Bequemlichkeit bei Hörenden im Gespräch mit Hörgeschädigten

Wenn ich mit einem Hörenden im Gespräch bin, dann kommt ein anderer Hörender hinzu und spricht ihn an… Was passiert da?

Oft erlebte ich, dass der hörende Gesprächspartner sich dann sofort dem anderen Hörenden zuwendet und weiter mit ihm spricht. Ich bin hier sofort außen vor.
Warum verhalten sich viele Hörende so?

Für uns Hörgeschädigte ist dies eine Form der Unhöflichkeit/Bequemlichkeit.

Für Hörende ist es vielleicht zu anstrengend oder es dauert ihnen zu lang, mit uns Hörgeschädigten zu reden?

Im Gespräch unter 4 Augen zwischen einem Hörgeschädigten und Hörenden, da geht es gut. Sobald sich jedoch ein anderer Hörender hinzugesellt, ist der Hörgeschädigte oft bereits im gleichen Augenblick außen vor.

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5 Kommentare

  1. Hallo,

    ja es ist richtig, viele kennen solche Probleme, sowie die unangenehme Situationen. Ich habe auch schon einige Hörende direkt gefragt, warum sie so tun. Natürlich sollen wir auch nicht vergessen, dass manche Hörende auch Angst haben, und dass der Druck zugroß wird, wenn jemand zu unseren Gespräche dazwischenkommt. Es gibt neugierige, aber sehr gehemmte Hörenden. 🙂

    Ich denke, wenn jemand unsere Gespräche ablenkt, sollen wir einfach ruhig bleiben, und einfach versuchen, die Gespräche fortzusetzen, statt zu warten, dass Hörend mit unsere Gespräche beginnt.

  2. Ich bin und bleibe fassungslos, wenn ich solche Erlebnisse von Dir geschildert bekomme!
    Ich selbst bin ja nun mal hörend, hoffe sehr, dass ich mich anders verhalte, aber natürlich bin ich nicht davor sicher, auch in solche „Fettnäpfchen“ zu treten und mich eben falsch zu verhalten. Ich hoffe sehr, dass die Hörgeschädigten, mit denen ich mich dann umgebe, mir dieses auch sagen!
    (wobei ich glaube, dass ich viel zu oft Hörende stehen lasse und sie nicht ins Gespräch mit einbeziehe, wenn ich unter Hörgeschädigten bin).

    Mach weiter so – weise uns auf unsere „Fehler“ oder Unkenntniss hin – nur so können wir lernen, es zu ändern!
    Ich denke, vieles ist uns einfach nicht bewußt!

    Einen ganz lieben Gruß vom Molch

  3. Hallo Tanja Schulz,

    ich freue mich, dass du hier auch einen Kommentar abgegeben hast. Das ist für mich eine große Ehre, da du ja schon sehr bekannt bist als gehörlose Comic-Zeichnerin 😉

    Mit dem, was du geschrieben hast, hast du Recht!

  4. Hallo, ich bin über Xing hier hergeraten.

    Meiner Erfahrung nach herrscht auf beiden Seiten genügend Intoleranz und Missverständnisse. Ich bin selbst Rollstuhlfahrerin und wenn ich mit meinem Partner unterwegs bin, einkaufen gehe, gibt die Kassiererin automatisch meinem Freund das Wechselgeld. Ich betone dann sehr klar, dass ich das Geld bekomme, denn immerhin hab ich den Einkauf auch bezahlt.

    Da ich selbst einige Gebärdensprachkurse gemacht habe, habe ich vor allem von gehörlosen Leuten sehr viel Ignoranz erlebt. Kaum einer der gehörlosen Kursteilnehmer wollte mit uns Hörenden üben. Ganz im Gegenteil, sie waren nicht im Ansatz bereit uns zu unterstützen. Später haben wir dann gehört, dass einige der Gehörlosen meinten, wir sollten uns nicht in die Gehörlosenkultur „reindrängen“.

    Ich fand so ein Verhalten äusserst unverständlich – es hielt mich jedoch nicht ab, die Gebärdensprache zu lernen.

    Fazit ist, dass beide Seiten noch viel lernen müssen und beide Seiten müssen sich in der Mitte treffen. Daher halte ich derartige Pauschalausagen, dass alle Hörenden bewußt undeutlich sprechen, für gefährlich. Immerhin sollte es in aller Sinne sein die Gebärdensprache zu lernen um eben mehr Verständnis für beide Seiten aufzubringen.

    In diesem Sinne … mehr Toleranz auf beiden Seiten, dann klappts auch mit der Kommunikation.

    Alexandra

  5. Liebe Alexandra,

    ich gebe dir recht, das mit dem „reindrängen“ in die Gehörlosenkultur verstehe ich selbst auch nicht. Gerade hier ist ein Austausch zwischen Hörenden und Hörbehinderten wichtig, damit die Hörenden die Gehörlosenkultur besser verstehen können.

    Dass es auch anderen Behinderten passiert, dass eher dem nichtbehinderten Begleiter zugewandt wird, das weiß ich auch aus Erfahrung bei den Pfadfindern.

    Lieben Gruß Judith

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