Als es noch keine Fernseh-Untertitel gab…

Wie ich junge Gehörlose beneide… (ich bin selber aber auch noch jung ;-)!)

Aber in meiner gehörlosen Kindheit, da gab es noch keine Untertitel und somit keine schöne Fernseh-Abende für mich (und meine Eltern!).

Ich habe meinen Eltern viele Fernseh-Abende vergrault. Ich fragte fast jede Minute: „Was sagt die grad?“, „Was sagte der eben?“ Wegen meinen ständigen Fragen, was da gesprochen wurde, haben meine Eltern selbst praktisch kaum noch etwas von den Sendungen mitbekommen.

Da platzte meinen Eltern eines Tages der Kragen und sie schickten mich in mein Zimmer, mit dem Kommentar, ich wäre mit einem Buch besser bedient als beim Fernsehen. Beim Lesen bekomme ich alles mit, beim Fernsehen nerve ich nur und sie wollen endlich mal in Ruhe einen schönen Film genießen.

Wenn ich zurückblicke, muss ich schmunzeln, denn auch hier war für mich ein Vorteil: Ich las und las…, während andere Fernsehen guckten… In den Büchern kann man auch Gedanken der jeweiligen Figuren lesen, was beim Film unmöglich ist, aus der Mimik kann man nur raten und da ist man sich auch nicht sicher, ob man die Mimik auch richtig gedeutet hat.

Ich schaute mir sehr ungerne Kinder-, Zeichentrick- und Puppenfilme an, da ich bei diesen Sendungen entweder schlampige Mundbilder sah (Kinderfilme), oder überhaupt keine Mundbilder vorhanden waren (Zeichentrick- und Puppenfilme). Ich schaute mir lieber die Filme mit Erwachsenen an.

Als ich dann ca. 16 Jahre alt war, haben meine Eltern sich einen neuen Fernseher mit Videotext gekauft und seitdem konnte ich dann hin und wieder gemeinsam mit ihnen einen schönen Film anschauen (es gibt ja leider nicht viel Auswahl an Filmen mit Untertiteln), ohne mit meiner Fragerei zu nerven 😉

Ähnliche Beiträge

  • Gehörlose können erfolgreich studieren

    Gastbeitrag von Jessica Jäger für Gehörlose, die studieren möchten Gehörlose können erfolgreich studieren Für Gehörlose stellt das Studium eine enorme Herausforderung dar, da die individuelle Beeinträchtigung die ohnehin schon schwer verständlichen Studieninhalte noch verkomplizieren kann. Doch auch dafür gibt es Mittel und Wege (http://www.just-study.com/studienplatzklage/), damit jeder Gehörlose letztlich die Möglichkeit hat, einen Hochschulabschluss zu erhalten….

  • Versteckter Hunger verursacht Taubheit

    In den Entwicklungsländern ist der Hunger sichtbar, das heißt, man sieht hungernde Kinder mit aufgeblähten Bäuchen. In den Industrieländern ist der Hunger versteckt, das heißt, es gibt zuwenig „Leben“ in den Nahrungsmitteln (vor allen in Fastfoods). Dieser Mangel an Vitaminen, Ballast- und Nährstoffen und Mineralien lässt die Menschen „versteckt“ verhungern und die Folge ist: Fast…

  • Internet – ein SuperVorteil für Hörbehinderte

    Im Bericht „Internet – ein wunderbarer Segen für Hörgeschädigte“ habe ich über den Vorteil des Internets geschrieben (hier eine kurze Zusammenfassung): Unabhängig von Hörenden ein Kommunikation-Netzwerk im Internet aufbauen und pflegen, nicht nur mit Hörgeschädigten, sondern auch mit anderen Menschen, entweder hörend oder mit anderen Handicaps, mit gleichen Hobbys und vieles, vieles mehr… Ich kann…

  • Interview: Gehörloser Walter Krieg mit Bundesverdienstkreuz (1)

    Ich interviewte Walter Krieg, einer der Großen unter Gehörlosen in Speyer. Er ist 84 Jahre alt. Ich bezeichne ihn als „Mann von Welt“, da er eine offene, angenehme und einnehmende Art an sich hat und sich für Gehörlose einsetzt. Doch mehr darüber im folgenden Interview 😉 ********************************** J. Göller: Wann hast du deinen Bundesverdienstkreuz bekommen?…

  • Vor meiner CochleaImplantat-Zeit – Teil 1

    Ich bin eine gebürtige Gehörlose und war eine Hörgeräte-Trägerin… Mit der Zeit konnte ich keine Hörgeräte mehr anziehen, weil meine Ohren sich dank der Ohrpassstücke immer wieder entzündeten. Immer wieder ein Furunkel oder Anschwellung der Ohrmuscheln, so dass ich die Ohrpassstücke nicht mehr in die Ohren rein bekam. Es war sehr unangenehm und es schmerzte…

  • Aussprache bei Hörgeschädigten immer mal wieder daneben

    Eine liebe Freundin von mir berichtete mir heute, was ihr gestern aufgrund ihrer Hörschädigung passierte. Sie war mit ihrem Mann und ihrer Tochter in einer Buchhandlung. Dort las sie auf einem Buch das Wort „Chihuahua“ (ein Rassehund). Sie hat es genauso ausgesprochen, wie es geschrieben war. Ihr hörender Mann lachte sich kaputt, so wie sie…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert