KURZstummfilmfestival 2018

KURZstummfilmfestival vom 27.04. bis 28.04.2018

Es gibt wieder ein KURZstummfilmfestival 🙂 Diesmal dreht es sich um das Thema „Raum“.

Wer von Euch möchte hier mitmachen?

Hier weiteres:

Schick den Film zum Thema: RAUM bis zum 28. Februar 2018

Bitte leite diese E-Mail an Personen weiter und drehe einen Film.

Am 27. und 28. April 2018 findet das III. KURZstummfilmfestival in der Zeche Carl statt und das KURZstummfilmfestival-Team ruft erneut auf, Filme zu drehen.

KURZstummfilmfestival

Das Besondere: Ohne Sprache (Keine Laut- oder Gebärdensprache), keine Schrift (z.B. Unter- oder Zwischentitel), mit einer Länge von 1 – 11 Minuten inklusive Vor- und Abspann, zum Thema RAUM.

Eine Jury aus tauben und hörenden Mitglieder/innen wählt in zwei Kategorien:

– „Bester Film“ – (dotiert mit 500 Euro)

– „Bester Raum“ – (hier gibt es einen Baumarkt Gutschein zu gewinnen)

An beiden Veranstaltungstagen wird es außerdem einen Publikumspreis gegeben.

Der Einsendeschluss ist der 28. Februar 2018.

Das KURZstummfilmfestival Team, Simone Bury und Richard Poser, freut sich sehr auf Eure Teilnahme!

 

Alle Infos auf: www.kurz-stumm-filmfestival.de

oder Fragen an: info@kurz-stumm-filmfestival. de

KURZstummfilmfestival 2018

Fotoquelle: www.kurz-stumm-filmfestival.de

Allen, die daran teilnehmen, wünsche ich viel Erfolg beim Mitmachen! Lasst Euch was Originelles zum Thema „Raum“ einfallen und filmt das und schickt das an das Team – nicht vergessen! Toi, toi, toi!

Ich bin sehr gespannt, was hier an Kreativität zusammenkommt! Ich finde das immer wieder so spannend mit den neuen Ideen zum Filmthema für einen KURZstummfilm! Stummfilme sind ja doch immer wieder toll!

Wer von Euch wird dabei sein? Bitte lasst es mich wissen, denn ich unterstütze die Kultur und Kunst immer gerne! Gerade hier kann man die Menschen am ehesten erreichen und ansprechen!

Eure Gehörlosbloggerin

Judith Harter

Interview – Andreas Costrau gebaerdenservice.de

Interview – Andreas Costrau gebaerdenservice.de

Der nächste Interviewpartner ist Andreas Costrau mit seinem Unternehmen gebaerdenservice.de. Gemäß dem Interview-Motto: „Auch wenn wir nicht hören, na und! Wir können uns sehen lassen“ freue ich mich, das Interview mit Andreas Costrau zu führen. Er gehört wohl zu den führenden Unternehmern in der Gehörlosenwelt, da er in interessanten Filmprojekten involviert ist. Ich berichtete kürzlich über den Kinofilmprojekt „Freak City“, in dem die Produzentin Birgit Stauber von ihren Erfahrungen mit der gebaerdenservice.de berichtete. Und so passt das Interview mit Andreas Costrau genau richtig im Anschluss daran 🙂 Er feierte am 1. März 2017 sein 11-jähriges Firmenjubiläum der gebaerdenservice.de.

Interview mit Andreas Costrau von gebaerdenservice.de

1) Als Unternehmer des www.gebaerdenservice.de hast Du Dir nicht nur in der Gehörlosenwelt, sondern auch in der Gesellschaft als Experte in der Gebärdensprache einen Namen gemacht. Bitte stelle Dich und Dein Unternehmen vor.

Wir unterrichten die deutsche Gebärdensprache wie auch die Kultur der Gehörlosen. Unser Konzept / Unterrichtsmaterial etc.  wird auch von uns erstellt. Weiterhin coachen wir auch Schauspieler, die die Gebärdensprache anwenden und wir sind auch Berater in vielen Bereichen zum Thema Gebärdensprache und Gehörlose, sowie Barrierefreiheit für taube MitbürgerInnen. Manchmal beraten wir auch dazu, wie man ein Unternehmen gründet oder führt. Ich glaube, das reicht erstmal … 😉
Andreas Costrau - gebaerdenserivce.de
© Andreas Costrau – gebaerdenservice.de

2) Kürzlich erfuhr ich von einem sehr guten Vortrag von Dir mit dem Thema „WAS“ – Kannst Du uns erläutern, worum es geht? Handelt es sich hier um ein typisches Verhalten der Gehörlosen? Und warum ist dies typisch? Gibt es darüber eine Videoserie?

Das Thema war „Der Wandel der Gebärdensprache, wohin führt das?“ Unsere Sprache, also die DGS (Deutsche Gebärdensprache) ist wunderbar und wenn wir unsere Sprache der Lautsprache anpassen, dann wird sie nicht mehr so einmalig sein. Nehmen wir zum Beispiel dieses „WAS“… früher haben wir, statt „WAS“ zu gebärden, einfach die Mimik dafür benutzt.

Unsere Sprache ist 3-dimensional und mehr, wenn wir aber immer mehr Wörter in unseren Wortschatz lassen, dann wird sie zur langweiligen 2D-Sprache und genau dies will ich vermeiden.

Kleines Beispiel… Busfahrerin sagen wir normalerweise in DGS:  BUS FRAU FAHREN und nicht BUSFAHRER PERSON FRAU ODER BUSFAHRERIN.

Wenn ich dieses Thema noch vertiefen soll, dann kann ich gleich ein 300-seitiges Buch schreiben (vielleicht kommt das noch). 😉

Video von Andreas Costrau, bei dem er den Begriff „Gebärdensprachdolmetscher“ mit Erklärung hinterfragt (mit Untertitel):

Hier geht es zu seinem Youtube-Kanal: gebaerdenservice – einfach reinschnuppern und seine Gebärden-Botschaften aufnehmen 🙂

3) Meinst Du damit die Gebärden-„Worte“? In der Schriftsprache ist es ja eher wünschenswert, dass wir ein großes Wortschatz haben und unseren Wortschatz erweitern können. Aber in der Gebärdensprache ist es eher umgekehrt?

Darüber habe ich ein Film gemacht, es kommt irgendwann raus im Youtube / Facebook. Was ich damit sagen will, ist, dass die Gebärdensprache viel mehr aussagen kann, als die Lautsprache jemals schaffen wird, da unsere Sprache mehr als 3-dimensional ist. Die Lautsprache hat auch schöne Seiten, aber kann meiner Meinung nach die Gebärdensprache, wenn man sie richtig anwendet, niemals gleichstellen.

Ich sage immer, dass die Gebärdensprache bei Geschichte-erzählen, wenn man die genau auf Lautsprache übersetzt, ähnlich klingt wie bei der Audiodeskription für Blinde.

Wenn Ihr immer noch nicht ganz verstanden habt, dann kann ich gern noch einen Kurzfilm mit Beispiel machen.

4) In Deinen Videos entdecke ich immer wieder neue Facetten von Dir, Du gestaltest sie mit einem Schuss Humor. Ich entdecke darunter die Satire, den schwarzen Humor, den Schalk. Werden Deine Videos in diesem Sinn verstanden oder regen sie eine Diskussion an?

Ich vergleiche gern z.B. Gebärdennamen vs. Lautsprachnamen, um aufzuzeigen, dass viele unserer „Gebärden-Wörter“ unsinnig sind. Ausserdem ist bei uns das Vorstellungsritual anders strukturiert als in der Lautsprache. Wir stellen uns anders vor. Siehe hier:

1. Bist du taub?

2. Wo kommst du her?

3. Kennst du ….. ?

4. Updaten gemeinsamer Bekannten

5. Small talk

6. Nach vielleicht 2 Stunden oder beim 2. /3. Treffen fragen wir  DU WER DU?  und nicht DEIN NAME WAS?  und schon gar nicht DEIN GEBÄRDENNAME WAS? (Da bekomme ich glatt Augenherpes …).

Mein Ziel ist, dass Taube bewusster auf ihre Sprache und Identität achten sollten. Wir und unsere Sprache sind wirklich etwas besonderes …

5) Du bist mit deinem Unternehmen gebaerdenservice.de immer wieder in Filmprojekte eingebunden. Was genau machst Du und Dein Team in solchen Projekten? Kannst Du einige vollendete Projekte nennen?

Ich bin beim Filmbussines der Coach in Sachen Gebärdensprache und Taubenkultur, einige Schriftsteller lassen sich auch von mir beraten, z.B. die Schwestern von Sherwood:

Filme: Samba in Mettmann, Letzte Lüge, Die Jagdhunde, Dr.Klein, German Angst, Der Kriminalist, und einiges mehr. Ausserdem vollenden wir alle Projekte, die wir angefangen haben!!! (Anm. der Gehörlosblog-Redaktion: Mehr erfahrt Ihr auf der gebaerdenservice.de-Referenzseite)

6) Dein gebaerdenservice.de gibt es seit März 2006. Seit wann bist Du selbstständig? Wie kannst Du die Hindernisse, besser gesagt, die Herausforderungen in der Geschäftswelt überwinden?

Offiziell ist die gebaerdenservice.de seit 2006, aber die Seele, also meine Selbständigkeit hat schon 2002 mit gebaerdendozent.de begonnen. Was dazwischen war, ist eine lange unnötige Geschichte.

7) Wie steht es um Deinen Hörstatus? Auf Deiner Webseite kann man erfahren, dass Du in 3. tauber Generation bist. Du lebst Dein Motto: „Proud to be deaf!“ – Könntest Du uns Dein Motto näher erklären?

Mein Leben und meine Philosophie verdanke ich tauben und hörenden Mitmenschen. Meine Identität ist schlicht und einfach taub. Das ist genauso, wie wenn du einen Türken fragst, ob er Deutscher ist. Obwohl er in Deutschland geboren ist 😉 , wird er sagen, dass er Türke ist. Ich möchte, dass alle Taube das sagen können: „Proud to be deaf“.

8) Du sagst, du willst, dass Taube sagen können „Proud to be deaf“. Das heißt übersetzt „Sei stolz, taub zu sein“ oder „Stolz darauf, taub zu sein“. Ich habe selber noch nie gehört, dass ein Rollstuhlfahrer sagt: Ich bin stolz, gelähmt zu sein. Oder ein Blinder: Ich bin stolz darauf, blind zu sein… Das erfahre ich nur bei den Gehörlosen. Habe ich hier etwas falsch interpretiert? Könntest Du mich hier bitte aufklären?

Der Unterschied zwischen tauben Menschen und andere „Behinderungen“ ist, dass wir eine eigene Sprache haben… und wir treffen taube Menschen nicht, weil wir die gleiche “Behinderung“ haben, sondern weil wir die gleiche Sprache haben… 😉

9) Wie wurdest Du so gut angetrieben, locker zwischen der Deaf-Community und der Gesellschaft zu springen? Du kannst Dich in jeder dieser Welten bewegen. Wie konntest Du Dich in der hörenden Welt weiterbringen?

Ich denke, das liegt daran, dass ich Menschen liebe, die auch gut mit Menschen umgehen, und das sind Gott sei dank viele. Viel mehr, als man glaubt. Dazu gehört auch meine Neugier auf Neues und meine Neugier auf das „Anders sein“. Hörende sind für mich „das andere Wesen“, mit denen wir die Welt teilen. Manchmal nicht so gut …

10) Nochmals zu Deinen Videos: Du lässt die Zuschauer spüren, dass Dir sehr an der Gebärdensprache liegt. Du liebst die deutsche Gebärdensprache und vermittelst diese weiter an hörende Kunden. Was genau in deinem Unterricht veranlasst diese Hörenden, die Gebärdensprache so schnell und sogar gut zu erlernen in kurzer Zeit?

Das ist eine gute Frage, ich weiss es auch nicht wirklich. Ich glaube, alles, was Du mit Herz vermittelst, wird sehr schnell angenommen.

11) Freust Du Dich, dass die Gebärdensprache seit 2001 in Berlin und 2002 in Deutschland anerkannt ist?

Ich muss leider mit Nein antworten, da ich das ziemlich unverschämt finde, unsere Sprache erstmal anzuerkennen! Ich wüsste nicht, wann die deutsche Lautsprache anerkannt ist?? Die Gebärdensprache war schon immer eine natürliche Sprache und KEINE Kommunikationshilfe für taube oder taubstumme Menschen, wie viele Sachbearbeiter in den Behörden glauben. Es ist einfach anmaßend, was die Gesellschaft mit uns macht. Oft vergessen sie das Grundgesetz Art 1 (1) „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“
Unsere Würde ist unsere Kultur und Sprache. Ausserdem war die Gebärdensprache die erste Weltsprache gewesen.
Und das Behindertengleichstellungsgesetz ist auch ein Unding… Das grenzt uns doch noch mehr aus… Wo ist da die INKLUSION, wenn wir ein eigenes Gesetz haben??? Kopfschüttel…

12) Da stimme ich Dir zu. Auch ich denke so und habe deshalb nie über diese Form von Anerkennung der Gebärdensprache gebloggt. Jetzt zu Inklusion: Mit diesem Begriff „Inklusion“ tue ich mir selber schwer und dieses Wort ist für mich ein „kalter Begriff“, bei dem ich mir einfach kein Bild machen kann. Wie definierst Du die Inklusion für Dich?

INKLUSION ist ein bescheuertes Wort für mich, ABER auch der „JOKER“, um den Menschen, die überhaupt keine Ahnung vom gemeinsamen Leben haben, nahe zu bringen, dass wir voneinander viel lernen und profitieren können.

Wir, also ich, ich bin in einer SONDERSCHULE, puh noch ein Unwort, groß geworden. Wir / Ich wurden von den „NORMALEN“ Menschen ausgegrenzt und sie von uns. In meiner Klasse waren hauptsächlich „hörbehinderte“ Schüler. Einige haben noch etwas anderes, so wie Lernbehinderung, Down Syndrom, Autismus, spastische Lähmung und vieles mehr… Ich bin dankbar, dass ich mit diesen Menschen großgeworden bin. Ich habe bis heute keine Hemmungen, mit ihnen zu leben. Und vor allem brauche ich sehr wenig Aufklärung über diese wunderbaren Menschen. Das kann man von den „Normalen“ nicht behaupten. Sie nennen uns immer noch die „TAUBSTUMMEN“, obwohl das schon seit 100 Jahren ein diskriminierendes Wort ist.

Kurz und knapp: INKLUSION = Joker für das bessere Zusammenleben an die unwissenden Menschen, Politiker, Anwälte usw.

13) Welches besonderes Anliegen hast Du für die Gehörlosblog-Leser?

Bitte achtet auf eure Sprache und Kultur, denn sie ist wirklich einmalig. Lasst euch nicht einreden, dass die „Hörenden“ besser sind.
Bitte seht uns Taube nicht aus medizinischer Sicht, sondern aus soziologischer Sicht. Wir sind nicht behindert, sondern nur taub… (wir werden behindert: Kino-Spot „Behindern ist heilbar“).Und vor allem: WIR BRAUCHEN KEIN CI, um eine Zukunft zu haben, wir haben auch ohne CI eine wunderbare Zukunft…;)

14) Nenne mir bitte anhand einiger Beispiele, weshalb Du der Meinung bist, dass das CI (Cochlea Implantat) für die Zukunft nicht gebraucht wird? Wo liegen hier Deiner persönlichen Meinung nach die Grenzen?

CI ist eine super Erfindung für Menschen, dessen Erstsprache die Lautsprache ist und sie selbst hörend geboren sind. Und nicht für taub geborenes Kind mit dem Argument, dass das Kind ansonsten kein Zukunft haben könnte.
Das ist ja, wie wenn man einem blondem Baby die Haare schwarz färben würde, weil Blondinen angeblich dumm sind …

Ich danke Andreas Costrau ganz herzlich für dieses Interview. Es gelingt ihm, der Gesellschaft die Gebärdensprache auf eine klare Art und mit Liebe und Herz näher zu bringen. Seine Referenzen sprechen für sich :-). Gleichzeitig hinterfragt er kritisch gesellschaftliche Normalitätsgedanken und deren -begriffe, z.B. Gebärdensprachdolmetscher vs. Dolmetscher für Laut- und Gebärdensprache, was ich klasse finde. So manches ist nicht nur für Hörende, sondern für Gehörlose selber aufrüttelnd. Ein Macher, ein Augenöffner, ein Aufrüttler. Das ist mein persönlicher Eindruck von ihm 🙂

Ich wünsche ihm weiterhin viel Erfolg und wir dürfen uns auf weitere Videos und Botschaften von ihm freuen!

Eure Gehörlosbloggerin

Interview – Yoga Massage Betty Schätzchen

Interview – Yoga Massage Betty Schätzchen

Es geht nun weiter mit dem Motto: „Auch wenn wir nicht hören, na und! Wir können uns sehen lassen!“  – die nächste Interviewpartnerin ist Betty Schätzchen, eine Yogalehrerin und Unternehmerin von „Yoga Massage“. Sie unterrichtet Hörgeschädigte und Hörende.  Sie gehört zu den 50 bekannten Experten in der deutschen Yogi-Szene. Meiner persönlichen Meinung nach zu Recht, denn sie hat als Hörgeschädigte nochmal diese besondere Einfühlung in ihre Mitmenschen beim Yoga und gestaltet die Yogakurse so, dass hörgeschädigte Teilnehmer soviel mehr vom Yoga-Wissen erfahren und umsetzen können. Sie fiel mir schon früher auf, siehe den Gehörlosblog-Beitrag Workshop mit Betty Schätzchen vom 21.09.2010. Es sind schon fast 7 Jahre her. 🙂

Interview mit Betty Schätzchen – Yoga Massage

1) Du bist als hörgeschädigte Yoga-Lehrerin mit einem fröhlichen Lachen bekannt geworden. Da ich Dich aber nicht in eine Schublade stecken will und kann: Was machst Du noch alles neben Yoga und Deinen Reisen?

Neben diesen beiden Tätigkeiten bilde ich im deutschen Raum Laut- und Gebärdensprachler in Thai Yoga Massage aus. Ich biete auch regelmäßig Yoga Massage Workshops für Gebärdensprachler in verschiedenen Städten Deutschlands an. An 3 Tagen in der Woche bin ich als Heilpraktikerin in meiner Praxis und im Temedos-Institut (www.temedos.de) tätig. Dort behandle ich Patienten mit unterschiedlichen Beschwerdebildern – meist im Bereich des neuromuskulären Systems.
Betty Schätzchen Yoga Massage
Betty Schätzchen

2) Du gibst zudem Vorträge. Zu welchen Themen machst Du gerne Deine Vorträge? Was ist Dir bei deinen Vorträgen besonders wichtig?

Sehr gerne gebe ich Vorträge zu Themen, die den Menschen auf dem Weg zu einem glücklichen und bewussten Leben begleiten. Da ich selbst über die Themen wie Persönlichkeitsentwicklung, Menschwerdung und -sein, Frieden und das Prinzip des Yoga seit vielen Jahren stark reflektiere, liegt es mir am Herzen, mein Wissen und meine Erfahrungen mit der Gebärdensprachgemeinschaft zu teilen.

3) Wenn ich mir Deine Videos ansehe, sei es Yoga oder Ausschnitte aus deinen Vorträgen – habe ich immer wieder den Eindruck, dass Dir Dein Gegenüber so wichtig ist, dass du die Informationen richtig fundiert rüberbringst. Mit welchem Ansatz gehst Du an die Themen ran, so dass der Funke praktisch rüberspringt und deine Mitmenschen mitreißt, egal ob hörend oder taub oder was auch immer?

Erstens hat sich für mich über die Jahre herauskristallisiert, dass es mein Lebensaufgabe (geworden) ist, die Menschen unterschiedlicher Kulturen miteinander zu verbinden – ganz besonders die laut- und gebärdensprachlich orientierte Kultur. Im Indischen nennt man es Svadharma – die persönliche Lebensmission. Wenn das einem klar ist, dann ist man nicht nur überzeugt, man lebt diese Überzeugung. Das ist es, was den Eindruck hinterlässt, andere Menschen „mitzureißen“.

Zweitens liebe ich es, komplizierte Dinge einfach, kristallklar, auf den Punkt gebracht, strukturiert und kompatibel für alle zu präsentieren. Es ist so nur möglich, wenn ich mich selbst damit ausgiebig und leidenschaftlich beschäftigt habe und es stets tue.

Die Fanseite von Betty Schätzchen Yoga Massage:

 

4) Es gibt schon einige Interviews mit Dir, aus denen hervorgeht, wie Du mit Yoga angefangen hast – diese Frage möchte ich dir deshalb nicht erneut antun. Dafür möchte ich gerne wissen: Wie war Dein Leben davor?

Mein Leben vor dem Yoga empfand ich als sehr leidvoll. Ich erinnere mich, wie ich vor mir selbst geflohen bin. Ich musste unter die Menschen, auf Partys gehen und andere zu überzeugen, dass ich „wichtig“ bin, in dem ich versuchte, ihnen zu gefallen. Ich habe getrunken, geraucht und meinen Kopf ständig in die Vergangenheit geschickt und war depressiv.

Wenn ich heute auf mein damaliges Ich zurückblicke, begegne ich mir selbst mit einem Schmunzeln und Mitgefühl. Heute kann ich es. Ich schicke kaum noch meinen Kopf in die Vergangenheit, ich fokussiere mich auf die Gegenwart. Seit fast 15 Jahren rauche ich nicht mehr und trinken tue ich sehr selten. Ich bin sehr viel gelassener geworden und habe nicht mehr das Bedürfnis, anderen gefallen zu müssen.

Wenn ich doch mal an mein jüngeres, vergängliches Selbst denke, streiche ich ihm über den Kopf und flüstere: „Alles wird gut.“

5) Deine Geschäftstüchtigkeit ist mir schon lange aufgefallen. Ich finde es spitze, dass Du anderen die Möglichkeit mitgibst, mit Dir auf die eine oder andere Weise zusammen zu arbeiten, z.B. in Form eines Partnerprogramms. Wie bist Du darauf gekommen? Gibt es da noch weitere Möglichkeiten?

Mir ist es wichtig, mich mit Menschen, besonders in der Gebärdensprachgemeinschaft, zu vernetzen. Es gibt Kooperationen, wie z.B. das Partnerprogramm oder gemeinsame Workshops für Gebärdensprachlerinnen mit meiner Freundin Tabea. Es hat sich einfach so spontan ergeben. Im Moment kann ich sagen, dass es sicherlich weitere Möglichkeiten gibt, nur plane ich es nicht. Das wird sich ergeben, wenn es passt und stimmig ist. Ich vertraue da sehr meiner Intuition 😉

6) Auf Facebook vermittelst Du zusätzlich dein persönliches Mindset, wie Du Deine Dankbarkeit auslebst, und deine „Visionstafeln“ zeichnest. Könntest Du uns so ein Visions-Bild zeigen, bei dem sich Deine Ziele durch Dein Mindset verwirklicht haben?

Ein Beispiel dafür habe ich vor über 3 Jahren gezeichnet. Ich wollte unbedingt an einem Yoga Teacher Training in Miami im Jahr 2014 teilnehmen. Ich habe dazu ein Bild in meinem „Buch der Träume und Wünsche“ mit allen Details, die mir in den Sinn gekommen sind, gemalt. Das Bild gibt es hier:

Betty Schätzchens Visiontafel
Betty Schätzchens Visiontafel

Als ich letztes Jahr wieder in mein Buch weitere Träume zeichnen wollte, sprang mir das obige Bild ins Auge. Ich hatte es fast vergessen, dass ich diesen Traum visuell fixiert hatte und mich umso mehr gefreut, dass dieser Traum als „erfüllt“ abgehakt werden konnte.

Einen weiteren Traum hatte ich ungefähr 2007/ 2008, selbst eine Yoga DVD in Gebärdensprache herauszubringen. 2013 war es dann soweit und ich publizierte meine erste DVD „15 Minuten Yoga für Hörgeschädigte“ in deutscher Gebärdensprache und Untertiteln.

Seitdem wurden viele Träume wahr und weitere werden fleißig von mir weiterhin produziert 🙂

 

Betty Schätzchen Yoga Massage
Betty Schätzchen beim Zeichnen ihrer Visionen

7) Natürlich frage ich Dich auch nach Deiner Hörschädigung 🙂 für das Gehörlosblog. Wie kam es zu Deiner Schwerhörigkeit? Wie bist Du damit aufgewachsen und wie lebst Du heute damit?

Es ist unklar, wie es wirklich zu meiner Schwerhörigkeit kam. Mir wurde gesagt, dass ich sehr schwache Herztöne hatte und die Geburt eingeleitet werden musste. Hierbei ist unklar, ob ein Sauerstoffmangel der Grund ist. Ich war zu meiner Geburt untergewichtig und wog etwas über 2 kg. Vielleicht gab es auch eine Entwicklungsstörung. Im 3./4. Monat nach meiner Geburt hatte ich eine Lungenentzündung und daraufhin für viele Jahre eine chronische Mittelohrentzündung. Ich denke, dass die Mittelohrentzündung tragend war für meine heutige mittel-hochgradige Schwerhörigkeit.

Ich bin mit sehr verständnisvollen Eltern aufgewachsen. Ich weiss, dass meine Mama mir das Fingeralphabet und das Sprechen beigebracht hat, um das (Laut-)Sprachverständnis zu unterstützen. Sie blieb für einige Jahre zuhause, um mich in der Frühförderung zu begleiten.

Ich ging dann in den Kindergarten und Schule für Schwerhörige bis zum Abitur in Berlin.

Durch meine Reisen nach meiner Bankausbildung lernte ich sehr inspirierende Menschen kennen. Wirklich ausnahmslos alle, egal welcher Nation, sagten mir, dass ich mit meiner Schwerhörigkeit beschenkt worden bin. Ein Schlüsselereignis für mich war, als ich einen Alt-Hippie im Alter von 75 Jahren auf einem Visa-Run in Thailand traf. Er rauchte einen fetten Joint, war ganz in weiß gekleidet mit einem weißen Haarband und weißen schulterlangen Haaren. Er fragte mich, was ich da im Ohr habe. Ich sagte ihm, dass ich seit meiner Geburt schwerhörig bin und Hörgeräte trage. „This is a gift.“ (Das ist ein Geschenk) sagte er und blies dicken Marihuanarauch in die Luft. „You have qualities no one else have.“ (Du hast Qualitäten, die niemand anderer hat). Das machte mich nachdenklich und stimmte mich sehr positiv. Das war genau der Punkt, an dem ich aufhörte, meine Schwerhörigkeit als Behinderung anzusehen. Ich konzentrierte mich seitdem nur darauf, „was ich damit alles kann“. Ich hatte damals absolute keine Ahnung, welche großen Türen sich mir eröffnen würden.

9) Wow, das ist in der Tat ein Schlüsselereignis. Du hast Dich also seitdem auf Deine Stärken konzentriert. Nochmals zu den Reisen – Du reist nicht nur selbst, sondern stellst auch Yoga-Reisen zusammen. Checkst Du bei Deinen eigenen Reisen erst die Reiseorte, bevor Du die Yoga-Reisen organisierst? Sind immer nur Hörgeschädigte dabei oder auch Hörende? Das klingt für mich sehr spannend.

Ja genau, ich stelle die Reisen meistens selbst zusammen. Die Yogagruppenreise nach Bali wird von der Yogareise-Agentur Yoga Travel & Friends organisiert. Nicht immer kenne ich den Ort, wenn die Reise erstmalig stattfindet.

Auf den großen Reisen sind die Gruppen mit Gebärden- und Lautsprachlern gemischt. Mir ist es ein wichtiges Anliegen und immer wieder eine schöne Herausforderung, beide Welten miteinander zu verbinden.

10) Inwiefern ist es eine Herausforderung, beide Welten miteinander zu verbinden?

Unterschiedliche Kulturen und Sprachen führen oft zu Unsicherheit auf beiden Seiten, besonders im Bereich der Kommunikation. Das stellt eine Herausforderung dar, beide Welten zu verbinden – aber eine schöne, positive.

Hin und wieder fungiere ich als Vermittlerin bzw. “Link” (= Brücke zwischen den unterschiedlichen Welten), um Berührungsängste abzubauen.

 

Yoga Massage Betty Schätzchen
Betty Schätzchen

11) Was hast Du für einen Beruf gelernt? Du erwähnst die Bankenlehre. Was war der Grund, dass Du Deinen “Ausstieg” aus dem berühmten Hamsterrad durchzogen hast? Wie lange dauerte es, bis Du diesen Schritt gewagt hast? Beeinflusst Dich dein ausgelernter Beruf noch irgendwie auf deinem Lebensweg?

Wenn man es genau nimmt, habe ich bereits 5 Berufe erlernt. Begonnen hat es mit der Banklehre, bei der mir von Anfang an klar war, dass ich da nicht bleiben werde. Ich brauchte diese Zeit in der Bank, um mir klar zu werden, wohin ich mich mit meinen ganzen Ideen hin bündeln möchte. Ich entschied mich für den Gesundheitsbereich. Und so entwickelte sich mein Weg dahin über das letzte Jahrzehnt mit mehreren Ausbildungen und Trainings im Bereich Yoga, Thaimassage, Heilkunde und Coaching im In- und Ausland.

Ich spreche lieber von Berufung als über den Beruf. All das, was ich gelernt habe und stets tue, macht meine Berufung aus. Das erlernte Wissen, meine Erfahrungen formen meine Berufung. Sie ist viel wichtiger als der reine Beruf. Viele Menschen fühlen sich in ihrem Beruf nicht berufen. D.h. sie machen ihre Arbeit, weil „sie getan werden muss“, sind aber nicht glücklich damit. Berufung ist anders. Dein Herz spürt es, wenn du deine Berufung oder Bestimmung gefunden hast. Du willst dann nichts mehr anderes. Es ist und wird genau das, wofür du lebst.

12) Du hast eine wunderschöne Webseite, auf der Du Deine Yoga Massage, Yoga Massage-Shop mit Leggings, Videos und Massageprodukten sowie Deine Heilpraxis vorstellst. Möchtest Du verraten, ob ein Team hinter Dir steckt bzw. wie viele Menschen hier im Hintergrund mit Dir zusammen arbeiten? Sind auch Hörgeschädigte darunter? Wo stellst Du deine organisierten Yoga-Reisen vor, die man dann buchen kann?

Danke dir 🙂 . Ja, das Team, dass hinter meinem Unternehmen, meiner Heilpraxis und dem Yoga Massage Shop steckt, bin ich. Es gibt eine Arbeitsassistenz, die mich unterstützt. Je nach Bedarf habe ich auch Honorarkräfte (meist hörend), die mir bei der Organisation oder Assistenz von Workshops helfen.

Meine Yoga-Reisen für Laut- und Gebärdensprachler biete ich auf meiner Homepage www.thai-yoga-massage-ausbildung.de an. Die Yogagruppenreise nach Bali wird von Yoga Travel & Friends hier angeboten: Gruppenreisen mit Betty Schätzchen – Yogatravel

13) Ich bin von deinen Videos sehr beeindruckt. Mein liebstes Video von Dir ist “Core Yoga – Für eine starke Mitte”, dieses ist in der Tat ein “Highlight”. Mit großer Freude konnte ich dank des Internets miterleben, wie klar und strukturiert Du Dich weiter entwickelst. Denn Du gestaltest Deine Videos so richtig barrierefrei für Hörgeschädigte UND Hörende. Untertitel, Gebärdensprache, Lautsprache, alles drin! Ein Traum! Absolut nachahmenswert! Vertonst Du Deine DVD’s selbst?

Ja, es gibt einige Videos, die für hörende Menschen besprochen sind. Zum Beispiel meine Online Yoga Videos auf der Plattform yogaeasy.de (Betty Schätzchen – Yogaeasy.de) sind größtenteils vertont.

Meine neueste Core Yoga DVD wird z.B. neben der Gebärdensprache auch in Lautsprache begleitet. Ich vertone meine DVDs selbst.

 

14) Zu guter Letzt 🙂 : Was möchtest Du den Gehörlosblog-Lesern als Botschaft mitgeben?

Die magische 10, die ich in meinem Herzen trage:

Sei du der Mensch, der du sein willst. Vergiss, was andere über dich denken.
Tue das, wofür du brennst. Tue das, was du liebst.
Träume nicht dein Leben, lebe es hier und jetzt, Schritt für Schritt.
Alles ist möglich, wenn du es zulässt.
Schaffe Frieden mit dir selbst, räume alles auf, was dir im Weg steht – gedanklich wie im Alltag.
Sei dankbar, für die Dinge, die du hast. Schreib täglich 5 Dinge auf. Lese sie am Ende der Woche, des Monats, des Jahres. Du wirst dich soooo satt fühlen.
Bewege dich täglich.
Nähre deinen Körper mit gutem Essen, deinen Geist konstruktiv und deine Seele mit Schokolade.
Entspanne und genieße dich täglich im Alleinsein.
Werde verrückt nach dir!

 

Vielen Dank für das schöne Interview, liebe Betty. Ich bin mir sicher, dass Deine Botschaften für die Gehörlosblog-LeserInnen inspirierend wirken. Ich empfnde es als sehr berührend, wie Du durch Dein Schlüsselerlebnis deine Schwerhörigkeit als Geschenk angenommen hast und dieses durch Deine Berufung auf deine Mitmenschen überträgst, die dafür empfänglich sind. Ich wünsche Dir weiterhin viel Erfolg und ich freue mich mit Dir über Deine umgesetzten Träume und weitere umsetzbare Visionen 🙂

Für meine Gehörlosblog-LeserInnen: Auf eine gute Vernetzung mit Euch! 🙂

 

Eure Gehörlosbloggerin

Interview – Volleyballlegende Betty Steup-Bauer

Interview – Volleyballlegende Betty Steup-Bauer

Um das Motto vom letzten Interview weiterzuführen:

„Auch wenn wir nicht hören, na und! Wir können uns sehen lassen!“

stelle ich meine nächste Interviewpartnerin vor: die Volleyballlegende Betty Steup-Bauer. Sie hat nicht nur in der Gehörlosen-Sportwelt einen hohen Bekanntheitsgrad. Sie bringt sich sehr ein für die gehörlosen Menschen, hat selbst viele Erfolge erzielt, und ist in der Sportswelt auch noch Moderatorin, Entertainerin, Webmasterin, Komikerin… Ein Allround-Talent. Doch lassen wir sie nun selbst erzählen!

Interview mit Volleyballlegende Betty Steup-Bauer

1) In der Gehörlosenwelt bist Du für Deine sportlichen Leistungen sehr bekannt: Volleyball, Beachvolleyball, Triathlon, und wie ich gesehen habe, auch Bodybuilding… Was hast Du so alles gemacht und was machst Du gerade aktiv?

Ja, richtig, nicht nur Volleyball und Beachvolleyball, auch Damenfussball, Futsal und Leichtathletik. Heute mache ich hauptsächlich Body Building. Nebenbei mache ich noch Triathlon, nur als Hobby und in der Freizeit Montainbike und im Sommer manchmal Beachvolleyball. Zur Zeit mache ich mehr Fitness (Bodybuilding), weil sie meinem Körper mehr Stabilität bringt (ich hatte früher in meiner Sportkarriere so viele Verletzungen gehabt, z.B. 8 mal Bandscheibenvorfälle) und auch zum fit bleiben in meinem höheren Alter.

In meiner Jugendzeit war ich sehr erfolgreich im Volleyball, Leichtathletik und später dazu Damenfussball und Beachvolleyball.

 

Volleyballlegende Betty Steup-Bauer
Volleyballlegende Betty Steup-Bauer

2) Mir ist aufgefallen, dass Du Dich als „Volleyball-Legende“ nennst. Es gibt nicht viele Menschen, die sich zu Lebzeiten „Legende“ nennen. Ich habe eine Definition danach gesucht und fand das hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Lebende_Legende

In der hörenden Welt bezeichnet sich der berühmte Boxer Mohammad Ali auch als lebende Legende. Ich persönlich kannte in der hörenden Welt eine Frau, die sich auch schon zu ihren Lebzeiten Legende nannte und meiner Meinung nach zu Recht. Wie bist Du selbst dazu gekommen, Dich als Volleyball-Legende zu nennen?

Einige haben zu mir gesagt, dass ich es verdient habe als Legende im Volleyball. Viele von meinen Volleyball-Leuten nannten mich schon Legende. Ich habe sehr lang Volleyball gespielt. Ich habe mit Volleyball im Jahr 1976 angefangen und schon über 35 Jahre gespielt. Bei der Nationalmannschaft der Gehörlosen habe ich über 30 Jahre gespielt und war auch sehr erfolgreich. Deshalb wurde ich Volleyball-Legende. Sogar die Sparte Volleyball des Gehörlosenverbandes hat dies auch bestätigt. Ich denke, es passt gut zu mir. Lach!

Kurzfilm mit Bilderreihe über die Sportkarriere von Betty Steup-Bauer:

3) Du hast die Webseite: http://www.betty-steup-bauer.de – diese dreht sich rund um Deine sportliche Erfolge. Auch wenn diese noch nicht fertig aufgebaut ist, finde ich Deine Struktur in dieser Webseite hochinteressant. Denn Du strebst hier eine große Vernetzung an, unter anderem die Nennung der gehörlosen sowie hörenden Vereinen. Wie lange hast Du persönlich gebraucht, die Vernetzung innerhalb Deiner Sportkarriere und im privaten Umfeld aufzubauen? Was treibt Dich dazu an?

Danke schön, bis heute ist meine Webseite immer noch nicht fertig. Es fehlt mir einfach an Zeit. Ich bin auch als Webmasterin für die Homepage vom Gehörlosensportverein GSV Wuppertal tätig. Ich hatte damals zahlreiche Homepages gehabt, die ich immer gelöscht habe. Es waren eine für Volleyball, eine für SkiFun und eine für die Fotogalerie. Jetzt nur eine Homepage, also komplett von meinen Sporterfolgen bis SkiFun. Die ganz neue Website www.betty-steup-bauer.de ist die offizielle Homepage in meinen Leben. Ich muss irgendwann wieder anfangen, mein Vorhaben umzusetzen. Warum ich meine Website zeigen und veröffentlichen will, hat einen ganz einfachen Grund: ganz früher gab es nicht viele Medien wie heute und sehr viele wissen nicht, was früher so geschah und nur wenige wussten davon, dass wir als Volleyballmannschaft sehr erfolgreich waren. Deshalb will ich mehr Medien für die Historie einsetzen sowie auch schöne Erinnerungen zeigen. Diese Geschichte darf nicht vergessen werden, schon aufgrund vieler Erfolge. Zur Zeit ist bei einigen Sparten-Homepages nicht viel oder kaum von der Historie oder Chronik enthalten. Echter Mangel! Deshalb will ich in meiner Homepage mehr Historie über meine Erfolge mit der Nationalmannschaft bringen!

4) Was hast Du für einen Beruf gelernt? Bist du darin hauptberuflich tätig?

Von Beruf bin ich Vermessungstechnikerin und Angestellte im öffentlichen Dienst. Und ja, ich arbeite immer noch, bald 37 Jahre lang.

5) Du hast neben Deinem geliebten Sport weitere Hobbys: Gesunde Ernährung, Fotografie und lustige Videos – Könntest Du hier mehr darüber erzählen?

Ja, damals vor ca. 10 Jahren war ich schon stark mollig und dabei ging es mir nicht gut. Dann habe ich mehr auf Diät und gesunde Ernährung geachtet und dabei viel abgenommen, so ging es mir wieder gut.

Erst habe ich zum ersten Mal ein Video im Facebook (noch keine Fanseite) gezeigt, in dem ich über Bauchmuskel und Fettschicht mit Zeichnungen erklärt habe. Eine Frau wollte innerhalb Facebook mein Video an anderen Gruppe weiter teilen. Jedoch konnte sie dort nicht veröffentlichen, weil ich mein Video nicht für alle veröffentlicht habe. Deshalb fand die Frau das schade. Dabei bekam ich diese Idee, eine Fanseite (Sportler, Persönlichkeit) zu gründen. So kann ich meine weitere Videos mit Erklärungen für alle veröffentlichen, ebenso über meine Karriere und vieles mehr.

Die lustigen Filme habe ich dann für meine Film-Erklärungen angepasst, damit es nicht langweilig wird ☺ Ich war schon immer eine lustige Frau. Und schon früher habe ich auch einige lustige Filme (VHS, analog) mit und für meine Skigruppe gedreht. Ich organisierte früher sehr viele Skiurlaube für Deafs.

Nun über Fotografie… früher als ich sehr jung war, hatte ich eine sehr einfache Kamera (Kompaktkamera, Filmstreifen) gehabt. Die Kamera ging kaputt und ich bat meine Mutter, mir ein neues Fotoapparat zu Weihnachten zu schenken. So gingen meine Mutter und ich zum Fotogeschäft und ich durfte mir eine Kamera aussuchen. Ich dachte dabei an die Spiegelreflexkamera und habe diese einfach ausprobiert. Da entdeckte ich mein Talent und die Liebe zum Fotografieren. Bis heute immer noch… Leider hab ich sehr wenig Zeit zum Fotografieren… Doch wenn ich im Urlaub bin, darf meine gute Kamera nicht fehlen. Anfang der Fotografie bis heute hatte ich sehr viele unzählige Kameras (analog bis digital), gefühlt sicher über 35 Kameras. Zur Zeit besitze ich die Kamera Nikon D7100 mit ein paar Objektiven und eine kleine Sony-Kamera (sehr einfache Kompaktkamera).

6) Dir eilt auch der Ruf im Voraus, dass Du auf Verleihungsabenden der Sportler auch als Entertainerin auftrittst. Du hast dich ehrenamtlich sehr eingebracht, wie mir Deine Seite hier verrät (ganz unten der letzte Satz 🙂 Erfolgreiche Sportkarriere von Betty Steup-Bauer als Historie) Machst Du dies nur bei Sportlern, oder auch im Theaterbereich?

Nur für den Sport und für die Ski-Organisation (privat), kein Theaterbereich.

7) Bei den lustigen Videos hast Du eine Art Serie gemacht: „Frieda Fett im Kampf mit ihrer Nutella“ – könntest Du uns hier ein Video zeigen?

Einige Videos sind auf meiner Fanseite von Facebook zu sehen. Auf Youtube habe ich noch nichts hochgeladen.

Hier  ihre Facebook-Fanseite:

 

8) Ich fand im Facebook einige Hinweise über Deine lustige Sketchfilme von früher. Könntest Du Dir vorstellen, damit weiterzumachen? Du bist nämlich in der Gehörlosen-Gemeinschaft nicht nur wegen Sport, sondern auch für deinen unverwechselbaren Humor bekannt!

Ja, auf jeden Fall will ich weiter machen. Ich habe viele Ideen, leider habe ich bis jetzt kaum Zeit und brauche für diese Filme sehr viel Zeit, das ist nicht einfach. Letzte Monate waren leider nichts draus geworden aus gesundheitlichen Gründen. Noch in diesem Jahr will ich einige Filme machen und darunter auch Ernährungs-Erklärungen (Kohlenhydrate-Fett-Eiweiss). Ich muss nur meine Zeit finden. Ich treibe auch immer noch Sport, arbeite auch noch und bin immer voll beschäftigt.

Ja stimmt,  ich bin schon immer eine humorvolle Frau, mein Humor ist bei mir angeboren. 😀

Kurze Ausschnitte der Sketche von Betty Steup-Bauer im Video:

9) Bevor ich die Frage vergesse: Wie kam es zu Deiner Hörschädigung? Wie gehst Du damit um? Wem hast Du zu vieles zu verdanken?

Ich war schon seit meiner Geburt gehörlos, genauer schwerhörig. Etwa mit 5 bis 6 Jahren wurde ich richtig taub und habe die Hörgeräte immer weggeworfen. Weil es mich so nervte wegen den Geräuschen und ich verstand auch nicht viele Wörter. Der Lehrer zwang mich, Hörgeräte zu tragen. Ich habe viel geweint. Meine Mutter unterstützte mich sehr und nahm mir die Hörgeräte ab und hat sie weggestellt. Danach wurde ich sehr glücklich. Ich habe meiner Mutter viel zu verdanken. Sie hat viel für mich getan, alles!! Ich als Gehörlose komme prima und klar aus! Es stört mich nicht, dass ich gehörlos bin. ☺

10) In diesem Artikel WZ Zeitungsbericht über eine große Sportlerin geht es um Deine besondere Ehre als große Sportlerin und zwar Deine Auszeichnung mit der „Heinrich-Siepmann-Plakette“, der höchsten Auszeichnung im Gehörlosen-Sport. Diese Auszeichnung fand im November 2016 statt, richtig? Wie war dieser großer Tag für Dich?

Ja, es war im November 2016. Es war eine normale Ehrung, aber für mich war es schon der größte Tag, weil ich großen Respekt vor Siepmann habe.

Ich habe mein Ziel erreicht und vielleicht auch verdient.

(Anmerkung der Gehörlosblog-Redaktion – Mehr über den gehörlosen Heinrich Siepmann mit dem Spruch: “Trotzdem, ich kann, ich will”:  Heinrich Siepmann und die Sportsplakette , dort ist eine Liste mit großen gehörlosen SportlerInnen, Betty Steup-Bauer ist die Nr. 92 🙂 )

11) – Könntest Du Dir vorstellen, mal einen Abstecher in den Theaterbereich zu machen? Dein Video mit den lustigen Sketch-Filmen zeigt deutlich, wie viel Spaß Du dabei hast, deine Komik auszuleben. Könntest Du Dir vorstellen, mal gemeinsam mit dem Comedian Rosana alias Simone Lönne auf die Bühne zu gehen?

Lach, sehr viele Gehörlose (meine Freunde) haben auch gefragt, warum ich nicht eine Show (Sketche) auf der Bühne machen will, auch eine Teilnahme beim Gebärdenfestival oder lustigen Kurzfilm-Wettbewerb. Ich mache das aber nicht, weil ich mehr von meiner Freizeit haben möchte. Als ich im Volleyball tätig war, war ich sehr viel unterwegs… gefühlt wie Tag und Nacht. Es war anstrengend in meiner Volleyball-Karriere. Deshalb will ich auf meinen Körper „hören“.  Simone hat oft zu mir gesagt, dass ich das machen soll. 😉

Sogar mein Mann hat zu mir gesagt: Es wäre große Klasse, wenn Simone und ich gemeinsam auf der Bühne stehen würden. Ich denke aber anders, Simone ist eine tolle Komikerin und soll auch als alleinige Komikerin auf der Bühne stehen.

Ich habe den VHS-Film gefunden, wo Simone und ich als Babysitter gespielt haben. Es war im Skiurlaub und es war sehr lustig.

Ich war auch Moderatorin für das 100 jährige Jubiläum des Vereins Kölner GSV. Ich hab auch paar Theaterstücke mit meinen Volleyball-KameradInnen durchgeführt. Nebenbei habe ich sehr viele Skiurlaube für Gehörlose organisiert. Nicht nur zum Skilaufen, auch viele Gesellschaftsspiele, z.B. Spiel ohne Grenzen (im Schnee), Ski-Orientierungslauf und Abschieds-Skilauf mit lustigen Faschingskostümen.

Babysitterfilm mit Betty Steup-Bauer und Simone Lönne

12)  Möchtest Du den Gehörlosblog-LeserInnen Deine Botschaft oder Dein Motto mitteilen?

Gehörlosblog.de ist für mich enorm wichtig für alle, was wir nicht wissen oder nicht gewusst haben. Es gibt paar Leute, die eine Respekt einflößende Persönlichkeit haben, jedoch meistens in den Medien nicht bekannt sind. Da muss aber geweckt werden und bei Gehörlosblog.de wird es möglich gemacht!

Liebe Betty, das war eher ein Kompliment für mich als Gehörlosbloggerin 🙂  und ich freue mich sehr darüber. Vielen Dank dafür 🙂  Ich danke Dir sehr, dass ich das Interview mit Dir machen durfte! Toi toi toi, weiterhin viel Erfolg, nicht nur beim Sport und in der Gesundheit, auch als Komikerin. Vielleicht kommst Du doch einmal mit Rosana Comedy gemeinsam auf die Bühne? 🙂 Alles kann, nichts muss.

Eure Gehörlosbloggerin

Genial daneben mit Hella von Sinnen mit Untertitel

Genial daneben mit Hella von Sinnen mit Untertitel

 

Die SAT1-Sendung „Genial daneben“ wird wieder neu aufgelegt.

Wer sich für Comedy interessiert, sollte sich diese Sendung mit der ComedyStar Hella von Sinnen nicht entgehen lassen.

„Genial daneben – die Comedy Arena“ (siehe Wikipedia) lief bereits in den Jahren 2003 bis 2011.

Ab 2017 kehrt diese Sendung also als Comeback zurück, und wir Hörgeschädigte können nun am Comedy teilnehmen:

Ab dem 17. März 2017, 21:15 Uhr werden neue Folgen der Sendung GENIAL DANEBEN ausgestrahlt mit Untertitelung unter anderem für Gehörlose auf der entsprechenden Teletextseite!

Hella von Sinnen ist beim Comeback fest im Team dabei und hat dafür gesorgt, dass diese Sendung untertitelt wird für Hörgeschädigte.

Ich erinnere mich sehr gut daran, wie erfolgreich diese Sendung „Genial daneben“ lief und das Ende dieser Sendung sehr bedauert wurde. Für meine Eltern war sie ein MUSS zum Anschauen und ich bekam hin und wieder einiges von meinen Eltern gedolmetscht, was da gesagt wurde.

Hier mal ein Youtube-Video – die Sendung GENIAL DANEBEN mit Hella von Sinnen:

Durch das Comeback gibt es den Comedy-Liebhabern sowie Comedy-Künstlern unter Hörgeschädigten praktisch eine schöne Vorfreude auf die Sendung mit Untertitel!

Ich finde es wunderbar, dass wir mit Hilfe des Untertitels auch an die Comedy in der hörenden Welt herankommen und mitlachen können!

Also, hier nochmal die Daten:

Ab dem 17. März 2017,

um 20:15 Uhr – Comeback der TV-Sendung „Genial daneben – die Comedy Arena“

mit Untertitel und Hella von Sinnen im Team!

Toi, toi, toi, diesen Termin vormerken! Habt Spaß!

Ihr erinnert Euch sicher noch an das Interview mit der gehörlosen Comedian Rosana alias Simone Lönne? Darin beschrieb sie, dass sie witzigerweise nicht weiß, wie die Comedy von Hella von Sinnen in der Lautsprache ist. Damit sollte nun mit Hilfe des Untertitels Schluß sein 😀

Genial… was?!

Und mit Untertitel nicht daneben!

Eure Gehörlosbloggerin

Compagnie Augenmusik – „Stille Blicke“ für Kinder

Compagnie Augenmusik – „Stille Blicke“ für Kinder

 

Ein interessantes Theater-Projekt wird gestartet: „Stille Blicke“ – und es wird um Unterstützung für dieses Theaterstück gebeten:

„Liebe Freunde und Kollegen der Compagnie Augenmusik,

nun ist es soweit! Am 21. Mai 2017 wird unser zweites Stück für gehörlose und hörende Kinder „stille.blicke“ im Theaterhaus Frankfurt zur Premiere kommen.

Dank dem Kulturamt der Stadt Frankfurt können wir schon einigermaßen die Personalkosten stemmen. Allerdings haben uns alle angefragten Stiftungen abgesagt, so dass uns noch einiges an finanziellen Mitteln fehlt, um ein Theaterstück für große und kleine, gehörlose und hörende Menschen mit unseren Vorstellungen umzusetzen. Um das Theaterstück vor allem zu einem visuellen Erlebnis zu machen, benötigen wir noch Technik. Und genau dafür brauchen wir Eure finanzielle Unterstützung! Mit Eurem Geld können wir ein kleines und sehr feines, komplett barrierefreies Theatererlebnis schaffen, dass gehörlose und hörende Kinder gleichzeitig verzaubern soll.

Auf der Seite „Förderung Theaterstück „Stille Blicke“ für Kinder“ findet Ihr detailliertere Informationen sowie ein kurzes Video zur Erklärung.

Helft uns, ein wundervolles Theaterstück zu zaubern und unterstützt uns mit einem finanziellen Betrag Eurer Wahl! Für Eure Unterstützung erhaltet Ihr Geschenke, die Euch unsere Dankbarkeit zeigen sollen!

Verbreitet außerdem diese Nachricht in Euren Netzwerken, in Euren Familien und Freundeskreisen – je mehr Menschen von uns wissen und uns helfen, umso schöner kann die Produktion werden!

Also: Öffnet Eure Herzen und Eure Portemonnaies und helft uns, Augenmusik zu machen!

DANKESCHÖN!

Daniela Krabbe & Lukas Wegner – Compagnie Augenmusik“

 

Theaterstück
Theaterstück „Stille Blicke“

Das Team Daniela und Lukas freut sich über jede Unterstützung mit ihren persönlichen Worten:

„Wir freuen uns über jede Unterstützung, vor allem aus der gehörlosen Community, da wir ja vor allem die gehörlosen Kinder ansprechen wollen. Wir brauchen Eure Hilfe, um auf die gehörlose Welt & Kultur aufmerksam zu machen & eine Brücke zwischen hörender und gehörloser Welt mithilfe dem Theater zu schaffen – damit alle Kinder, egal ob hörend oder gehörlos, gemeinsam und selbstverständlich Theater in der gleichen Sprache und auf Augenhöhe erleben können!
Herzliche Grüße,
Lukas&Dani“

Da der gehörlose Gebärdensprachpoet und Schauspieler Jürgen Endress hier wieder in der Hauptrolle mitwirkt, ist dies schon eine Garantie dafür, dass das Stück wieder etwas besonderes wird für die Kinder, egal, ob hörgeschädigt oder hörend! Er hat schon viele hörgeschädigte Kinder und Jugendliche inspiriert.

Und gerade für gehörlose Kinder ist das Theater etwas sehr Besonderes, das ist so einprägsam und prägend zugleich. Ich selber kann mich noch sehr gut an die Theaterstücke für Gehörlose in meiner gehörlosen Kindheit erinnern, die mich voll inspiriert und mich auf meinem Lebensweg begleitet haben. Das war ein „Aha-Erlebnis“.

Unterstützt mit und merkt Euch das Datum 21.05.2017 für dieses Theaterstück „Stille.Blicke“ in Frankfurt!

Euer Gehörlosblog-Redaktionsteam

 

Interview – gehörlose Comedian Rosana alias Simone Lönne

Interview – gehörlose Comedian Rosana alias Simone Lönne

In der Welt der Gehörlosen und Schwerhörigen gibt es Künstler und Macher, die in der Deaf-Community sehr bekannt sind. Als Gehörlose empfinde ich hier immer eine Freude darüber, denn man sieht an diesen Machern, was alles möglich ist – und diese können andere hörgeschädigte Menschen dazu ermuntern, das eigene Potenzial zu entfalten und zu verwirklichen.

Wie ich bereits in einem meiner früheren Blogbeiträge schrieb, gibt es Parallelen in der hörenden und in der hörgeschädigten Welt: Wenn Charlie Chaplin Albert Einstein trifft – mein Zitat darin:

„Unter den Gehörlosen gibt es auch solche Persönlichkeiten, die die Rollen wie Albert Einstein sowie Charlie Chaplin haben – an diesen habe ich heute meine Freude.“

Die gehörlose Comedy-Schauspielerin Rosana ist eine solche Persönlichkeit, Es gibt zwischen der hörenden und der hörgeschädigten Welt sehr viele Parallelen, und dazu gehört Rosana, denn sie ist eine „taube“ Parallele zu der „hörenden“ sehr bekannten Moderatorin Hella von Sinnen 🙂

Jetzt habe ich meine Freude daran, das Interview mit der Comedian Rosana alias Simone Lönne zu führen:

Interview mit der gehörlosen Comedian Rosana alias Simone Lönne

 

1) Du bist eine gehörlose Comedy-Schauspielerin sowie Moderatorin und in der Gehörlosenkultur sehr bekannt. Du trägst den Künstlernamen „Rosana“. Wie kamst Du auf diesen Künstlernamen?

Kurz vor meinem ersten Auftritt fragten mich die Dolmetscher, die ja meine Gebärdensprache in der Lautsprache auf der Bühne übersetzen sollten, wie ich auf der Bühne wirklich heisse. Ich hatte nicht mehr daran gedacht, meiner neuen Comedy-Figur einen Namen zu geben. Ich lag dann nach dem Arbeitsgespräch abends im Bett und dachte kurz nach, was am besten zur Figur passt, die ein schwarzes Kleid mit Federboa tragen wird.

Instinktiv sah ich im Geiste eine Rose vor mir.  Der Name „Rosana“ gefiel mir ganz gut. Am nächsten Tag hatte ich meinen ersten Auftritt bei der Bundeselterntagung 2008 und die Dolmetscher durften mich zu Beginn gleich als Rosana vorstellen. 🙂

Rosana alias Simone Lönne
Rosana Comedy alias Simone Lönne

Foto-Quelle: BR Sehen statt Hören Rosana Comedy

2) Dein Erkennungsmerkmal als „Rosana“ ist ein Riesen-Hörgerät und als Maskottchen hast Du die Schildkröte „Ulkie“ dabei. Wie kam die Schildkröte Ulkie zu Dir? Wie kamst Du auf dieses Riesen-Hörgerät als besonderes Merkmal?

Das hat seine praktische Gründe. Ich schwitze sehr schnell und weiss, dass ich immer auf mein Hörgerät acht geben muss. Sobald ich merke, dass mein Hörgerät Schweisstropfen abbekommt, nehme ich es raus und trockne meine verschwitzte Stelle hinter meinem rechten Ohr ab. Jeder Hörgeräteträger kennt das. Eine etwas nervige Angewohnheit bei mir. In der Vergangenheit trug ich beim Sport oft einen Stirnband, was praktisch war, um das Hörgerät nicht dermassen zu verrosten.  Aber Rosana und Stirnband, das passt nun wirklich nicht.  So erfand ich ein imaginäres Riesen-Hörgerät aus Pappe, das als Trennwand zwischen meinem Hörgerät und der verschwitzten Stelle am Ohr dienen sollte. So würde mein Hörgerät geschützt bleiben und mit meinem Riesen-Hörgerät signalisiere ich gleichzeitig: „Hallo, ich bin schwerhörig und brauche das Hörgerät, na und?!“

Ich finde es jedesmal schön, das goldne nicht ganz rutschfeste Papp-Hörgerät hinter meinem Ohr zu klemmen. Mittlerweile ist es nicht mehr nicht nur ein Ding, sondern ein fester Bestandteil meines Rosana-Rituals geworden. Erst wenn ich mich geschminkt habe, mich angezogen habe, startbereit bin, dann setze ich das Riesen-Hörgerät als letztes Teil auf… bevor es bald zur Bühne geht.

Die Ulkie-Schildkröte, von der du sprichst, ist eher ein Maskottchen vom Ulkie-Festival. Meine Markenzeichen sind das Hörgerät und der Koffer.

3) Du betreibst zusätzlich die „Ulkie Comedy“. dort hast Du in deinem Team die künstlerische Leitung.

Bist Du also auch so eine Art „Deaf-Comedy-Talentsucherin“? Du hast sicher schon vielversprechende Talente unter den Gehörlosen entdeckt?

In meinem privaten Umfeld gibt es locker ein Dutzend Menschen, die auf die Bühne gehören mit ihrem Sprachwitz.

Wenn ich sie darauf anspreche und sage: „Du bist ein geborener Komiker, warum gehst du nicht auf die Bühne?“

Die meisten Menschen, die ich darauf anspreche, können sich gut vorstellen, auf der Bühne witzig zu sein, aber irgendwas hält sie davon ab. Sei es die Angst vor der Reaktion des Publikum, sei es die Verantwortung, wirklich witzig sein zu müssen. Ich kann es sehr gut verstehen, wenn diese Antworten so lauten.

Auch ich habe lange nicht so ernst genommen, mal damit auf die Bühne zu gehen. Bevor ich auf deine Frage eingehe, möchte ich ein wenig von mir erzählen, wie meine Sicht zur Comedy auf der Bühne ist. Ich konnte es mir lange nicht vorstellen, wie das eigentlich funktioniert. Ich habe vor vielen Jahren einmal versucht, meine Ideen umzusetzen und ich merkte schnell, oh das ist gar nicht so einfach. Du brauchst ein Werkzeug, ein Rahmen, ein Prozess, denn eine Comedy kann man planen und auch wiederum nicht, die größte Hürde für mich war: Wie fange ich an, wie beende ich mit einer Pointe? Du kannst eine Geschichte traurig erzählen und trotzdem kann sie tragisch-komisch sein. Genau darum geht es: WIE? Wo fängt Humor an? Wie wird Humor definitiert? Reicht es, nur dick und fett geschminkt zu sein? Welches Werkzeug besitze ich, welches brauche ich noch? Meine Mimik ist mein Werkzeug, meinen Ausdruck in den Händen, im Körper, im Geist, in den Augen, das soll für mich greifbar sein. Mein Vorteil ist auch, dass ich relativ spät damit angefangen, Comedy zu spielen. Die Lebenserfahrungen sammeln sich, je älter man wird.  Jedoch: Ich muss mich wohlfühlen in mir, wenn ich eine Comedy Geschichte schreibe. Mein Tipp an alle: Ganz egal, was du zu tun gedenkst, frage immer dich selbst zuerst: Fühlst du dich wohl dabei? Spürst du Freude oder Feuer in dir? Wenn ja, dann traue deinem Gefühl. Wer sich wohl fühlt, strahlt auch das aus in seiner Rolle. Das ist keine Mathematik, sondern Kunst, ein Gespür in sich, wo das Feuer am stärksten ist. Diese Erfahrung möchte ich allen mitteilen, die noch nicht den Mut dazu hatten, ihren Sprachwitz, egal in welcher Form, auf der Bühne mal vorzustellen. Ich stehe somit gerne zur Verfügung für Fragen und Tipps.

Es ist ein Riesen-Unterschied, ob man privat witzig ist oder auf der Bühne. Auf privater Ebene lache ich auch gerne mit meinen Freunden zusammen oder in der Familie zum Beispiel.  Eine Geschichte entsteht, jeder ergänzt seinen Teil zu der Geschichte und man lacht zusammen.  Herrlich! Eine ungezwungene Atmosphäre, die aus der Dynamik entsteht. Kein Druck, keine Erwartungen, keine Angst, sich zu blamieren, ob der Witz doof oder dumm ist und vor allem: Das geschieht spontan!

Auf der Bühne hat man eine Aufgabe zu erfüllen: Die Leute zum Lachen bringen!

Das ist ein ganz anderer Umgang zum Thema Comedy.

4) Hast Du neben deiner Künstlertätigkeit einen Hauptberuf, einen Hauptjob, dem Du nachgehst?

Hauptberuflich bin ich Erzieherin im Hort für gehörlose SchülerInnen. Es macht mir Spass, mit den Kindern zu arbeiten. Es ist immer wieder schön, wenn jedes einzelne Kind aufblüht. Kinder sind für mich der Spiegel der Wahrheit. Ich lerne nie aus, lerne durch sie, nur so kann ich sie besser verstehen. Eine anspruchsvolle nicht zu unterschätzende Aufgabe, auch wenn regelmässig gebastelt wird und ich eine Origamie aus Hunderte von Figuren demnächst basteln sollte. Harter Job, weil ich mich beim Basteln zu sehr verkrampfe. Pff…

5) Ich stellte fest, dass es in der gehörlosen Welt viele „Ebenbilder“ gibt als Parallelen zu den berühmten Leuten in der hörenden Welt. Wenn ich Dich im Video auftreten sehe, könntest Du glatt als Schwester der berühmten Fernsehmoderatorin und Komikerin Hella von Sinnen durchgehen 🙂 – das ist etwas Besonderes! Bist Du hier öfter darauf angesprochen worden? Fasst Du es als Kompliment auf?

Oh jaa…ich nehme es als Kompliment auf. Es ist schön, wenn ich als taube Rosana immer wieder mit Hella von Sinnen verglichen werde. Ich mag diese Frau sehr und wünsche mir, eines Tages sie kennenzulernen. Witzigerweise weiss ich nicht, wie ihre Comedy in der Lautsprache ist. Es gibt einfach keine Show-DVD von ihr, wo sie auch untertitelt ist. Ich glaube, dass sie wirklich witzig ist.

Vermutlich ähneln wir aneinander:

Also,

Hella ist immer extremblond, Rosana von meistens extremblond bis öfters normal blond,

sie hat einen dicken Bauch, ich habe einen dicken Bauch,

sie wirkt schrill, ich wirke schrill,

sie trägt einen Overall, ich trage ein Kleid,

sie in der Lautsprache, ich in der Gebärdensprache,

….und vielleicht sind wir auch ähnlich witzig….?

Rosana alias Simone Lönne
Rosana Comedy alias Simone Lönne

Foto-Quelle: BR Sehen statt Hören Rosana Comedy

6) Da Du in erster Linie zuerst einmal als „Rosana“ bzw. Simone Lönne bekannt bist, stelle ich diese Frage deshalb erst hier ;-): Bist Du gehörlos geboren worden? Wem hast Du Deine persönliche Förderung zu verdanken, dass Du so weit gekommen bist?

Ich bin im Jahr 1970 geboren. Im Alter von 10 Monate war ich meiner Oma aufgefallen, wie ich ruhig weiter schlief, als etwas laut wurde. Sie klatschte, ich schlief einfach weiter. Kenne ich schon, hat meine Mutter auch schon gemacht. Spass beiseite. Die Diagnostik lautete dann nach Monaten: An Taubheit grenzend schwerhörig!

Das stimmt auch, auch wenn ich heute nur noch auf einem Ohr „höre“. Ich finde es immer witzig, wenn ich meinen Hörstatus korrekt angeben soll: An Taubheit grenzend schwerhörig. Gerade unter Hörgeräteträger ist das eine Standardfrage bei der Begrüßung. Wieviel Dezibel-Hörverlust? So wird einem dann mehr klar, wie man sich am besten verständigt. Die Schwerhörigkeit hat viele Gesichter. 6 Schwerhörige zusammen am Tisch kann für Aussenstehende sehr amüsant sein. Entsteht ein Missverständis in der Runde, geht sofort eine Diskussion los, wer es richtig verstanden hat und wer nicht. Dann stehe ich mit meinem Status von 95 DB Hörverlust zunächst schlechter dran als mein Gegenüber mit einem Hörverlust von „nur“ 60 DB. Am Ende heisst es von einem Typen mit 60 DB: ‚Ah…und ich dachte, du hättest KEINE gesagt und nicht wie ich angenommen habe: MEINE.

Ich bezeichne mich gerne „Taub“ oder „Gehörlos“, weil diese Worte mich viel mehr verbindet und auch eine klare Botschaft sendet: Ich bin so oder so taub, mit oder ohne Hörgerät. Es ist nicht verkehrt, Musik toll zu finden, Stimmen toll zu finden, Geräusche toll zu finden, das Leben um sich herum zu hören. Die visuelle Sprache ist die stärkste Sprache und mit dieser stärksten Sprache Gebärdensprache als Säule in meinem Leben fühle ich mich nicht halbleer, sondern knallvoll.

Was bedeutet persönliche Förderung?

Wie gut ich sprechen kann oder meinst du meinen Weg zur Comedy?

In wessen Ohren klingt es danach…das gute Sprechen? Was ist gutes Sprechen? Ich glaube, die Antwort kann jeder für sich selbst beantworten.

Meinen Weg zur Comedy entspringt aus meinem Elternhaus. Zu Hause wurde viel gelacht. Meine Familie ist unglaublich witzig. Meine Mutter hat die Gabe, eine Geschichte tragisch-komisch und sehr lebendig zu verpacken. Ihre Körpersprache ist immer sehr präsent, ob sie möchte oder nicht. Mein Vater trägt viel Slapstick in sich und überrascht gerne mit einer betont langsamen Geste, dass ich als Kind nicht wusste, was kommt als nächstes, greift er langsam nach dem Ei, um es schnell an sich zu nehmen oder klopft er bloss auf das Ei?

Meine ältere Schwester erinnert mich an Bridget Jones und Anke Engelke. Sie redet gerne schnell und viel. Außerdem ist ihre Phantasie unfassbar detailverliebt, sie sieht alles, beschreibt jedes Detail, das ihr auffällt und macht sich darüber lustig ohne verletzend zu wirken. Herrlich.

Meine jüngere Schwester ist ein Mensch, die mit ihrem herzhaften Lachen sofort ansteckend wirkt. Sie jongliert mit Worten, oft trocken, ironisch und würzig. Sagt jemand über eine echt-aussehende-Kerze mit einer falschen Flamme mit „sie sieht verblüffend echt aus“, kommentiert sie trocken: „verblüffend unecht“, so werden Worten an dieser Stelle mal verdreht oder ergänzt. Das liest sich vielleicht unverständlich, egal, das alles hat mich geprägt.

Das ist etwas, worauf ich stolz auf meine Familie bin.

Im Laufe des Leben habe ich auch immer wieder Menschen kennengelernt, die mich in Phasen meines Leben inspiriert haben.

Es ist eine glückliche Fügung in meinem Leben, wo ich mich mit meiner Comedy austoben darf.

7) Ich liebe das Kabarett. Hier stoße ich als Gehörlose jedoch schneller an meine Grenzen, als mir lieb ist. Oftmals gibt es zum Kabarett im TV keinen Untertitel, was ich richtig blöd finde. Vor Ort würde ich bei den Kabarettisten einfach nur doof in die Luft gucken und würde nicht oder sehr verspätet mitlachen, sofern ich etwas mitbekommen habe. Gibt es bei Dir und Deinen gehörlosen Theater-Kollegen auch solche Kabarett-Stücke in der Gebärdensprache?

Es braucht mehr taube Comedy-Künstler in der Künstlerwelt. Wenn ich an die 20 Jahren zurückdenke, denke ich an Marco Lipski mit Susanne Genc. Ein Traumpaar! Viele Jahren waren sie ein Begriff für Comedy, sowohl auf der Bühne als auch im Fernsehen. Noch heute erinnere ich mich gerne an sie und sie werden heute immer noch von vielen vermisst. Gunter Puttrich-Trube, der verstorbene Künstler, begeisterte das taube und hörende Volk mit seiner ehrlichen provokativen Haltung zu mehr Gleichberechtigung mit viel Selbstironie.

Ich habe einige taube Künstler kennengelernt, die ein Potential in sich tragen, vielleicht probieren sie sich eines Tages aus.

Auf internationaler Ebene kenne ich einen britischen Komiker John Smith, einen Rob Roy aus Australien, einen John Maucere aus der USA und aus Spanien finde ich das taube Paar “Maloes” sehr amüsant, das gerade seine Popularität im Facebook durch ihre kleinen Film-Sketchen geniesst.

8) So wie Du es beschreibst, haben die gehörlosen Theaterleute größere Herausforderungen als die Hörenden. Für mehr Inspirationen fehlt im Fernsehen die Untertitelung. Es gibt bei den Podcasts und im Radio  kaum oder keine Transkripte zu Sketchen. All dieser Stoff bleibt für uns Gehörlose “unsichtbar”. Wie Du schon sagtest, es gab bei Hella von Sinnen kein Untertitel. Wie kommst Du also am besten zu deinem Comedy-Stoff?

An Ideen mangelt es mir nicht. Im Internet habe ich zum Thema Comedy recherchiert. Es gibt wirklich nur sehr wenig Material dazu. Lediglich habe ich in Erfahrung bringen können, wie lange eine Comedy in der Regel dauert und Comedy ist und darf politisch unkorrekt sein. So habe ich mich einfach getraut…

9) Mir ist aufgefallen, dass Du im Film die Gebärdensprache, aber auch die Lautsprache verwendest. Du benutzt beide je nach Situation. Bei Deiner Humorstunde in der neunten Klasse einer Schule in Berlin betrittst Du den Klassenraum als Begrüßung nur mit Worten „Ah, die Klasse Neun“. Das wird öffentlich oft nicht so beobachtet. Oft wird hier nur auf einer Schiene kommuniziert: Entweder Gebärdensprache pur oder nur Lautsprache. Beides gemischt geht aber auch gut, wie ich es bei Dir sehe. Hast Du hierzu dein persönliches Konzept?

Ach das rutscht mir so raus… Bei der Szene „Ah, Klasse 9“ hatte ich keine Hand frei zum gebärden. Rechte Hand Koffer, linke Hand die Türklinke.

In der Regel benutze ich die DGS, manchmal rutsche ich da rein in LBG bzw. in gesprochener Sprache…

Meistens kommen da vereinzelte Wörter wie : „total bescheuert“ oder „was gibt’s da zu lachen?“

Also insgesamt kein Plan.

Das variiert von mal zu mal…


10) Wenn man Dich für einen Comedy-Auftritt buchen will, wie kann man Dich am besten kontaktieren? Über Dein Management?

Ich liess eine Homepage für “Rosana” basteln. Man buchte mich über die Homepage. Ich manage alles alleine. Im Moment ist meine Homepage aus dem Netz raus. Ich hoffe aber, bald wieder darüber erreichbar zu sein:

http://www.rosana-comedy.de/

Vorübergehend kann man mich über meine Facebook-Seite kontaktieren:

https://www.facebook.com/simone.lonne

11) Bevor ich das Wichtigste vergesse: Hast Du Lampenfieber vor deinen Auftritten?

Ja, immer! Der Lampenfieber ist sehr anstrengend anstrengend und verursacht enormen Stress in mir. Toilettengänge, Durstgefühl, Angst vor Blackout, Angst, einfach das zu vergessen, was ich vorbereitet habe. Ich mache dann Atemübungen und versuche, einfach durch Konzentration an etwas Gutes zu denken.

Ich führe viel inneren Monolog.

Sobald ich raus auf die Bühne muss, verdränge ich alles und springe flugs in meine Rolle.

Vorher möchte ich nichts gesehen oder gehört haben, wer im Publikum sitzt. Natürlich kann ich es nicht vermeiden, wenn mir jemand aufgeregt den Namen einer Person sagt, die gleich mir zuschauen wird. Ich lerne damit umzugehen mit der Zeit.

Ab und zu hasche ich einen Blick durch den Vorhang, das passiert nur, wenn ich einen Moment sicher fühle.

Das geht jedem so, man merkt es nicht allen an… wirklich… den Eindruck haben sie auch manchmal von mir, dass ich eine Ruhe ausstrahle. Ich renne nicht hysterisch hin und her, laufe aber schon unruhig umher.

Jedes Publikum ist eine Herausforderung, da weiss ich nicht, ob ich in diesem Moment denke und fühle: Mir ist das Publikum wichtig, vielmehr habe ich mit mir zu kämpfen und frage mich, was mach ich hier eigentlich? Lampenfieber ist Motor für eine gesteigerte Leistungsbereitschaft, aber überhaupt nicht erbaulich in dem Sinne. Mein Lampenfieber variiert von Zeit zu Zeit, im Prinzip verhalte ich mich immer nach dem gleichen Muster.

 

Zeitungskritik Rosana alias Simone Lönne
Zeitungskritik Rosana alias Simone Lönne

Quelle: Neue Westfälische 07 – Gütersloh, v. 24.11.2016

11) Hast Du eine besondere Botschaft für die Gehörlosblog-Leser?

Meine Botschaft Nr.1: Euer Herz ist euer lautester Zuflüster!

Euer Herz kann schwarz, rot, grau und durchsichtig sein, aber immer noch genug Platz für bunte Farben! Lasst das Leben dein Herz bunt anmalen!

Meine Botschaft Nr. 2: Immer diese Botschaften, bin ich Mama, oder wie?

Nr. 3: Schaut einfach zu, was Tiere machen. Welches Tier fasziniert dich? Dann einfach dieses Tier und deine Welt wird wieder in Ordnung sein.

Nr. 4: Ich mache mal auf “gehörlosendeutsch”: wichtig, was, du wunsch herz groß stimmt, wichtig, bitte ernst, nicht weggucken, du musst brav sein, dann erfolg. wie ohne brav, dein leben immer schief, du folgen einfach.

Nr. 5:  Ich schafte Boot? nein, niemals Boot schaft, ich laff, boot schaft. ich gewesen schaft boot, dann aus. Krise.

Nr. 6: Ich liebe es, Botschaften zu lesen. Kurze aussagekräftige Sätze, eine Weisheit in kurzen Sätzen. Meine Botschaft fasse ich mal zusammen aus allem, was das Leben ausmachen soll: Lacht einfach mehr, jeden Tag für 2 Minuten. Meinetwegen darfst du auch nur leicht deinen Mundwinkel links oder rechts heben.

 

Wer von Euch wagt es nun, auch Comedy auf die Bühne zu bringen? 😀

Ich danke der Künstlerin Rosana alias Simone Lönne für das Interview. Sie ist eine Macherin und ich empfinde eine große Dankbarkeit sowie Stolz dabei! Ich liebe die KünstlerInnen, die MacherInnen, die UnternehmerInnen… Auch wenn wir nicht hören können, na und! Wir können uns sehen lassen 😉

Euer Gehörlosblog-Redaktionsteam