100 Walks mit Untertitel

100 Walks mit Untertitel

Ein ganz tolles Körpersprache-Video zu den 100 Walks. Und jedes Walk wird untertitelt (auf englisch) 🙂

Amüsierend und sehr inspirativ obendrein! Das Video hat 100 Walks und sagt nochmal mehr aus als 10.000 Worte.

Wie wichtig und erkennend die Körpersprache für jeden von uns ist, wird in diesem Video mehr als nur verdeutlicht.

Eure Gehörlosbloggerin

Judith Harter

Schnell gebärden dank schnellsten Robotern

Schnell gebärden dank schnellsten Robotern

Stellt Euch vor, die Roboter können gebärden…

Bisher sah ich zwar einzelne Roboter, bzw. Gebärdenhände. Aber wenn die schnellsten Roboter Gegenstände auffangen können, dann müssten es auch bald solche Roboter geben, die flüssig gebärden können für Gehörlose 😀

Hier das Video mit den 5 schnellsten Robotern der Welt:

Das wäre was für Roboter-Technik-Freaks. Ich bin sehr gespannt, wann es soweit ist.

Vielleicht denken hier die Dolmetscher für Gebärdensprache – Lautsprache: „Hilfe, wir könnten ersetzt werden“ – jedoch bekommen Gehörlose, die auf darauf angewiesen sind, oft kurzfristig keinen Dolmetscher zur Seite gestellt.

Hier könnte man meiner Meinung nach zudem technische Abhilfe schaffen.

Hinter den Robotern stehen ja auch Menschen, die diese entwickelt haben – es ist faszinierend, was man so alles aus Ideen und der Technik machen kann.

Was meint Ihr dazu?

Eure Gehörlosbloggerin

Judith Harter

 

Hände-Applaus bei Genial daneben

Hände-Applaus bei Genial daneben

 

Seit dem 17.03.2017 wird die SAT1-Sendung „Genial daneben“ mit Hella von Sinnen untertitelt. Richtig gut und zuverlässig. Ich habe es sehr genossen, die Sendung mit Untertitel zu sehen. Darüber berichtete ich: Genial daneben mit Hella von Sinnen mit Untertitel

Bei dieser Sendung Genial daneben am 17.03.2017 habe ich jedoch etwas gesehen, was nur einen Moment dauerte und doch konnte ich es erst mal nicht glauben. Ich dachte zuerst, das hab ich wohl geträumt.

Hände-Applaus…???!!?? Ich konnte es erst mal nicht glauben! Und doch war es so! WOW!

Ich zeige diesen Hände-Applaus im Video (mit freundlicher Genehmigung des SAT1-Teams! Danke 🙂 ):

Habt Ihr es auch gesehen?

So wie wir Gehörlose immer mit den offenen Händen über dem Kopf applaudieren, genauso haben sie es gemacht in der Sendung. Obwohl es Hörende sind. Vielleicht haben sie es deshalb so gemacht, damit der Moderator Hugo Egon Balder weiter in Ruhe sprechen konnte 🙂

Unser Beifall mit den Händen hat also auch einen erstklassigen Vorteil für Hörende: Applaus – und der Redner, in diesem Fall der Moderator, kann trotzdem weiter reden und wird auch verstanden.

Toll, was? Ich würde mich sehr freuen, wenn dieser großartiger Vorteil immer öfter eingesetzt wird 🙂

Also, als ich diesen Hände-Applaus gleich in der ersten untertitelten SAT1-Sendung „Genial daneben“ bemerkte, ist meine Kinnlade vor ungläubigem Staunen fast heruntergefallen *lach*

Der Untertitel in dieser Sendung ist ebenso super gemacht. Es wird so untertitelt, wie gesprochen wird. Auch hier kann ich sagen: WOW! Weiter so.

Gönnt Euch unbedingt diese schöne Sendung „Genial daneben“ im SAT1,

jeden Freitag Abend ab 21:10 Uhr!

Ich sage auf diesem Wege dem SAT1-Team, Hella von Sinnen und Hugo Egon Balder vielen, vielen DANK dafür!

Wer weiß, vielleicht erleben wir in dieser Sendung mal wieder den Hände-Applaus! 😀

Eure Gehörlosbloggerin

Eine einzige Gebärde

Eine einzige Gebärde

Zur Videoserie von Andreas Costrau – gebaerdenservice.de mit dem Thema „Typisch Taube Welt“. Er bittet hier am Ende des Videos um Zusendung der erlebten Geschichten in der tauben Welt:

Ich musste bei seinem Video schmunzeln und dachte an mein eigenes Erlebnis mit der einzigen Gebärde:

Eine einzige Gebärde

Ich traf mich mit einer Freundin, ich gehörlos, sie „resthörig“.
Sie sagte zu mir, sie spreche besser als ich. Das war mir zu blöd, also sagte ich nur: „Ja“ und nichts weiter. Als Taube habe ich nicht darüber zu urteilen und will ich auch gar nicht.
Wir gingen in einem Restaurant essen. Das Essen war lecker! Unsere Unterhaltung war auch sehr schön. Nun ließen wir den Abend ausgehen und meine Freundin winkte der Kellnerin zu. Die Kellnerin kam zu uns. Die Freundin sagte ihr, dass wir bezahlen wollen. Die Kellnerin verstand sie nicht. Meine Freundin wiederholte „Bezahlen“. Die Kellnerin verstand immer noch nicht. Dritter Versuch mit „ich möchte bezahlen!“: Es klappte einfach nicht. Die Kellnerin verstand gar nichts.

Ich mischte mich nicht ein. Wozu? Sie spricht ja besser als ich *zwinker* 😉
Dann bat mich meine Freundin verzweifelt, ihr zu helfen.

Ich sagte kein Wort. Ich gebärdete einfach das eine Zeichen für Geld. Die Kellnerin verstand sofort 😀 😀 😀

Video „Gebärde für Geld“

(meiner resthörigen Freundin wurde es seeeehr peinlich)

Eure Gehörlosbloggerin

Interview – Andreas Costrau gebaerdenservice.de

Interview – Andreas Costrau gebaerdenservice.de

Der nächste Interviewpartner ist Andreas Costrau mit seinem Unternehmen gebaerdenservice.de. Gemäß dem Interview-Motto: „Auch wenn wir nicht hören, na und! Wir können uns sehen lassen“ freue ich mich, das Interview mit Andreas Costrau zu führen. Er gehört wohl zu den führenden Unternehmern in der Gehörlosenwelt, da er in interessanten Filmprojekten involviert ist. Ich berichtete kürzlich über den Kinofilmprojekt „Freak City“, in dem die Produzentin Birgit Stauber von ihren Erfahrungen mit der gebaerdenservice.de berichtete. Und so passt das Interview mit Andreas Costrau genau richtig im Anschluss daran 🙂 Er feierte am 1. März 2017 sein 11-jähriges Firmenjubiläum der gebaerdenservice.de.

Interview mit Andreas Costrau von gebaerdenservice.de

1) Als Unternehmer des www.gebaerdenservice.de hast Du Dir nicht nur in der Gehörlosenwelt, sondern auch in der Gesellschaft als Experte in der Gebärdensprache einen Namen gemacht. Bitte stelle Dich und Dein Unternehmen vor.

Wir unterrichten die deutsche Gebärdensprache wie auch die Kultur der Gehörlosen. Unser Konzept / Unterrichtsmaterial etc.  wird auch von uns erstellt. Weiterhin coachen wir auch Schauspieler, die die Gebärdensprache anwenden und wir sind auch Berater in vielen Bereichen zum Thema Gebärdensprache und Gehörlose, sowie Barrierefreiheit für taube MitbürgerInnen. Manchmal beraten wir auch dazu, wie man ein Unternehmen gründet oder führt. Ich glaube, das reicht erstmal … 😉
Andreas Costrau - gebaerdenserivce.de
© Andreas Costrau – gebaerdenservice.de

2) Kürzlich erfuhr ich von einem sehr guten Vortrag von Dir mit dem Thema „WAS“ – Kannst Du uns erläutern, worum es geht? Handelt es sich hier um ein typisches Verhalten der Gehörlosen? Und warum ist dies typisch? Gibt es darüber eine Videoserie?

Das Thema war „Der Wandel der Gebärdensprache, wohin führt das?“ Unsere Sprache, also die DGS (Deutsche Gebärdensprache) ist wunderbar und wenn wir unsere Sprache der Lautsprache anpassen, dann wird sie nicht mehr so einmalig sein. Nehmen wir zum Beispiel dieses „WAS“… früher haben wir, statt „WAS“ zu gebärden, einfach die Mimik dafür benutzt.

Unsere Sprache ist 3-dimensional und mehr, wenn wir aber immer mehr Wörter in unseren Wortschatz lassen, dann wird sie zur langweiligen 2D-Sprache und genau dies will ich vermeiden.

Kleines Beispiel… Busfahrerin sagen wir normalerweise in DGS:  BUS FRAU FAHREN und nicht BUSFAHRER PERSON FRAU ODER BUSFAHRERIN.

Wenn ich dieses Thema noch vertiefen soll, dann kann ich gleich ein 300-seitiges Buch schreiben (vielleicht kommt das noch). 😉

Video von Andreas Costrau, bei dem er den Begriff „Gebärdensprachdolmetscher“ mit Erklärung hinterfragt (mit Untertitel):

Hier geht es zu seinem Youtube-Kanal: gebaerdenservice – einfach reinschnuppern und seine Gebärden-Botschaften aufnehmen 🙂

3) Meinst Du damit die Gebärden-„Worte“? In der Schriftsprache ist es ja eher wünschenswert, dass wir ein großes Wortschatz haben und unseren Wortschatz erweitern können. Aber in der Gebärdensprache ist es eher umgekehrt?

Darüber habe ich ein Film gemacht, es kommt irgendwann raus im Youtube / Facebook. Was ich damit sagen will, ist, dass die Gebärdensprache viel mehr aussagen kann, als die Lautsprache jemals schaffen wird, da unsere Sprache mehr als 3-dimensional ist. Die Lautsprache hat auch schöne Seiten, aber kann meiner Meinung nach die Gebärdensprache, wenn man sie richtig anwendet, niemals gleichstellen.

Ich sage immer, dass die Gebärdensprache bei Geschichte-erzählen, wenn man die genau auf Lautsprache übersetzt, ähnlich klingt wie bei der Audiodeskription für Blinde.

Wenn Ihr immer noch nicht ganz verstanden habt, dann kann ich gern noch einen Kurzfilm mit Beispiel machen.

4) In Deinen Videos entdecke ich immer wieder neue Facetten von Dir, Du gestaltest sie mit einem Schuss Humor. Ich entdecke darunter die Satire, den schwarzen Humor, den Schalk. Werden Deine Videos in diesem Sinn verstanden oder regen sie eine Diskussion an?

Ich vergleiche gern z.B. Gebärdennamen vs. Lautsprachnamen, um aufzuzeigen, dass viele unserer „Gebärden-Wörter“ unsinnig sind. Ausserdem ist bei uns das Vorstellungsritual anders strukturiert als in der Lautsprache. Wir stellen uns anders vor. Siehe hier:

1. Bist du taub?

2. Wo kommst du her?

3. Kennst du ….. ?

4. Updaten gemeinsamer Bekannten

5. Small talk

6. Nach vielleicht 2 Stunden oder beim 2. /3. Treffen fragen wir  DU WER DU?  und nicht DEIN NAME WAS?  und schon gar nicht DEIN GEBÄRDENNAME WAS? (Da bekomme ich glatt Augenherpes …).

Mein Ziel ist, dass Taube bewusster auf ihre Sprache und Identität achten sollten. Wir und unsere Sprache sind wirklich etwas besonderes …

5) Du bist mit deinem Unternehmen gebaerdenservice.de immer wieder in Filmprojekte eingebunden. Was genau machst Du und Dein Team in solchen Projekten? Kannst Du einige vollendete Projekte nennen?

Ich bin beim Filmbussines der Coach in Sachen Gebärdensprache und Taubenkultur, einige Schriftsteller lassen sich auch von mir beraten, z.B. die Schwestern von Sherwood:

Filme: Samba in Mettmann, Letzte Lüge, Die Jagdhunde, Dr.Klein, German Angst, Der Kriminalist, und einiges mehr. Ausserdem vollenden wir alle Projekte, die wir angefangen haben!!! (Anm. der Gehörlosblog-Redaktion: Mehr erfahrt Ihr auf der gebaerdenservice.de-Referenzseite)

6) Dein gebaerdenservice.de gibt es seit März 2006. Seit wann bist Du selbstständig? Wie kannst Du die Hindernisse, besser gesagt, die Herausforderungen in der Geschäftswelt überwinden?

Offiziell ist die gebaerdenservice.de seit 2006, aber die Seele, also meine Selbständigkeit hat schon 2002 mit gebaerdendozent.de begonnen. Was dazwischen war, ist eine lange unnötige Geschichte.

7) Wie steht es um Deinen Hörstatus? Auf Deiner Webseite kann man erfahren, dass Du in 3. tauber Generation bist. Du lebst Dein Motto: „Proud to be deaf!“ – Könntest Du uns Dein Motto näher erklären?

Mein Leben und meine Philosophie verdanke ich tauben und hörenden Mitmenschen. Meine Identität ist schlicht und einfach taub. Das ist genauso, wie wenn du einen Türken fragst, ob er Deutscher ist. Obwohl er in Deutschland geboren ist 😉 , wird er sagen, dass er Türke ist. Ich möchte, dass alle Taube das sagen können: „Proud to be deaf“.

8) Du sagst, du willst, dass Taube sagen können „Proud to be deaf“. Das heißt übersetzt „Sei stolz, taub zu sein“ oder „Stolz darauf, taub zu sein“. Ich habe selber noch nie gehört, dass ein Rollstuhlfahrer sagt: Ich bin stolz, gelähmt zu sein. Oder ein Blinder: Ich bin stolz darauf, blind zu sein… Das erfahre ich nur bei den Gehörlosen. Habe ich hier etwas falsch interpretiert? Könntest Du mich hier bitte aufklären?

Der Unterschied zwischen tauben Menschen und andere „Behinderungen“ ist, dass wir eine eigene Sprache haben… und wir treffen taube Menschen nicht, weil wir die gleiche “Behinderung“ haben, sondern weil wir die gleiche Sprache haben… 😉

9) Wie wurdest Du so gut angetrieben, locker zwischen der Deaf-Community und der Gesellschaft zu springen? Du kannst Dich in jeder dieser Welten bewegen. Wie konntest Du Dich in der hörenden Welt weiterbringen?

Ich denke, das liegt daran, dass ich Menschen liebe, die auch gut mit Menschen umgehen, und das sind Gott sei dank viele. Viel mehr, als man glaubt. Dazu gehört auch meine Neugier auf Neues und meine Neugier auf das „Anders sein“. Hörende sind für mich „das andere Wesen“, mit denen wir die Welt teilen. Manchmal nicht so gut …

10) Nochmals zu Deinen Videos: Du lässt die Zuschauer spüren, dass Dir sehr an der Gebärdensprache liegt. Du liebst die deutsche Gebärdensprache und vermittelst diese weiter an hörende Kunden. Was genau in deinem Unterricht veranlasst diese Hörenden, die Gebärdensprache so schnell und sogar gut zu erlernen in kurzer Zeit?

Das ist eine gute Frage, ich weiss es auch nicht wirklich. Ich glaube, alles, was Du mit Herz vermittelst, wird sehr schnell angenommen.

11) Freust Du Dich, dass die Gebärdensprache seit 2001 in Berlin und 2002 in Deutschland anerkannt ist?

Ich muss leider mit Nein antworten, da ich das ziemlich unverschämt finde, unsere Sprache erstmal anzuerkennen! Ich wüsste nicht, wann die deutsche Lautsprache anerkannt ist?? Die Gebärdensprache war schon immer eine natürliche Sprache und KEINE Kommunikationshilfe für taube oder taubstumme Menschen, wie viele Sachbearbeiter in den Behörden glauben. Es ist einfach anmaßend, was die Gesellschaft mit uns macht. Oft vergessen sie das Grundgesetz Art 1 (1) „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Unsere Würde ist unsere Kultur und Sprache. Ausserdem war die Gebärdensprache die erste Weltsprache gewesen.
Und das Behindertengleichstellungsgesetz ist auch ein Unding… Das grenzt uns doch noch mehr aus… Wo ist da die INKLUSION, wenn wir ein eigenes Gesetz haben??? Kopfschüttel…

12) Da stimme ich Dir zu. Auch ich denke so und habe deshalb nie über diese Form von Anerkennung der Gebärdensprache gebloggt. Jetzt zu Inklusion: Mit diesem Begriff „Inklusion“ tue ich mir selber schwer und dieses Wort ist für mich ein „kalter Begriff“, bei dem ich mir einfach kein Bild machen kann. Wie definierst Du die Inklusion für Dich?

INKLUSION ist ein bescheuertes Wort für mich, ABER auch der „JOKER“, um den Menschen, die überhaupt keine Ahnung vom gemeinsamen Leben haben, nahe zu bringen, dass wir voneinander viel lernen und profitieren können.

Wir, also ich, ich bin in einer SONDERSCHULE, puh noch ein Unwort, groß geworden. Wir / Ich wurden von den „NORMALEN“ Menschen ausgegrenzt und sie von uns. In meiner Klasse waren hauptsächlich „hörbehinderte“ Schüler. Einige haben noch etwas anderes, so wie Lernbehinderung, Down Syndrom, Autismus, spastische Lähmung und vieles mehr… Ich bin dankbar, dass ich mit diesen Menschen großgeworden bin. Ich habe bis heute keine Hemmungen, mit ihnen zu leben. Und vor allem brauche ich sehr wenig Aufklärung über diese wunderbaren Menschen. Das kann man von den „Normalen“ nicht behaupten. Sie nennen uns immer noch die „TAUBSTUMMEN“, obwohl das schon seit 100 Jahren ein diskriminierendes Wort ist.

Kurz und knapp: INKLUSION = Joker für das bessere Zusammenleben an die unwissenden Menschen, Politiker, Anwälte usw.

13) Welches besonderes Anliegen hast Du für die Gehörlosblog-Leser?

Bitte achtet auf eure Sprache und Kultur, denn sie ist wirklich einmalig. Lasst euch nicht einreden, dass die „Hörenden“ besser sind.
Bitte seht uns Taube nicht aus medizinischer Sicht, sondern aus soziologischer Sicht. Wir sind nicht behindert, sondern nur taub… (wir werden behindert: Kino-Spot „Behindern ist heilbar“).Und vor allem: WIR BRAUCHEN KEIN CI, um eine Zukunft zu haben, wir haben auch ohne CI eine wunderbare Zukunft…;)

14) Nenne mir bitte anhand einiger Beispiele, weshalb Du der Meinung bist, dass das CI (Cochlea Implantat) für die Zukunft nicht gebraucht wird? Wo liegen hier Deiner persönlichen Meinung nach die Grenzen?

CI ist eine super Erfindung für Menschen, dessen Erstsprache die Lautsprache ist und sie selbst hörend geboren sind. Und nicht für taub geborenes Kind mit dem Argument, dass das Kind ansonsten kein Zukunft haben könnte.
Das ist ja, wie wenn man einem blondem Baby die Haare schwarz färben würde, weil Blondinen angeblich dumm sind …

Ich danke Andreas Costrau ganz herzlich für dieses Interview. Es gelingt ihm, der Gesellschaft die Gebärdensprache auf eine klare Art und mit Liebe und Herz näher zu bringen. Seine Referenzen sprechen für sich :-). Gleichzeitig hinterfragt er kritisch gesellschaftliche Normalitätsgedanken und deren -begriffe, z.B. Gebärdensprachdolmetscher vs. Dolmetscher für Laut- und Gebärdensprache, was ich klasse finde. So manches ist nicht nur für Hörende, sondern für Gehörlose selber aufrüttelnd. Ein Macher, ein Augenöffner, ein Aufrüttler. Das ist mein persönlicher Eindruck von ihm 🙂

Ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg und wir dürfen uns auf weitere Videos und Botschaften von ihm freuen!

Eure Gehörlosbloggerin

Freak City mit hörgeschädigten Darstellern in der Phase II

Freak City mit hörgeschädigten Darstellern in der Phase II

 

Freak City ist einer der wenigen Filme, in denen gehörlose Charakter auch von gehörlosen Darstellern verkörpert werden.

Dieser Film beruht auf den Roman Freak City von Kathrin Schrocke:

Dieses Buch beinhaltet eine Liebesgeschichte in der Welt der Gehörlosen.  Es wurde für den Deutschen Kinder- und Jugendliteraturpreis nominiert. Auf der Buchmesse Krakau wurde es als bestes internationales Jugendbuch des Jahres 2012 gekürt.

Im Amazon *) wird dieses Buch sehr gelobt und weiter empfohlen. Aus diesem erfolgreichen Roman entsteht ein Kinofilmprojekt mit 110 Filmminuten mit gehörlosen Darstellern! Richtig spitze.

Dazu gibt es weitere Infos auf der Freak City-Projektseite (hier klicken). Wer großes Interesse hat, kann sich hier umsehen und über Crowdfunding den Film mit unterstützen. Das Film-Projekt ist inzwischen in der Postproduktion (Schnitt, die digitale Nachbearbeitung der Bilder im Computer sowie das Vertonen und Unterlegen der Bilder mit Musik…). Mehr hier im Video zur 2. Phase:

Andreas Kannengießer (Regie, Kamera) – Seine Botschaft zum Film:

„Freak City“ wird ein Film über Kommunikation.

Eine Liebesgeschichte. Kommunikation und Liebe –

beide Begriffe sind so schwer zu definieren.

Vielleicht sind sie Weg und Ziel.

Oder ein und dasselbe.

Hier jedenfalls lustig.

Birgit Stauber (Produzentin, Drehbuch) – Ihre Botschaft zum Film:

„Freak City“: Eintauchen in fremde Welten.

Wünsche und Widerstände.

Sex, sich verlieben und Mut.

Ein kleiner Einblick in die Filmarbeit für Freak City, hier kommt die gehörlose Hauptdarstellerin „Lea“ alias Dana zu Wort. Dieses Video ist mit Untertitel ausgestattet:

Ich finde es sehr imponierend, dass die ganzen Film-Teammitglieder, bestehend aus Hörenden und Hörgeschädigten (Gehörlose und Schwerhörige), in der Kommunikation miteinander gearbeitet haben, teils mit Hilfe der Gebärdensprachdolmetscher, teils mit gehörlosen Beratern für Gebärdensprache & -kultur . Es war mit Sicherheit nicht einfach für Hörende, die zuvor noch keine Kommunikations-Berührungen mit den Hörgeschädigten hatten. Der erfolgreiche Roman von Kathrin Schrocke hat sehr wohl dazu beigetragen, dass sich hier die Hörenden und Hörgeschädigten in der Kommunikation berühren und besser verstehen. Das Gleiche gilt für uns Zuschauer, ob hörend, hörgeschädigt oder was auch immer.

Was ich hier schön finde, ist, dass hier der Mitleid mit Hörgeschädigten gar nicht angesprochen wird. Das ist umso schöner, weil wir Hörgeschädigte keinen Mitleid wollen, zumindest ich persönlich nicht. Wie der Regisseur Andreas Kannengießer bereits andeutete, ist der Film mit einem Schuss Humor ausgestattet. Das finde ich richtig toll!

Mit der Fanseite können wir uns auf dem Laufenden halten:

 

Ich habe zu diesem Film einige Fragen an das Projektteam Birgit Stauber (Produzentin, Drehbuch) und Andreas Kannengießer (Regie, Kamera) gestellt:

Wie war / ist die Zusammenarbeit mit den gehörlosen Darstellern in Eurem Filmprojekt? Habt Ihr immer die Gebärdensprachdolmetscher benötigt?

Zusammenarbeit mit Gehörlosen:
Bereichernd und spannend, weil neue Welt und neue Sicht auf Dinge.
Schwierig, weil am Filmset grundsätzlich immer die Zeit knapp ist – wenn man dann nicht die gleiche Sprache spricht, sondern eine gemeinsame erst finden muss. Und es gibt einige Dinge am Filmset, die vor allem die jugendlichen SchauspielerInnen erst lernen mussten. Es ist einfach wirklich eine riesengroße Herausforderung für alle!
Die letzte Drehwoche im Oktober 2016 lief dann wirklich klasse – wir haben in 7 Wochen Dreharbeiten einfach echt viel dazugelernt, beide Seiten, denken wir ;0)

Es waren immer GebärdensprachdolmetscherInnen da, das fanden wir extremst wichtig. Ansonsten hätten wir nicht kommunizieren können, vor allem nicht für Filmdreharbeiten – da geht es zum einen um Organisatorisches (wer dreht was wann und hat welches Kostüm an), dann aber auch um Inhaltliches (was passiert im Drehbuch, „funktioniert“ eine Szene oder nicht). Das geht nur mit Topsprachkompetenz.
Wir hatten mit unserem Gebärdensprachdolmetsch-Team extremes Glück (es waren insgesamt 23) – und haben auch hier dazu gelernt. Zum Beispiel, dass es gut und wichtig ist, mehrere DolmetscherInnen gleichzeitig am Set zu haben, damit sie sich abwechseln können.
Insgesamt war die Arbeit intensiv, bereichernd, herausfordernd – und wir können es kaum erwarten, alle für die Tonaufnahmen wiederzusehen!
Dann sehen zumindest die SchauspielerInnen schon einmal ihre Szenen – das wird klasse werden. Im Moment sehen ja nur wir (Andreas, Birgit) und ein weiterer Kollege das Material und die fertig geschnittenen Szenen. Die anderen haben ja teilweise schon ein halbes Jahr nichts mehr mitbekommen, die werden sich bestimmt freuen ;0))))

Das ist sehr aufschlussreich. Könnt Ihr inzwischen die Gebärdensprache?

Wir hatten vor Filmbeginn 2,5 Kurse bei Steffen von der gebaerdenservice.de gemacht – das reicht aber natürlich nicht für eine richtige Kommunikation.
Wir wollen aber nochmal einen Intensivkurs machen, wenn der Schnitt fertig ist ;0))

Wir sind super stolz auf alle und hoffen, sie werden sich über den fertigen Film freuen!

Wow, vielen Dank für die Antworten – da würde ich mich sehr freuen, wenn diese Botschaft an all diese Schauspieler und Teammitglieder weiter gegeben wird 🙂

Der Kinofilm wird voraussichtlich wohl ab Sommer 2017 ausgestrahlt werden. Wir dürfen sehr gespannt darauf sein.

Eure Gehörlosbloggerin

Interview – Yoga Massage Betty Schätzchen

Interview – Yoga Massage Betty Schätzchen

Es geht nun weiter mit dem Motto: „Auch wenn wir nicht hören, na und! Wir können uns sehen lassen!“  – die nächste Interviewpartnerin ist Betty Schätzchen, eine Yogalehrerin und Unternehmerin von „Yoga Massage“. Sie unterrichtet Hörgeschädigte und Hörende.  Sie gehört zu den 50 bekannten Experten in der deutschen Yogi-Szene. Meiner persönlichen Meinung nach zu Recht, denn sie hat als Hörgeschädigte nochmal diese besondere Einfühlung in ihre Mitmenschen beim Yoga und gestaltet die Yogakurse so, dass hörgeschädigte Teilnehmer soviel mehr vom Yoga-Wissen erfahren und umsetzen können. Sie fiel mir schon früher auf, siehe den Gehörlosblog-Beitrag Workshop mit Betty Schätzchen vom 21.09.2010. Es sind schon fast 7 Jahre her. 🙂

Interview mit Betty Schätzchen – Yoga Massage

1) Du bist als hörgeschädigte Yoga-Lehrerin mit einem fröhlichen Lachen bekannt geworden. Da ich Dich aber nicht in eine Schublade stecken will und kann: Was machst Du noch alles neben Yoga und Deinen Reisen?

Neben diesen beiden Tätigkeiten bilde ich im deutschen Raum Laut- und Gebärdensprachler in Thai Yoga Massage aus. Ich biete auch regelmäßig Yoga Massage Workshops für Gebärdensprachler in verschiedenen Städten Deutschlands an. An 3 Tagen in der Woche bin ich als Heilpraktikerin in meiner Praxis und im Temedos-Institut (www.temedos.de) tätig. Dort behandle ich Patienten mit unterschiedlichen Beschwerdebildern – meist im Bereich des neuromuskulären Systems.
Betty Schätzchen Yoga Massage
Betty Schätzchen

2) Du gibst zudem Vorträge. Zu welchen Themen machst Du gerne Deine Vorträge? Was ist Dir bei deinen Vorträgen besonders wichtig?

Sehr gerne gebe ich Vorträge zu Themen, die den Menschen auf dem Weg zu einem glücklichen und bewussten Leben begleiten. Da ich selbst über die Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Menschwerdung und -sein, Frieden und das Prinzip des Yoga seit vielen Jahren stark reflektiere, liegt es mir am Herzen, mein Wissen und meine Erfahrungen mit der Gebärdensprachgemeinschaft zu teilen.

3) Wenn ich mir Deine Videos ansehe, sei es Yoga oder Ausschnitte aus deinen Vorträgen – habe ich immer wieder den Eindruck, dass Dir Dein Gegenüber so wichtig ist, dass du die Informationen richtig fundiert rüberbringst. Mit welchem Ansatz gehst Du an die Themen ran, so dass der Funke praktisch rüberspringt und deine Mitmenschen mitreißt, egal ob hörend oder taub oder was auch immer?

Erstens hat sich für mich über die Jahre herauskristallisiert, dass es mein Lebensaufgabe (geworden) ist, die Menschen unterschiedlicher Kulturen miteinander zu verbinden – ganz besonders die laut- und gebärdensprachlich orientierte Kultur. Im Indischen nennt man es Svadharma – die persönliche Lebensmission. Wenn das einem klar ist, dann ist man nicht nur überzeugt, man lebt diese Überzeugung. Das ist es, was den Eindruck hinterlässt, andere Menschen „mitzureißen“.

Zweitens liebe ich es, komplizierte Dinge einfach, kristallklar, auf den Punkt gebracht, strukturiert und kompatibel für alle zu präsentieren. Es ist so nur möglich, wenn ich mich selbst damit ausgiebig und leidenschaftlich beschäftigt habe und es stets tue.

Die Fanseite von Betty Schätzchen Yoga Massage:

 

4) Es gibt schon einige Interviews mit Dir, aus denen hervorgeht, wie Du mit Yoga angefangen hast – diese Frage möchte ich dir deshalb nicht erneut antun. Dafür möchte ich gerne wissen: Wie war Dein Leben davor?

Mein Leben vor dem Yoga empfand ich als sehr leidvoll. Ich erinnere mich, wie ich vor mir selbst geflohen bin. Ich musste unter die Menschen, auf Partys gehen und andere zu überzeugen, dass ich „wichtig“ bin, in dem ich versuchte, ihnen zu gefallen. Ich habe getrunken, geraucht und meinen Kopf ständig in die Vergangenheit geschickt und war depressiv.

Wenn ich heute auf mein damaliges Ich zurückblicke, begegne ich mir selbst mit einem Schmunzeln und Mitgefühl. Heute kann ich es. Ich schicke kaum noch meinen Kopf in die Vergangenheit, ich fokussiere mich auf die Gegenwart. Seit fast 15 Jahren rauche ich nicht mehr und trinken tue ich sehr selten. Ich bin sehr viel gelassener geworden und habe nicht mehr das Bedürfnis, anderen gefallen zu müssen.

Wenn ich doch mal an mein jüngeres, vergängliches Selbst denke, streiche ich ihm über den Kopf und flüstere: „Alles wird gut.“

5) Deine Geschäftstüchtigkeit ist mir schon lange aufgefallen. Ich finde es spitze, dass Du anderen die Möglichkeit mitgibst, mit Dir auf die eine oder andere Weise zusammen zu arbeiten, z.B. in Form eines Partnerprogramms. Wie bist Du darauf gekommen? Gibt es da noch weitere Möglichkeiten?

Mir ist es wichtig, mich mit Menschen, besonders in der Gebärdensprachgemeinschaft, zu vernetzen. Es gibt Kooperationen, wie z.B. das Partnerprogramm oder gemeinsame Workshops für Gebärdensprachlerinnen mit meiner Freundin Tabea. Es hat sich einfach so spontan ergeben. Im Moment kann ich sagen, dass es sicherlich weitere Möglichkeiten gibt, nur plane ich es nicht. Das wird sich ergeben, wenn es passt und stimmig ist. Ich vertraue da sehr meiner Intuition 😉

6) Auf Facebook vermittelst Du zusätzlich dein persönliches Mindset, wie Du Deine Dankbarkeit auslebst, und deine „Visionstafeln“ zeichnest. Könntest Du uns so ein Visions-Bild zeigen, bei dem sich Deine Ziele durch Dein Mindset verwirklicht haben?

Ein Beispiel dafür habe ich vor über 3 Jahren gezeichnet. Ich wollte unbedingt an einem Yoga Teacher Training in Miami im Jahr 2014 teilnehmen. Ich habe dazu ein Bild in meinem „Buch der Träume und Wünsche“ mit allen Details, die mir in den Sinn gekommen sind, gemalt. Das Bild gibt es hier:

Betty Schätzchens Visiontafel
Betty Schätzchens Visiontafel

Als ich letztes Jahr wieder in mein Buch weitere Träume zeichnen wollte, sprang mir das obige Bild ins Auge. Ich hatte es fast vergessen, dass ich diesen Traum visuell fixiert hatte und mich umso mehr gefreut, dass dieser Traum als „erfüllt“ abgehakt werden konnte.

Einen weiteren Traum hatte ich ungefähr 2007/ 2008, selbst eine Yoga DVD in Gebärdensprache herauszubringen. 2013 war es dann soweit und ich publizierte meine erste DVD „15 Minuten Yoga für Hörgeschädigte“ in deutscher Gebärdensprache und Untertiteln.

Seitdem wurden viele Träume wahr und weitere werden fleißig von mir weiterhin produziert 🙂

 

Betty Schätzchen Yoga Massage
Betty Schätzchen beim Zeichnen ihrer Visionen

7) Natürlich frage ich Dich auch nach Deiner Hörschädigung 🙂 für das Gehörlosblog. Wie kam es zu Deiner Schwerhörigkeit? Wie bist Du damit aufgewachsen und wie lebst Du heute damit?

Es ist unklar, wie es wirklich zu meiner Schwerhörigkeit kam. Mir wurde gesagt, dass ich sehr schwache Herztöne hatte und die Geburt eingeleitet werden musste. Hierbei ist unklar, ob ein Sauerstoffmangel der Grund ist. Ich war zu meiner Geburt untergewichtig und wog etwas über 2 kg. Vielleicht gab es auch eine Entwicklungsstörung. Im 3./4. Monat nach meiner Geburt hatte ich eine Lungenentzündung und daraufhin für viele Jahre eine chronische Mittelohrentzündung. Ich denke, dass die Mittelohrentzündung tragend war für meine heutige mittel-hochgradige Schwerhörigkeit.

Ich bin mit sehr verständnisvollen Eltern aufgewachsen. Ich weiss, dass meine Mama mir das Fingeralphabet und das Sprechen beigebracht hat, um das (Laut-)Sprachverständnis zu unterstützen. Sie blieb für einige Jahre zuhause, um mich in der Frühförderung zu begleiten.

Ich ging dann in den Kindergarten und Schule für Schwerhörige bis zum Abitur in Berlin.

Durch meine Reisen nach meiner Bankausbildung lernte ich sehr inspirierende Menschen kennen. Wirklich ausnahmslos alle, egal welcher Nation, sagten mir, dass ich mit meiner Schwerhörigkeit beschenkt worden bin. Ein Schlüsselereignis für mich war, als ich einen Alt-Hippie im Alter von 75 Jahren auf einem Visa-Run in Thailand traf. Er rauchte einen fetten Joint, war ganz in weiß gekleidet mit einem weißen Haarband und weißen schulterlangen Haaren. Er fragte mich, was ich da im Ohr habe. Ich sagte ihm, dass ich seit meiner Geburt schwerhörig bin und Hörgeräte trage. „This is a gift.“ (Das ist ein Geschenk) sagte er und blies dicken Marihuanarauch in die Luft. „You have qualities no one else have.“ (Du hast Qualitäten, die niemand anderer hat). Das machte mich nachdenklich und stimmte mich sehr positiv. Das war genau der Punkt, an dem ich aufhörte, meine Schwerhörigkeit als Behinderung anzusehen. Ich konzentrierte mich seitdem nur darauf, „was ich damit alles kann“. Ich hatte damals absolute keine Ahnung, welche großen Türen sich mir eröffnen würden.

9) Wow, das ist in der Tat ein Schlüsselereignis. Du hast Dich also seitdem auf Deine Stärken konzentriert. Nochmals zu den Reisen – Du reist nicht nur selbst, sondern stellst auch Yoga-Reisen zusammen. Checkst Du bei Deinen eigenen Reisen erst die Reiseorte, bevor Du die Yoga-Reisen organisierst? Sind immer nur Hörgeschädigte dabei oder auch Hörende? Das klingt für mich sehr spannend.

Ja genau, ich stelle die Reisen meistens selbst zusammen. Die Yogagruppenreise nach Bali wird von der Yogareise-Agentur Yoga Travel & Friends organisiert. Nicht immer kenne ich den Ort, wenn die Reise erstmalig stattfindet.

Auf den großen Reisen sind die Gruppen mit Gebärden- und Lautsprachlern gemischt. Mir ist es ein wichtiges Anliegen und immer wieder eine schöne Herausforderung, beide Welten miteinander zu verbinden.

10) Inwiefern ist es eine Herausforderung, beide Welten miteinander zu verbinden?

Unterschiedliche Kulturen und Sprachen führen oft zu Unsicherheit auf beiden Seiten, besonders im Bereich der Kommunikation. Das stellt eine Herausforderung dar, beide Welten zu verbinden – aber eine schöne, positive.

Hin und wieder fungiere ich als Vermittlerin bzw. “Link” (= Brücke zwischen den unterschiedlichen Welten), um Berührungsängste abzubauen.

 

Yoga Massage Betty Schätzchen
Betty Schätzchen

11) Was hast Du für einen Beruf gelernt? Du erwähnst die Bankenlehre. Was war der Grund, dass Du Deinen “Ausstieg” aus dem berühmten Hamsterrad durchzogen hast? Wie lange dauerte es, bis Du diesen Schritt gewagt hast? Beeinflusst Dich dein ausgelernter Beruf noch irgendwie auf deinem Lebensweg?

Wenn man es genau nimmt, habe ich bereits 5 Berufe erlernt. Begonnen hat es mit der Banklehre, bei der mir von Anfang an klar war, dass ich da nicht bleiben werde. Ich brauchte diese Zeit in der Bank, um mir klar zu werden, wohin ich mich mit meinen ganzen Ideen hin bündeln möchte. Ich entschied mich für den Gesundheitsbereich. Und so entwickelte sich mein Weg dahin über das letzte Jahrzehnt mit mehreren Ausbildungen und Trainings im Bereich Yoga, Thaimassage, Heilkunde und Coaching im In- und Ausland.

Ich spreche lieber von Berufung als über den Beruf. All das, was ich gelernt habe und stets tue, macht meine Berufung aus. Das erlernte Wissen, meine Erfahrungen formen meine Berufung. Sie ist viel wichtiger als der reine Beruf. Viele Menschen fühlen sich in ihrem Beruf nicht berufen. D.h. sie machen ihre Arbeit, weil „sie getan werden muss“, sind aber nicht glücklich damit. Berufung ist anders. Dein Herz spürt es, wenn du deine Berufung oder Bestimmung gefunden hast. Du willst dann nichts mehr anderes. Es ist und wird genau das, wofür du lebst.

12) Du hast eine wunderschöne Webseite, auf der Du Deine Yoga Massage, Yoga Massage-Shop mit Leggings, Videos und Massageprodukten sowie Deine Heilpraxis vorstellst. Möchtest Du verraten, ob ein Team hinter Dir steckt bzw. wie viele Menschen hier im Hintergrund mit Dir zusammen arbeiten? Sind auch Hörgeschädigte darunter? Wo stellst Du deine organisierten Yoga-Reisen vor, die man dann buchen kann?

Danke dir 🙂 . Ja, das Team, dass hinter meinem Unternehmen, meiner Heilpraxis und dem Yoga Massage Shop steckt, bin ich. Es gibt eine Arbeitsassistenz, die mich unterstützt. Je nach Bedarf habe ich auch Honorarkräfte (meist hörend), die mir bei der Organisation oder Assistenz von Workshops helfen.

Meine Yoga-Reisen für Laut- und Gebärdensprachler biete ich auf meiner Homepage www.thai-yoga-massage-ausbildung.de an. Die Yogagruppenreise nach Bali wird von Yoga Travel & Friends hier angeboten: Gruppenreisen mit Betty Schätzchen – Yogatravel

13) Ich bin von deinen Videos sehr beeindruckt. Mein liebstes Video von Dir ist “Core Yoga – Für eine starke Mitte”, dieses ist in der Tat ein “Highlight”. Mit großer Freude konnte ich dank des Internets miterleben, wie klar und strukturiert Du Dich weiter entwickelst. Denn Du gestaltest Deine Videos so richtig barrierefrei für Hörgeschädigte UND Hörende. Untertitel, Gebärdensprache, Lautsprache, alles drin! Ein Traum! Absolut nachahmenswert! Vertonst Du Deine DVD’s selbst?

Ja, es gibt einige Videos, die für hörende Menschen besprochen sind. Zum Beispiel meine Online Yoga Videos auf der Plattform yogaeasy.de (Betty Schätzchen – Yogaeasy.de) sind größtenteils vertont.

Meine neueste Core Yoga DVD wird z.B. neben der Gebärdensprache auch in Lautsprache begleitet. Ich vertone meine DVDs selbst.

 

14) Zu guter Letzt 🙂 : Was möchtest Du den Gehörlosblog-Lesern als Botschaft mitgeben?

Die magische 10, die ich in meinem Herzen trage:

Sei du der Mensch, der du sein willst. Vergiss, was andere über dich denken.
Tue das, wofür du brennst. Tue das, was du liebst.
Träume nicht dein Leben, lebe es hier und jetzt, Schritt für Schritt.
Alles ist möglich, wenn du es zulässt.
Schaffe Frieden mit dir selbst, räume alles auf, was dir im Weg steht – gedanklich wie im Alltag.
Sei dankbar, für die Dinge, die du hast. Schreib täglich 5 Dinge auf. Lese sie am Ende der Woche, des Monats, des Jahres. Du wirst dich soooo satt fühlen.
Bewege dich täglich.
Nähre deinen Körper mit gutem Essen, deinen Geist konstruktiv und deine Seele mit Schokolade.
Entspanne und genieße dich täglich im Alleinsein.
Werde verrückt nach dir!

 

Vielen Dank für das schöne Interview, liebe Betty. Ich bin mir sicher, dass Deine Botschaften für die Gehörlosblog-LeserInnen inspirierend wirken. Ich empfnde es als sehr berührend, wie Du durch Dein Schlüsselerlebnis deine Schwerhörigkeit als Geschenk angenommen hast und dieses durch Deine Berufung auf deine Mitmenschen überträgst, die dafür empfänglich sind. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und ich freue mich mit Dir über Deine umgesetzten Träume und weitere umsetzbare Visionen 🙂

Für meine Gehörlosblog-LeserInnen: Auf eine gute Vernetzung mit Euch! 🙂

 

Eure Gehörlosbloggerin

Museumsführung in Gebärdensprache im Stadtmuseum Simeonstift Trier

Museumsführung in Gebärdensprache im Stadtmuseum Simeonstift Trier

Führung für hörgeschädigte und gehörlose BesucherInnen am 11. März 2017 im Stadtmuseum Simeonstift Trier

Samstag, 11. März 2017, 15:00 Uhr

Stadtgeschichte im Stadtmuseum

Museumsführung für hörgeschädigte und gehörlose BesucherInnen mit Gebärdensprachdolmetscher Michael Schmauder-Reichert

Eintritt: € 4,-

Stadtgeschichte in einer Führung unmittelbar erleben – das ist für hörgeschädigte Besucherinnen und Besucher oftmals kaum möglich. In einer speziellen Veranstaltung für Museumsbesucher mit eingeschränktem Gehör findet am Samstag, 11. März, um 15:00 Uhr eine Führung mit Simultan-Übersetzung durch Gebärdensprachdolmetscher Michael Schmauder-Reichert statt. Der Rundgang beleuchtet die bewegte Geschichte der Stadt Trier – von der einstigen römischen Kaiserresidenz über das Mittelalter bis hin zu wichtigen Entwicklungen der Neuzeit und Gegenwart. Der Eintritt beträgt € 4,- pro Person.

Markar, Trebeta
Abbildung: Claudius Markar, Trebeta – Der sagenhafte Gründer der Stadt Trier, 1684 © Stadtmuseum Simeonstift Trier

 

 

Augenarbeit Pixar-Filme

Augenarbeit Pixar-Filme

 

Hier einfach mal zur Unterhaltung:

Die Zeichentrick- bzw. Animationsfilme von Pixar und wie sie alle im Detail zusammen gehören. Augen aufhalten und genauuuu hinschauen! Es sind sogenannte „Ostereier“ als versteckte Besonderheiten in Medien, Computerprogrammen und eben in diesen Animationsfilmen 🙂

 

Viel Spaß für Eure Augenarbeit  🙂

Ah ja, es gibt auch noch die Pixar-Theorie dazu, aber das ist ein ganz anderes Thema 🙂

 

Eure Gehörlosbloggerin

 

Bibel-Gebärdensprachdolmetscher Kilian Knörzer

Bibel-Gebärdensprachdolmetscher Kilian Knörzer

Ein schöner Artikel über den Gehörlosen Kilian Knörzer als Bibel-Dolmetscher:

Bibel-Gebärdensprachdolmetscher Kilian Knörzer

Ich kann bestätigen, dass etliche Hörgeschädigte in der Kirche oftmals in der Kirchengemeinde ausgeschlossen sind und nur in der Gehörlosenseelsorge den Gottesdienst verstehen können. Dafür nehmen die Gehörlosen extra einen weiten Weg in Kauf, um etwas vom Glauben mitzubekommen. In den großen Städten ist es kein Problem, aber die vielen kleinen Dörfer – da gibt es derzeit einmal im Monat in der nächstliegenden Stadt ein Treffen im Gehörlosenverein mit integriertem Gottesdienst mit anschließendem Kaffee und Kuchen.

Dank des Internets eröffnen sich neue Möglichkeiten. Man kann sogar per Livestream einem großen Gottesdienst an Ostern und Weihnachten mit Gebärdensprachbegleitung folgen. Klasse, gell? Ich wiederhole mich zum x-sten Male: Das Internet ist ein Segen für Hörgeschädigte, auch wenn hier und da und dort noch Baustellen in Bezug auf die Barrierefreiheit bestehen.

Mir persönlich hat das Video von Kilian Knörzer angetan, in dem man seine Arbeit „Hinter den Kulissen“ bewundern kann. Meine persönliche Erfahrung und Beobachtung: Oftmals bringen solche Dokus „Hinter den Kulissen“ weitere Informationen, die man offiziell nicht erfährt, oftmals mit einem Schuss Humor inbegriffen, sehr angenehm und aufschlussreich. Aber hier nun der versprochene Film in Gebärdensprache und teilweise Untertitel 🙂

Das ist erst mal in Kürze, um auf den wichtigen Artikel über Kilian Knörzer als „der Dolmetscher, der die Bibel in Gebärdensprache übersetzt“ hinzuweisen. Ich werde in absehbarer Zeit mehr über ihn schreiben, sobald es mir die Zeit erlaubt 🙂 Also dranbleiben! Ich freu mich jetzt schon drauf!

Eure Gehörlosbloggerin