|

Meine taubstumme Zeit…

Ja, da staunt Ihr schön, was?

Ich trug selbst dazu was bei, dass die Hörenden mich als taubstumm nannten… Doch nun der Reihe nach.

Als Kind ging ich mit meiner Nachbarsfreundin in die Turnstunde vom Turnsportverein Speyer (TSV Speyer). Ich war da so ca. 5 bis 6 Jahre alt.

Gegenüber anderen hörenden Kindern war ich so sehr schüchtern, dass ich gar nicht wagte, mein Mündchen aufzumachen. Beim Turnen war ich immer eifrig und voll dabei, ich liebte das Turnen sehr. Wenn die hörenden Kinder mich ansprachen, wandte ich mich immer an meine Nachbarfreundin, vor lauter Unsicherheit und Schüchternheit. Ich brachte den Mund nur bei meiner Freundin auf.

Als meine Freundin selbst nicht mehr in den Turnverein ging, war ich als Gehörlose alleine unter den hörenden Turnkameradinnen. In diesen Turnstunden habe ich nur gelächelt, aber KEIN Wort zu ihnen gesprochen. Ich traute mich einfach nicht, meine Stimme zu benutzen. Heute denke ich, ich hatte damals wohl Angst, dass ich wegen meiner komischen Stimme sowieso nicht verstanden werde, so blieb ich deshalb lieber taubstumm – im wahrsten Sinn des Wortes!

So war ich im Ganzen bis zu ca. 12 Jahren in diesem Turnverein TAUBSTUMM. So habe ich damals zum Vorurteil mit dazu beigetragen, dass gehörlose Kinder taubstumm sind. Und diese ehemaligen Turnkameradinnen, die ich heute hin und wieder in der Stadt antreffe, da haben einige dann gesagt, hoppla, du kannst also doch sprechen? Seit wann denn?

Soll ich mich dafür entschuldigen, weil ich dazu beigetragen habe, dass „taubstumm“ bei mir in der Turnstunde korrekt zutraf?

Ich war damals echt so schüchtern gegenüber fremden Kindern… und das hat sich dann schlichtweg als Gewohnheit fest bei mir eingebürgert.

Ähnliche Beiträge

  • Schriftsprache für Gehörlose zum Leben erwecken

    In meinem Bericht „Eine harte Welt bei den Hörenden“ (hier drauf klicken) habe ich geschrieben, dass ich immer ein Fremdwörterbuch zur Seite hatte, um mir all die Fremdwörter zu merken. Ich hatte damit so ziemlich Schwierigkeiten, weil die Fremdwörter „trocken“ waren, und ich habe viel Zeit gebraucht, um sie mir einzuprägen. Dank der Hilfe und…

  • Gehörlose Mama schreibt ihr Tagebuch

    Gehörlose Mama schreibt ihr Tagebuch Es gibt wieder eine hörgeschädigte Bloggerin mehr *FREU* Sie schreibt in ihrem Blog über ihre Erfahrungen als gehörlose Mama einer Tochter. Das wird sehr spannend – denn die Erfahrungen der tauben / gehörlosen Mütter weichen doch im Alltag von denen der hörenden Müttern ab – das kann ich bezeugen, da…

  • Gehörloser rosa Elefant

    Gehörloser rosa Elefant   Jetzt nur nicht an „gehörloser rosa Elefant“ denken! (entnommen aus: http://www.toonmix.de/blog/)   Zur Erklärung, was ein gehörloser rosa Elefant bedeuten könnte: http://de.wikipedia.org/wiki/Rosa_Elefant Und – OH JA – auch bei Hörgeschädigten gibt’s diese rosa Elefanten 😉   Drücke auf den “Gefällt mir”-Knopf für Facebook, wenn dich das hier begeistert. Judith Göller

  • Safak Pavey fordert Hilfe für Hörgeschädigte

    Safak Pavey kippt Hosenverbot für Frauen und fordert Hilfe für Hörgeschädigte Safak Pavey ist eine türkische und behinderte Abgeordnete, die durch ihr Engagement und ihrer Ausstrahlung auffällt. Als ich den aktuellen Bericht mit dem Titel „Türkisches Parlament kippt Hosenverbot für Frauen – Behinderte Abgeordnete gibt Anstoß“ sah, fühlte ich mich von der Ausstrahlung und starken…

  • Bleep – ich weiß, dass ich nichts weiß

    Buchbesprechung zum Film „BLEEP“: Dieses Buch ist ein wunderbarer Begleiter zum Film „Bleep“. Im Film „Bleep – ich weiß, dass ich nichts weiß“ geht es um realitätserweiternde Gedanken, wie z.B.: Wie entsteht Realität? Wer erschafft sie? Wer sind wir? Hier werden die Grenzen zwischen Wissenschaft/Quantenphysik und Spiritualität verwischt. Dieser Film ist unbedingt sehenswert – interessant…

  • Gehörlose als Unhöfliche abstempeln – Problem unsichtbare Behinderung

    Gehörlose als Unhöfliche abstempeln – Problem unsichtbare Behinderung Sehr schnell werden die Gehörlosen als unhöflich abgestempelt, weil sie in bestimmten Situationen nicht auf die Anrede der Hörenden reagieren – wie denn auch? Ein Beispiel: Ich gehe spazieren und hinter mir klingelt ein Radfahrer, damit ich ihm Platz machen soll – ich reagiere nicht darauf. Er…

Ein Kommentar

  1. Das erinnert mich irgendwie so ein wenig an mich selbst damals… Ich habe zwar mit Kindern gesprochen, aber mit fremden Erwachsenen kein Wort. Weiß auch nicht, ob es dafür einen speziellen Grund gab, aber schüchtern war ich als Kind auch ziemlich…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert