Wie man mit der Gebärdensprache das Fürchten lehrt

Wie man mit der Gebärdensprache das Fürchten lehrt

 

Dass man mit der Gebärdensprache das Fürchten lehren kann, dieses Vergnügen hatte ich bereits als Kind.

Ich musste allein in die Umkleidekabine gehen. Da mir die Umkleidekabine ohne meine Mutter so groß vorkam  (und ich war so winzig :-D), kam ich mir dort verloren vor.

Um mir also selbst Mut zuzusprechen, führte ich drinnen ein Selbstgespräch in der Gebärdensprache. Ich stellte mir vor, ich wäre ein sehr großer Bär und brülle jeden an, der die Umkleidekabine betreten sollte. Ich hob meine Hände hoch, spreizte die Finger und stellte damit die Krallen dar. Dann machte ich den Mund auf und animierte das Brüllen *brrüüüüeeeellll*

Nachahmung "Der Bär brüllt"

Da ich jedoch vergaß, die Kabine innen abzusperren, kam es dazu, dass ein Mädchen die Kabinentür öffnete. Genau in diesem Moment sah ich so aus – Hände oben, Finger a la „Krallen ausfahren“ zum Angriff bereit, brüllendes Gesicht und Zähne zeigend – erschreckte ich das Mädchen voll und mein eigener Schreck hat nochmal meine Gebärden und meinen Ausdruck verstärkt, dass ich erst recht brüllte. Sie erschrak auf jeden Fall sehr, schlug die Tür heftig zu und haute ab.

Mir war natürlich peinlich, dass ich innen nicht zumachte. Aber durch meine eigene „mir-Mut-zu-sprechen“ per Gebärdensprache das Fürchten zu lehren, habe ich mich „groß“ gemacht.

 

Drücke auf den “Gefällt mir”-Knopf für Facebook, wenn dich das hier begeistert.

Judith Göller

 

Ähnliche Beiträge

  • Politische Mimen bei Wahlen in Iowa

    Schaut euch die Bilder sehr gut an, diese sind sehr vielsagend… (Aus der „Die Rheinpfalz“ vom 4. Januar 2008) Die Mimen diverser Politiker bei der Präsidenten-Vorwahl in Iowa sind hier super zusammengestellt worden. Die Hände der Politiker sprechen ebenso Bände – Abwehr? Drücken vor Verantwortung? Drohen mit dem Zeigefinger? Mundwinkel nach unten gezogen? Und noch…

  • Internet – ein SuperVorteil für Hörbehinderte

    Im Bericht „Internet – ein wunderbarer Segen für Hörgeschädigte“ habe ich über den Vorteil des Internets geschrieben (hier eine kurze Zusammenfassung): Unabhängig von Hörenden ein Kommunikation-Netzwerk im Internet aufbauen und pflegen, nicht nur mit Hörgeschädigten, sondern auch mit anderen Menschen, entweder hörend oder mit anderen Handicaps, mit gleichen Hobbys und vieles, vieles mehr… Ich kann…

  • Gehörlose verjagt „taubstumme“ Spendenbetrügerin

    Immer und immer wieder kursieren Berichte über diese Spendensammler, die entweder sich taub stellen oder auf Mitleid-Tour für arme Behinderte gehen. Und so sich Spenden erschwindeln zum Füllen eigener Taschen. Kürzlich gab es wieder einige Berichte darüber, darunter diese: Klemmbrett-Masche – Vorsicht vor Spendenbetrügern Als ich selbst von so einer Spendenbetrügerin mit solchem Klemmbrett und…

  • Blitzlichtwecker für Gehörlose ruft Schock hervor

    Früher – in meiner Jugendzeit -, da hatte ich einen Blitzlichtwecker, der mich aus meinem tiefen Schlaf rausholen sollte. Ich habe diesen Blitzlichtwecker sehr gehasst, jeden Morgen war ich blind durch die starke Blendung der Blitze – echt knallhart! Und jeden Morgen träumte ich, ich werde von dutzenden Leuten fotografiert und muss viele Blitze über…

  • Bequem oder einfach nur unsicher?

    Einer meiner Söhne wurde mitten in der Nacht sehr krank. So musste ich mit meinem Kind zum Notarzt fahren, um Hilfe zu bekommen. Ich bat meine Mutter, mich dabei zu begleiten, weil ich Auto fahren musste zur Notfall-Zentrale und sie meinen Sohn Trost zusprechen solle wegen seinen Schmerzen. In der Notfall-Zentrale wurden wir schnell angenommen….

  • Als es noch keine Fernseh-Untertitel gab…

    Wie ich junge Gehörlose beneide… (ich bin selber aber auch noch jung ;-)!) Aber in meiner gehörlosen Kindheit, da gab es noch keine Untertitel und somit keine schöne Fernseh-Abende für mich (und meine Eltern!). Ich habe meinen Eltern viele Fernseh-Abende vergrault. Ich fragte fast jede Minute: „Was sagt die grad?“, „Was sagte der eben?“ Wegen…