Gehörlos und hochintelligent

Gehörlos und hochintelligent

 

oder anders gesagt: Hörende nutzen ihr Potenzial nicht voll…

Gehörlos und hochintelligent

Damit spreche ich aber nicht nur Gehörlose an, sondern alle Hörgeschädigte. Ich kenne eine hohe Zahl von hörgeschädigten Menschen, die sehr intelligent sind. Jedoch werden wir durch fehlende Informationen, die nicht per Schallwellen an uns weitergegeben werden können, ausgebremst.

Wir Hörgeschädigte kennen etliche Hörende, bei denen wir uns wundern, wieso sie ihr Potenzial nicht nutzen, obwohl sie leichter an die Informationen rankommen können.

Unsere Gedanken dazu lassen sich oft auf einen gemeinsamen Nenner bringen:

„Wenn ich hören könnte, ich würde die ganzen Informationen aufsaugen wie ein Schwamm und nutzen!“

Gehörlos und unterschätzt

Wir Gehörlose werden oft unterschätzt, wenn es um unsere Kompetenz geht. Weil wir oft keine freie Wahl bezüglich der Informationen haben, kommen wir uns selbst oft dumm vor, durch andere ausgelöst, nicht durch uns selbst. Unser fehlendes Gehör bremst uns aus:

– taub und doof – stimmt!

Aus unserer Sicht sind wir jedoch nicht doof, sondern werden durch unsere eigene Gesellschaft „verdooft“. Uns kommen wenige Informationen entgegen, die wir per Schrift erhalten, z. B. Untertitel, Bücher. Oder per Gebärdensprache, je nachdem was der Hörgeschädigte bevorzugt. Im begrenzten Rahmen.

Was an uns Gehörlosen vorbeischrammt, sind die feinen Frequenzen in der Lautsprache, für unsere Augen unsichtbar und nicht zu erfassen.

Das wären die Stimmungen, die in der Stimme mitschwingen. Die Informationen, die mit unterschwelliger Stimmung weitergetragen werden. Die Radionachrichten, die Nachrichten im Fernsehen, die nicht untertitelt werden. Die Musik, die der Gehörlose nicht mit seinem Körper erfassen kann (ausgenommen Bass und deren Rhythmus). Die Diskussionen, die wir Hörgeschädigte oftmals überhaupt nicht mitverfolgen können, sobald mehr als 3 Personen daran teilnehmen.

Gehörlos, tja, gute Besserung…

Solche Besserungen wünschen wir uns:

Eine bessere Versorgung in unserer Bildung, in unser Wissen, freiere Wahl der Informationen in unseren derzeitigen Medien wie Fernsehen, Internet und Radio.

Ich persönlich schaue mir gerne Dokumentationen an, überwiegend im Internet, aber auf die kann ich nur zu einem kleinen Bruchteil zugreifen, da gerade hier die Untertitel fehlen und die automatischen Untertitelungen lassen noch viel zu wünschen übrig und verderben mir absolut den Spaß beim Film anschauen.

Im Gespräch mit unseren Mitmenschen ein offeneres Ohr, sowie aufmerksameres Zuhören mit den Augen – viele Hörende hören vor lauter Unsicherheit bei unserer „hörgeschädigten“ Stimme weg…

Mir wurde mal gesagt: „Gute Besserung“ – Auf Mitleid pfeife ich! Wir wissen, was wir drauf haben! Unser Potenzial ist um vieles höher, als sich Hörende vorstellen können…

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Judith Göller

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2 Kommentare

  1. Hi, das Thema aus dem Internet „Gehörlos und hochintelligent“ war korrekt wie bei mir, leider wegen der Jobsuche wurde mir beim Vorstellungsgespräch aufgrund meiner Berufsausbildung überqualifiziert. Ja und nein, sage ich mit Enttäuschung. Mein letzter Job war mir aufgefallen, weil die Hörende mit den Kollegen viele Fragen zum technische Problemen fragt. Hm. Ich fragte nie, weil ich ja viele Erfahrungen an vielen Firmen hatte. Darum wurde ich im Vorstellungsgespräch misstraurisch. Man sagte so oft, dass die Gehörlose, die nicht hören, heißt dann also uninformiert bzw. unwissend. Kurz: dumm oder doof (!). Respektlos. Im Job als Maschinenbaukonstrukteur im CAD sehe ich viel mehr als hören. Leider die zukünftige Kollegen wollen nicht mit mir zusammenarbeiten, aber der Abteilungsleiter weißt Bescheid. Sein Vater ist auch Gehörlos und längst im Pension (Rente). Er tut mir leid, weil ich keine Zusage zum Job hatte. Hm.

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