Gedicht „Die Mauer“

Ich stehe vor der Mauer.Ich versuche, die Mauer Stück für Stück abzureißen.
Die Mauer aber steht immer noch so,
wie sie schon immer so stand.

Ratlos stehe ich vor der Mauer,
ich weiß nicht,
wie ich rüber gelangen kann.

Die Mauer überklettern? Die Mauer ist zu hoch.

Ich denke immer:
Wie soll ich die Mauer bekämpfen?

Es gibt da nur ein Weg, nämlich:
Die Mauer als ein Stück von sich zu betrachten und
damit zu leben.

P.S.: Für mich hat die Mauer eine Bedeutung:
Die Mauer ist eine Darstellung der Isolationsprobleme durch meine
Gehörlosigkeit, eine Barriere zwischen mir und Hörenden.

Ähnliche Beiträge

  • Musik vom ertaubten Beethoven – aggressiv?

    Ich bekam von vielen Hörenden gesagt, dass die Musik (die Spätwerke) von Beethoven aggressiv klingt. In einem wissenschaftlichen Recherche soll herausgefunden worden sein, dass die Babys bei Beethovens Musik anfangen zu weinen/schreien – wegen dem aggressiven Ton, der da mitschwingt. Dass Beethoven immer mehr ertaubte und zum Schluss nichts mehr hörte, muss schlimm genug für…

  • Nach Weihnachten kommt der Knaller

    Nach Weihnachten kommt der Knaller   Da ich zu Weihnachten so zugebombt wurde mit den lieben Wünschen, wusste ich, meine Nachricht würde in der Masse keine Aufmerksamkeit mehr bekommen. Und jetzt habe ich etwas Schönes gefunden, einen kleinen Kurzfilm – ohne Worte 🙂 – nach dem Motto: Nach Weihnachten kommt der Knaller   So hoffe…

  • Warum ist „taubstumm“ diskriminierend?

    Vom Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG bekam ich den folgenden Lebenstipp: Hörgeschädigte Menschen empfinden es als diskriminierend, wenn man sie „taubstumm“ nennt, da das Wort „taub“ etymologisch mit „stumm“ und „dumm“ verwandt ist.“ Leider wissen es immer noch nicht viele. Nach wie vor werden viele Gehörlose als „taubstumm“ bezeichnet. Ich muss es immer und…

  • Lindenstraße, Gabi Zenker und Cochlea Implantat

    Viele von Euch gucken die Fernsehsendung „Lindenstraße“ und kennen mit Sicherheit die „Gabi Zenker“, dargestellt von Andrea Spatzek. Diese hat in der Sendung gerade eine Cochlea-Implantat-Operation hinter sich gebracht… Mit dieser „Gabi“ habe ich einige Gemeinsamkeiten: Erstens wohnte ich auch mal in der Lindenstraße (allerdings nicht dort, wo die Sendung gedreht wird *schmunzel*) und habe…

  • Eine gehörlose Klogeschichte

    Meine Jugend-Erinnerung: Ich saß auf dem Klo, in aller Ruhe, einfach himmlisch… Plötzlich stürmte mein kleiner hörender Bruder ins Bad, mitsamt seinem hörenden Freund. Ich zischte zu meinem Bruder: „Raus! Verschwinde!“ Er grinste und lief wieder aus dem Bad hinaus. Sein Freund jedoch, der blieb im Bad auf der Stelle stehen. Er starrte mich an….

  • Überfall auf ein taubes Mädchen

    Da lebte ein kleines taubes Mädchen in der Mehlgasse (Altstadt Speyer), ca. 6 Jahre alt. In der Altstadt konnte sie selbständig einkaufen, die kleinen Läden waren in der Nähe und die Leute wussten, dass sie taub war. Sie hatte mithilfe der Zettelchen ihrer Mutter keine Probleme, das Gewünschte zu bekommen beim Einkaufen. Dann passierte folgendes:…

3 Kommentare

  1. Das Gedicht spiegelt vieles im Leben wieder, wenn zwischen den Zeilen gelesen wird. Es macht nachdenklich und zeigt einem auf, dass wir öfters vor großen „Mauern“ stehen. Manchmals kann man diese überwinden, manchmal muss man sich abwenden.

  2. Ein Gedicht, das berührt und auffordert –

    es ist ehrlich – und diese Ehrlichkeit macht nachdenklich –
    und es gibt viele Mauern – sie stehen zwischen vielen Menschen:
    Menschen, die sehen können – sie sehen vieles nicht
    Menschen, die hören können – sie hören vieles nicht

    Erich Meyer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert