Als es noch keine Fernseh-Untertitel gab…

Wie ich junge Gehörlose beneide… (ich bin selber aber auch noch jung ;-)!)

Aber in meiner gehörlosen Kindheit, da gab es noch keine Untertitel und somit keine schöne Fernseh-Abende für mich (und meine Eltern!).

Ich habe meinen Eltern viele Fernseh-Abende vergrault. Ich fragte fast jede Minute: „Was sagt die grad?“, „Was sagte der eben?“ Wegen meinen ständigen Fragen, was da gesprochen wurde, haben meine Eltern selbst praktisch kaum noch etwas von den Sendungen mitbekommen.

Da platzte meinen Eltern eines Tages der Kragen und sie schickten mich in mein Zimmer, mit dem Kommentar, ich wäre mit einem Buch besser bedient als beim Fernsehen. Beim Lesen bekomme ich alles mit, beim Fernsehen nerve ich nur und sie wollen endlich mal in Ruhe einen schönen Film genießen.

Wenn ich zurückblicke, muss ich schmunzeln, denn auch hier war für mich ein Vorteil: Ich las und las…, während andere Fernsehen guckten… In den Büchern kann man auch Gedanken der jeweiligen Figuren lesen, was beim Film unmöglich ist, aus der Mimik kann man nur raten und da ist man sich auch nicht sicher, ob man die Mimik auch richtig gedeutet hat.

Ich schaute mir sehr ungerne Kinder-, Zeichentrick- und Puppenfilme an, da ich bei diesen Sendungen entweder schlampige Mundbilder sah (Kinderfilme), oder überhaupt keine Mundbilder vorhanden waren (Zeichentrick- und Puppenfilme). Ich schaute mir lieber die Filme mit Erwachsenen an.

Als ich dann ca. 16 Jahre alt war, haben meine Eltern sich einen neuen Fernseher mit Videotext gekauft und seitdem konnte ich dann hin und wieder gemeinsam mit ihnen einen schönen Film anschauen (es gibt ja leider nicht viel Auswahl an Filmen mit Untertiteln), ohne mit meiner Fragerei zu nerven 😉

Ähnliche Beiträge

  • Tag der Gehörlosen in Karlsruhe am 23. Sept. 2006 (2) – mit FOTOS!!!

    Hier sind die langersehnten Bilder – viel Spaß beim Betrachten der Fotos 🙂 Ich danke Werner Collet für die schönen Fotos, die er mir zur Verfügung stellte. Ausstellung gehörloser Künstler: Sport am Mittag – Damen-Fußballspiel: Bernhard Seilnacht, 1. Vorsitzender vom Stadt- und Kreisverband der Hörgeschädigten Karlsruhe, eröffnet das Nachmittagsprogramm – daneben die Gebärdensprachdolmetscherin Werner Collet…

  • Besser hören – Hörgeschädigte als Vorbild

    Ich las kürzlich in einer Zeitschrift einen kleinen Artikel über besser hören. Da steht folgendes drin: „Wer im Gespräch den Mundbewegungen seines Gegenübers folgt, versteht ihn auch akustisch besser. Das haben die Wissenschaftler herausgefunden.“ Dann wurde ein prominentes Beispiel am Schauspieler Johannes Heesters aufgezeigt. Er „liest“ zusätzlich die Lippen seiner Frau Simone, um sie besser…

  • Wunderschöner Moment der Gebärdensprache

    Hier habe ich endlich ein wunderschönes Bild einer Gebärdensprachdolmetscherin gefunden: (entnommen aus der Zeitung „Die Rheinpfalz – Nr. 134, Samstag 13.06.2009, Bericht „Mit den Händen sprechen“) Schaut Euch das Gesicht genau an, die offenen Augen, die Ausstrahlung, freundlicher offener Mund, Mimik und dazu die Gebärde… Seht Ihr, dass es dieser Gebärdensprachdolmetscherin Freude macht, mit ihren…

  • Das Verständnis der Gehörlosen (Poesie)

    Unser Verständnis, unser Weltbild, dass unsere Hörbehinderung unsichtbar ist, war fremd für die Leute. Die Hörenden wussten soviel, sie brauchten nichts von uns zu lernen. Und das erlaubte ihnen, uns Hörgeschädigte für unwissend zu halten. Die Gebärdensprache wurde verboten. Das war Absicht: Sie sagten sich, wir müssen diese Hörbehinderte zu Hörenden machen. Vielleicht wollten sie…

  • Gehörlose Schauspielerin gesucht…

    Grad eben bekam ich die neueste Information vom gehörlosen Künstler Manfred Mertz zu seinem Filmprojekt: MM`s Filmprojekt in AKTION MM`s Filmprojekt AKTUELL Schauspielerin gesucht für ein Filmprojekt Wir machen einen Spielfilm von Gehörlosen für Gehörlose, der aber auch unter Hörenden gezeigt werden soll. Für eine Szene mit Hannelore Elsner als Gaststar suchen wir eine gehörlose…

  • Immer mehr Behinderte in Deutschland

    Ich bin vor ca. einer Woche in einer Zeitung auf einen Artikel mit dem obigen Thema gestoßen. In dem Artikel steht, dass es immer mehr Behinderte in Deutschland gibt. Amtlich anerkannt als Behinderte sind 8,6 Millionen Bundesbürger, das heißt also: JEDER 10. Bürger ist behindert! 6,7 Millionen Menschen sind schwer behindert und 1,9 Millionen Bürger…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert