Als es noch keine Fernseh-Untertitel gab…

Wie ich junge Gehörlose beneide… (ich bin selber aber auch noch jung ;-)!)

Aber in meiner gehörlosen Kindheit, da gab es noch keine Untertitel und somit keine schöne Fernseh-Abende für mich (und meine Eltern!).

Ich habe meinen Eltern viele Fernseh-Abende vergrault. Ich fragte fast jede Minute: „Was sagt die grad?“, „Was sagte der eben?“ Wegen meinen ständigen Fragen, was da gesprochen wurde, haben meine Eltern selbst praktisch kaum noch etwas von den Sendungen mitbekommen.

Da platzte meinen Eltern eines Tages der Kragen und sie schickten mich in mein Zimmer, mit dem Kommentar, ich wäre mit einem Buch besser bedient als beim Fernsehen. Beim Lesen bekomme ich alles mit, beim Fernsehen nerve ich nur und sie wollen endlich mal in Ruhe einen schönen Film genießen.

Wenn ich zurückblicke, muss ich schmunzeln, denn auch hier war für mich ein Vorteil: Ich las und las…, während andere Fernsehen guckten… In den Büchern kann man auch Gedanken der jeweiligen Figuren lesen, was beim Film unmöglich ist, aus der Mimik kann man nur raten und da ist man sich auch nicht sicher, ob man die Mimik auch richtig gedeutet hat.

Ich schaute mir sehr ungerne Kinder-, Zeichentrick- und Puppenfilme an, da ich bei diesen Sendungen entweder schlampige Mundbilder sah (Kinderfilme), oder überhaupt keine Mundbilder vorhanden waren (Zeichentrick- und Puppenfilme). Ich schaute mir lieber die Filme mit Erwachsenen an.

Als ich dann ca. 16 Jahre alt war, haben meine Eltern sich einen neuen Fernseher mit Videotext gekauft und seitdem konnte ich dann hin und wieder gemeinsam mit ihnen einen schönen Film anschauen (es gibt ja leider nicht viel Auswahl an Filmen mit Untertiteln), ohne mit meiner Fragerei zu nerven 😉

Ähnliche Beiträge

  • Demo „Hart gegen Barrieren“ am 01. und 02. Okt. 2016

    Demo „Hart gegen Barrieren“ am 01. und 02. Okt. 2016   Heute und morgen findet in Berlin die Demo „Hart gegen Barrieren“ statt. Organisiert wurde diese Demo von „Organisation Deaf Stars“ (u.a. Björn und Arne Blumeier). Es wäre toll, wenn diese Demo dieses Mal mehr Anklang findet in der Presse und die Aufmerksamkeit bekommt, die…

  • Wie heißen die Gehörlosen?

    Bei uns Gehörlosen gibt es ein gravierendes Problem: Namen Wenn wir uns unterhalten, rufen wir uns nicht zu. Stattdessen gehen wir direkt zu der betreffenden Gehörlosen, mit denen wir uns unterhalten wollen. Wir tippen auf die Schulter, um die Aufmerksamkeit auf uns zu lenken. Oder durch Winken, oder durch das Klopfen auf dem Tisch. Oder…

  • Gehörlose Veronika Beilstein durch tragischen Unfall gestorben

    Die Tochter hat mich gebeten, für ihre gehörlose Mutter die Todesanzeige hier zu veröffentlichen, weil ihre gehörlose Mutter so viele Leute kannte, die sie nicht kennt. Alle Gehörlose, die ihre gehörlose Mutter kannten, sind auf ihrer Beerdigung willkommen. Hier die Todesanzeige: ___§____ ___§____Wenn sich der Mutter Augen schließen, ___§____zwei Hände, ruh´n,die einst so viel geschafft,…

  • Mesch? Hörende Eltern verstehen mich nicht

    Hier wieder eine Kindheitserinnerung von mir als gehörloses Kind… Ich beobachtete meine Eltern, was sie sagten, wenn sie sich ärgerten. Sie sagten: „Mesch“ oder „Oh Mesch“. Und als ich mich selbst nun ärgerte, machte ich meinen Eltern nach. Ich sagte auch „Mesch“. Dann jedoch musste ich mich wundern, wieso meine Eltern mich nicht verstanden, obwohl…

  • Inklusion – eine Illusion?

    Inklusion – eine Illusion?   Die ganze Nachrichtenwelt berichtet nur positiv über die Inklusion – zumindest fast. Ich zähle mich hier nicht hinzu – aufgrund meiner eigener familiärer Lebenserfahrung stehe ich hier kritisch gegenüber diesem angepriesenen Modell. Ich bin der Meinung, dass die Gehörlosen-Schulen bzw. Förderschulen weiterhin bestehen sollen. (Quelle: http://www.inklusion-als-menschenrecht.de/) Die Abschaffung bringt den…

  • Wie man mit der Gebärdensprache das Fürchten lehrt

    Wie man mit der Gebärdensprache das Fürchten lehrt   Dass man mit der Gebärdensprache das Fürchten lehren kann, dieses Vergnügen hatte ich bereits als Kind. Ich musste allein in die Umkleidekabine gehen. Da mir die Umkleidekabine ohne meine Mutter so groß vorkam  (und ich war so winzig :-D), kam ich mir dort verloren vor. Um…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert