das hat wohl einen ganz einfachen Grund: Hörgeschädigte brauchen einander überhaupt nicht zu erklären, worauf im Gespräch zu achten ist und wo die Schwierigkeiten in Sachen Verständigung liegen. So können sie im Gespräch sofort loslegen 😉 Mit Gebärden dazu geht es richtig blitzschnell!

Ähnliche Beiträge

  • 2. CI-Tag am 10. Juni 2006 – deutschlandweit

    Hier mehr Infos über den 2. CI-Tag An diesem Infotag gibt es in ganz Deutschland in großen Städten viele Aktionen und Informationen nach dem Motto: „Taub und trotzdem hören“ Das Cochlea Implantat an sich selbst ist ein Wunder der Menschen, denen die Hörgeschädigten am Herzen liegt, um ihnen das Gehör zu geben. Das Hören selbst…

  • Stimmungsvolles Weihnachtsfest mit Nikolaus & Engelchen

    Am 8. Dezember 2007 fand das Weihnachtsfest des Gehörlosenvereines Frankenthal im Kommunikationszentrum statt. Zur Freude der Mitglieder und Gäste spielten zwei DarstellerInnen ein lustiges Theaterstück. Anbei eine schöne Erzählung durch unsere junge Darstellerin Katharina Wottschel: Nikolaus und Engelchen sind auf getrennten Wegen zur Weihnachtsfeier gekommen, haben den Gästen erzählt, was so auf dem Weg passierte….

  • Werbung mit reiner Körpersprache zum Ablachen

    Werbung mit reiner Körpersprache zum Ablachen   Ich liebe die Werbung, aber es gab in letzter Zeit so gut wie gar nichts zu lachen in der Werbung. Vor allem nicht, was komplett auf Körpersprache und Mimik reduziert war. Heute fand ich nun dieses Werbevideo von Volkswagen mit den lachenden Pferden:   Lachende Pferde, schwitzender Autofahrer,…

  • Gehörlos – du mich kennen?

    Gehörlos – du mich kennen? Das fragte mich eine Nachbarin, als ich so ca. 5 oder 6 Jahre alt war. Sie besuchte uns, und begrüßte mich mit diesem Satz „Du mich kennen?“ Ich staunte erst mal darüber (ich starrte sie dabei mit offenem Mund an) und in Sekundenschnelle blitzten die Fragen in meinem Gehirn hoch…

  • Können Fische hören?

    Als Kind habe ich mich oft gefragt, ob die Fische hören können und ich war der Meinung, dass die Fische nicht hören können. (entnommen aus www.aboutpixel.de) Viele, viele Jahre später bekomme ich fast eine Antwort darauf, in einer Zeitschrift stand ein Artikel darüber: „Das genaue Alter eines Fisches lässt sich nur an seinen Ohren ablesen:…

  • Gehörlose Bloggerin diskriminiert selbst – peinlich!

    Gehörlose Bloggerin diskriminiert selbst – peinlich! Auf der Lippendolmetscher-Webseite habe ich die Lippenleseservice beschrieben, was wir gehörlose Lippenleser für Dienstleistung anbieten – siehe Lippenleseservice auf Lippendolmetscher.com Dabei ist mir als Gehörlose selbst ein peinlicher Fehler unterlaufen. Ich diskriminierte durch meine Unwissenheit eine Gruppe von Menschen mit Lippen-Kiefer-Gaumenspalte (LKGS) mit dem volkstümlichen Begriff „Hasenscharte“. Durch eine…

Ein Kommentar

  1. Habe interessant gelesen! Aber gibt bei Hörende auch: Wenn ich zum Beispiel in Japan unterwegs, verstehe nicht japanisch. Höre plötzlich Leute Deutsch reden, dann sind sie mir sofort sehr nah, ich spreche sie an, frage, was sie hier machen, woher sie kommen. Klar, das würde in Deutschland nicht passieren, wo ja (fast) alle deutsch reden.
    Außerdem gibt auch bei Dialekt. Wo ich aufgewachsen bin sprechen die Leute bestimmten Dialekt. Manchmal im Urlaub höre ich genau diesen Dialekt, dann weiß ich: Diese Leute kommen aus meiner Heimat. Ich fühle mich sofort sehr vertraut. Ich denke, das ist so ein Heimatgefühl bei Hörenden und Gehörlosen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert