Compagnie Augenmusik – „Stille Blicke“ für Kinder

Compagnie Augenmusik – „Stille Blicke“ für Kinder

 

Ein interessantes Theater-Projekt wird gestartet: „Stille Blicke“ – und es wird um Unterstützung für dieses Theaterstück gebeten:

„Liebe Freunde und Kollegen der Compagnie Augenmusik,

nun ist es soweit! Am 21. Mai 2017 wird unser zweites Stück für gehörlose und hörende Kinder „stille.blicke“ im Theaterhaus Frankfurt zur Premiere kommen.

Dank dem Kulturamt der Stadt Frankfurt können wir schon einigermaßen die Personalkosten stemmen. Allerdings haben uns alle angefragten Stiftungen abgesagt, so dass uns noch einiges an finanziellen Mitteln fehlt, um ein Theaterstück für große und kleine, gehörlose und hörende Menschen mit unseren Vorstellungen umzusetzen. Um das Theaterstück vor allem zu einem visuellen Erlebnis zu machen, benötigen wir noch Technik. Und genau dafür brauchen wir Eure finanzielle Unterstützung! Mit Eurem Geld können wir ein kleines und sehr feines, komplett barrierefreies Theatererlebnis schaffen, dass gehörlose und hörende Kinder gleichzeitig verzaubern soll.

Auf der Seite „Förderung Theaterstück „Stille Blicke“ für Kinder“ findet Ihr detailliertere Informationen sowie ein kurzes Video zur Erklärung.

Helft uns, ein wundervolles Theaterstück zu zaubern und unterstützt uns mit einem finanziellen Betrag Eurer Wahl! Für Eure Unterstützung erhaltet Ihr Geschenke, die Euch unsere Dankbarkeit zeigen sollen!

Verbreitet außerdem diese Nachricht in Euren Netzwerken, in Euren Familien und Freundeskreisen – je mehr Menschen von uns wissen und uns helfen, umso schöner kann die Produktion werden!

Also: Öffnet Eure Herzen und Eure Portemonnaies und helft uns, Augenmusik zu machen!

DANKESCHÖN!

Daniela Krabbe & Lukas Wegner – Compagnie Augenmusik“

 

Theaterstück
Theaterstück „Stille Blicke“

Das Team Daniela und Lukas freut sich über jede Unterstützung mit ihren persönlichen Worten:

„Wir freuen uns über jede Unterstützung, vor allem aus der gehörlosen Community, da wir ja vor allem die gehörlosen Kinder ansprechen wollen. Wir brauchen Eure Hilfe, um auf die gehörlose Welt & Kultur aufmerksam zu machen & eine Brücke zwischen hörender und gehörloser Welt mithilfe dem Theater zu schaffen – damit alle Kinder, egal ob hörend oder gehörlos, gemeinsam und selbstverständlich Theater in der gleichen Sprache und auf Augenhöhe erleben können!
Herzliche Grüße,
Lukas&Dani“

Da der gehörlose Gebärdensprachpoet und Schauspieler Jürgen Endress hier wieder in der Hauptrolle mitwirkt, ist dies schon eine Garantie dafür, dass das Stück wieder etwas besonderes wird für die Kinder, egal, ob hörgeschädigt oder hörend! Er hat schon viele hörgeschädigte Kinder und Jugendliche inspiriert.

Und gerade für gehörlose Kinder ist das Theater etwas sehr Besonderes, das ist so einprägsam und prägend zugleich. Ich selber kann mich noch sehr gut an die Theaterstücke für Gehörlose in meiner gehörlosen Kindheit erinnern, die mich voll inspiriert und mich auf meinem Lebensweg begleitet haben. Das war ein „Aha-Erlebnis“.

Unterstützt mit und merkt Euch das Datum 21.05.2017 für dieses Theaterstück „Stille.Blicke“ in Frankfurt!

Euer Gehörlosblog-Redaktionsteam

 

Untertitel – wo gibt es 100 % Untertitel?

Untertitel – wo gibt es 100 % Untertitel?

 

In den Büchern, Büchern und nochmals Büchern 🙂

Da gibt es IMMER 100% Untertitel, während man ins Buch eintaucht und der Buchinhalt sich wie ein Film vor inneren Augen abspielt!

In Sachen Untertitel ist das Buch somit immer noch das beste Medium mit 100 % Untertitel.

In meiner Kindheit gab es kein Untertitel im Fernsehen. Da habe ich meine Eltern beim gemeinsamen Fernsehen so richtig genervt mit den Fragen:

„Was hat dieser gesagt?“ „Was hat die gesagt?“ „Was hat jener gesagt?“ Unaufhörlich, alle paar Sekunden… Meine Eltern bekamen so selbst gar nichts mehr mit von den Filmen. Das reichte meiner Mutter und sie sagte: „Judith, geh auf dein Zimmer und lies ein Buch. Davon hast du viel mehr als vom Fernsehen!“ Ich trottete missmutig in mein Zimmer und machte „mimimimi…“ – so in etwa wie in diesem Video:

Meine Mutter hatte Recht. Mit dem Lesen war und bin ich als Gehörlose am besten dran. Ich beziehe die Informationen direkt aus der 1. Hand. Bei den Büchern habe ich die freie Wahl, welches ich lesen möchte. Einen Roman? Ein Sachbuch? Geschichte? Erfahrungsberichte? Dokumentationen? All das und noch viel mehr kann ich bei Büchern frei bestimmen. Und ich habe mehr als eine ganze Wand voller Bücher 😀

Im Gegensatz zum Fernsehen – mittlerweile ist die Untertitelung zwar viel besser geworden, aber da werden soviele Sachen ausgestrahlt, die ich mir nicht reinziehen will. Und gerade die sind mit UT. Die Sendungen, die mich brennend interessieren, sind ohne Untertitel.

Die Spielfilme, die ich mir reinziehe, die hole ich mir immer per DVD – dabei achte ich immer darauf, dass diese Untertitel haben. Damit auch ich entspannt fernsehen kann und gleichzeitig alles verstehe – ohne meine bohrende Fragen wie früher in meiner Kindheit 😉 und lasse mich durch nichts stören, wenn es möglich ist!

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Taubstumm – immer noch im Gedächtnis verankert

„Taubstumm“ – immer noch im Gedächtnis verankert

 

In den Fernsehmedien fällt es auf, dass der Begriff „Taubstumm“ immer noch weiterhin im Gedächtnis unseres Volkes verankert ist. Vielen ist immer noch nicht bewusst, dass der Begriff „taubstumm“ längst überholt ist und faktisch auch oft gar nicht stimmt. Auch macht man sich erst mal gar keine Gedanken darüber.

Man sieht im TV zwar die Gehörlosen mit der Gebärdensprache, aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch gleichzeitig taubstumm sind. Man muss nur genau hinhören und ihre Stimmen entdecken.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Hörende weghören, sobald sie eine Stimme hören, die abseits der Normalität klingt – sei es aus Unsicherheit oder auch gar Bequemlichkeit.

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Trotzdem ist ein gehörloser / tauber Mensch kein Taubstummer, auch wenn die Stimme von der Normalität abweicht. Er kann eben nur die eigene Stimme aufgrund des fehlenden Hörens nicht kontrollieren und nachprüfen. Sobald Ihr einem hörgeschädigten Menschen begegnet, dessen Stimme ihr wahrnehmen könnt, ist er NICHT taubstumm – PUNKT.

Auch wenn die Stimme sehr gewöhnungsbedürftig sein kann, je nachdem, wie geübt der Hörgeschädigte in der Lautsprache ist.

Dass ausgerechnet in der TV-Branche der Begriff „Taubstumm“ immer noch vorherrscht, erkennt man daran, dass die TV-Sender ihren Bildungsauftrag nicht umsetzen 🙁

Schaut mal hier eine Serie „Der Masseur“ aus der lustigen Staffel mit Pastewka:

http://www.myspass.de/myspass/shows/tvshows/pastewka/Der-Masseur–/10054/#commentList_10054

Leider ist diese Serie ohne Untertitel zu sehen (kein Wunder, dass wir Gehörlose in der hörenden Welt oft nicht mitlachen können).

 

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Drei Buben und eine Taube

Drei Buben und eine Taube

Ja, was machen die drei Buben mit einer Taube? Geben sie sich Mühe, damit die Taube verstehen kann, was gesagt wird? Oder gaffen sie die Taube einfach so an? Wie sieht es da mit der Kommunikation aus? Was will die Taube denn eigentlich von den drei Buben? Sich von ihnen bewundern lassen? Ja, warum nicht??

Auf jeden Fall stehen die drei Buben erst mal nur wie baff und sprachlos (vielleicht auch sogar taubstumm?) da, nachdem sich eine Taube bei ihnen eingefunden hat.

Und sie lässt sogar den Taubenschlag und alle anderen (Turtel)Tauben im Stich… Na, was ist denn nur in die hübsche Taube gefahren?

Was meint Ihr dazu? Wie würdet Ihr die Körpersprache dieser Taube auslegen?

Schaut mal das Foto an: „Drei Buben und eine Taube

(Ein herzliches Dankeschön an meinen Schwager für dieses originelle Foto.)

Die taube und hörende Welt verdient bei Gehörlosblog eine Auflockerung der Lachmuskeln bei den sonst ernsten Themen rund um die Gehörlosigkeit / Hörschädigung und noch mehr ernsteren Themen wie Barrierefreiheit und Inklusion.

Also:

Lacht mal wieder! 😀

Und die Tauben gackern vergnüglich mit 😀

Das Leben ist schön und voller (tauben) Wunder.

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P.S.: Über die Tauben wird folgendes geschrieben:

„Im Gegensatz zu den meisten Vögeln saugen Tauben das Wasser auf.“

Haaah, das passt – Taube Menschen saugen selbst gierig Wasser Wissen auf (mit riesigen Pferdenüstern – so wie ich *gg*)

Gehörlose – Gehöre ich zur gehörlosen oder hörenden Welt?

Gehörlose – Gehöre ich zur gehörlosen oder hörenden Welt?

In der Gehörlosenwelt wird man als Gehörlose immer mal wieder gefragt: „Zu welcher Welt gehörst du? In die gehörlose Welt oder in die hörende Welt?“ und damit wird der Gehörlose in eine bestimmte Schublade gesteckt.

Warum dieses Für und Wider? Das ist völlig unnötig, denn: In meiner Welt gibt es MICH.

Um mich herum gibt es „diese kleine Welten“, oder „Kreisen“ , in denen ich mich bewege. Ich bin eine Gehörlose und bewege mich frei in meinen von mir auserwählten Kreisen, egal, ob ich innerhalb dieser Kreise von Leuten akzeptiert werde oder nicht. Ich habe mich für diese Kreise entschieden.

Der beste Weg ist die Akzeptanz und jede Welt ist ein Teil von mir, ein Teil meines Lebens. Ich kenne so manche Gehörlose, die wegen dieser Frage in eine Konflikt-Situation kommen und sich von keiner der Kreisen als angenommen / akzeptiert fühlen sowie sich selbst nicht zugehörig fühlen. Das kann ich nachvollziehen, da ich in meiner Jugend mich damit beschäftigte und haderte. Denn:

Ich wurde von den Schwerhörigen als „Gehörlose“ und von den Gehörlosen als „schwerhörig“ eingestuft. Von einigen Hörgeschädigten wurde ich verdächtigt, dass ich mich als hörgeschädigt ausgebe, in Wirklichkeit aber hörend sei, um bei den Hörgeschädigten Profit rauszuholen – es sei zu augenfällig, wegen meinem sehr guten Deutsch. Bei den Hörenden wurde ich entweder gefragt, ob ich eine Ausländerin sei, oder, warum ich so komisch spreche. Einfach alles mögliche Schubladendenken.

Ich wusste aufgrund dieser lauter Infragestellungen eine Weile nicht, wie ich mich selbst zuordnen sollte.

Bis ich eine Erkenntnis bekam: Moment mal, ich muss mich gar nicht für die gehörlose Welt entscheiden, ich bin in mehreren Welten, sie sind alle ein Teil meines (gehörlosen) Lebens. Sie gehören alle zu mir. Ja, Ihr gehört alle zu mir, ob Gehörlose oder nicht!

Seitdem bin ich einfach nur noch „relaxed“ 😉

Für alle, die die Gehörlosbloggerin kritisieren

Ich bin eine kleine Frau,

habe Naturlocken und bin gerne blond, silberne Härchen sind darin zu finden,

habe zwei stramme Beine, auf denen ich sicher auf der Erde stehe,

einen noch einigermaßen knackigen Popöchen, auf dem ich mich setzen kann,

oder noch schön damit wackeln kann beim Tanzen,

habe zwei kleine Brüste, mit denen ich meine Kinder zuverlässig mit überschäumender Muttermilch versorgen durfte,

habe zwei strahlende, große und offene Augen, mit denen ich meine Welt sehe, betrachte und beobachte, und mit denen ich durch meine besondere Fähigkeit Lippenlesen hin zum 100 % Verstehen kompensieren kann,

habe einen Hirn, den ich tagtäglich mit hoher Leistung beschäftige und mit viel Stoff versorge,

habe volle Lippen und gute Beißerchen, ich lache und lächle warmherzig,

habe zwei kleine Ohren, auf dem einen ich mit Hilfe des Cochlea Implantates hören kann,

habe zwei Hände, mit denen ich meine Sprache unterstreichen, gebärden und fuchteln, streicheln, liebkosen, Dreck wegmachen, schreiben und bei der Arbeit kräftig einsetzen kann.

Ich habe meine zwei starke Arme, mit denen ich die Menschen an mich drücken kann, die mir wertvoll sind.

Ich präsentiere mich gerne immer mal wieder auf Fotos und im Film.

Ich weiß, ich bin keine Schönheit :-), wie dies in den Medien präsentiert wird.

Ich laufe auch schon  mal in Säcken statt in Kleidern herum.

Ich habe meine innere Schönheit und Kraft, die zu den Herzen der Menschen spricht und selbst von den Herzen der Mitmenschen gefunden werde.

Es macht mir Spaß, viele neue Seiten an mir selbst zu entdecken und zum Ausdruck zu bringen.

Und noch einiges mehr macht mich aus.

Und ich bin gehörlos, taub, schwerhörig, cochlea-implantiert und sogar werde ich taubstumm genannt, und, und, wie die Leute mich auch immer bezeichnen…

Ich besitze eine (komische) Stimme, mit der ich sprechen und auch brüllen kann, wenn ich die taube Wut im Bauch habe.

 

Immer wieder muss ich mich durchbeißen, durch Höhen und Tiefen,

immer stehe ich auf und gebe NIEMALS auf!

 

 

An all meine lieben Kritiker:

Noch nie ist ein Kritiker durch seine Kritik berühmt geworden!

Danke für eure Kritik 😀 – Ihr seid toll!

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3 hörbehinderte Mädels und die Lautsprache / Gebärdensprache

Judith, Eva und Anna…

Wer meine persönliche Vorstellung in diesem Blog durchliest, weiß, dass ich noch zwei hörbehinderte Schwestern habe.

Meine Schwestern heißen Eva und Anna. Ich selbst bin die Älteste von 4 Geschwistern (ich habe einen hörenden Bruder). Meine Schwester Eva ist 1 1/2 Jahre jünger als ich. Meine jüngste Schwester Anna ist 14 Jahre jünger als ich.

Die Genberatung steht bei uns vor einem Rätsel, warum nur wir drei Mädchen von der ganzen Verwandtschaft als gehörlos geboren wurden.

Meine Schwester Eva hat noch eine zusätzliche Behinderung zu ihrer Hörbehinderung, das Franceschetti-Syndrom. Warum ich dies erwähne, darauf komme ich noch zurück.

Meine Mutter hatte bezüglich der Lautsprach-Erziehung bei mir Erfolg, weil ich den Ehrgeiz hatte (und immer noch habe), die Sprache zu lernen und zu beherrschen. Ich begann bereits mit 2 1/2 Jahren lesen und schreiben, was für mich von großem Vorteil war, um so den direkten Draht zur deutschen Sprache zu finden. Dadurch konnte ich auch viel besser von den Lippen ablesen. Alles, was Buchstaben hatte, reizte mich sehr und ich las sehr viel. Durch diese jahrelange Übung bin ich inzwischen eine sehr schnelle Leserin – ich tue geradezu die Bücher „verschlingen“ 😉

Als meine Schwester Eva auf die Welt kam, auch gehörlos, bekam sie auch ihre Frühförderung in der Lautsprache. Jedoch hatte sie kaum Lernwillen bzw. tat sich sehr schwer damit, sie fand nur sehr schwer den Weg zur Lautsprache. Auch aufgrund ihrer zusätzlichen Behinderung, sie konnte die Worte nicht formen. So habe ich dann mit Eva zusammen unsere eigene Gebärdensprache „gemacht“, so dass wir uns mittels Gebärdensprache unterhalten und verstehen konnten. Meine Mutter kam sich bei Eva als Versagerin vor, weil sie nie ganz zu Eva hindurchdringen konnte, was die Lautsprache betraf. Dass es noch andere Gehörlose gab, davon wusste ich nicht.

Ich war mir damals als Kind schon sehr bewusst, dass Eva und ich anders waren als die hörenden Menschen um uns herum. Ich kann mich heute immer noch an die Gedanken, die ich mit 3 Jahren hatte, erinnern.

Erst mit 4 Jahren (was damals zu meiner Zeit üblich war) ging ich in den Kindergarten für Hörsprachbehinderte in Frankenthal. Dort kam ich das erste Mal mit anderen gehörlosen Kindern in Berührung und kam nicht mehr aus dem Staunen heraus, dass es soviele andere gehörlose Kinder gab, die auch nicht hören konnten wie Eva und ich. Dort kam ich auch das erste Mal mit der Gebärdensprache anderer gehörlosen Kinder in Kontakt, welche sich sehr von der Gebärdensprache von Eva und mir unterschied.

Ich übernahm vieles von dieser „Kindergarten“-Gebärdensprache (es wurde im Kindergarten nicht die Gebärdensprache gelehrt, sondern die Lautsprache, aber wir Kinder unterhielten uns unter uns trotzdem in Gebärdensprache, weil es einfach schneller und leichter ging in der Kommunikation). Ich brachte davon vieles meiner Schwester Eva bei. Dennoch blieb unsere eigentliche Gebärdensprache weiterhin bestehen, die sich von der Gebärdensprache anderer Kinder unterschied. Bis heute.

Mittels unserer eigener Gebärdensprache vermittelte ich oft zwischen meiner Mutter und Eva, weil meine Mutter Eva manchmal überhaupt nicht verstand und umgekehrt ebenso.

Dann kam mein hörender Bruder auf die Welt (9 Jahre nach mir) – das ist wiederum eine eigene Geschichte für sich, ich weiß noch nicht, ob ich darüber berichten soll? Ich frage da meinen Bruder, ob er damit einverstanden ist…

Zuletzt kam meine Schwester Anna auf die Welt, von ihr brauche ich nicht viel zu berichten, da sie vom Ehrgeiz und Lernwillen her mir ähnelt. Sie hatte noch viel mehr Vorteile als ich, dank der Erfahrung meiner Mutter bei mir sowohl auch Eva. Als Anna noch keine Hörgeräte hatte als Baby, hat meine Mutter ihr von Anfang an in die Ohren direkt reingesprochen, so dass sie sehr früh mit Stimmen in Kontakt kam und dadurch schnell das Hörverständnis erwerben konnte. Als Anna ca. halbes Jahr war, bekam sie ihre Hörgeräte und konnte auf diese Weise ihr bereits erworbenes Hörverständnis weiter entwickeln und kam in den hörenden Kindergarten. Dann später in die hörende Grundschule und anschließend aufs Gymnasium. Freilich hatte Anna auch ihre Probleme auf den hörenden Schulen, da sitzen wir alle Hörbehinderte eigentlich im gleichen Boot. Derzeit studiert sie Hörgeschädigten-Pädagogik, um Lehrerin für gehörlose/schwerhörige Kinder zu werden, mit Fachrichtung Musik. Sie spielt Klavier und gibt auch Klavierunterricht und das als Hörbehinderte und mit Hörgerät. Sie macht das echt hervorragend.

Für viele mag die Musik ein Widerspruch bei hörbehinderten Kindern zu sein, aber die Musik ist erst recht ganz besonders wichtig für die hörbehinderten Kinder, um ihr Gespür und Gefühl auch besser entwickeln zu lassen. Das ist wiederum ein ganz eigenes Thema für sich, worüber ich ganz sicher auch schreiben werde, zusammen mit Anna. Mal sehen…

Zusammengefasst möchte ich damit sagen, dass es bei den Hörbehinderten/Hörgeschädigten nicht ohne Gebärdensprache gehen kann (zum Beispiel meine Schwester Eva und ich selbst ebenso). Jedoch ist es sehr wichtig, dass die Hörbehinderten viel LESEN sollen, um den direkten Draht zur Sprache zu bekommen und zu behalten, was die Gebärdensprache nicht ersetzen kann. Auf diese Weise eignen sich die Hörbehinderten auch die Unabhängigkeit bzw. Selbstständigkeit in der Kommunikation mit anderen Mitmenschen an.

Hörschädigung: zwischen Ohren nicht gewaschen?

Über diesen Satz musste ich so lachen – da ist einer von vielen Vorurteilen der Hörenden gegenüber den Nicht-Hörenden bzw. Hörgeschädigten! Es gab  jedoch auch Paroli (also Gegenüberstellungen bzw. Hinweise, dass man so nicht über Gehörschädigte/Behinderte reden darf).

Ich habe diesen Satz bei den Kommentaren für eine Vorstellung des Text-Makro für ein Onlinespiel gefunden:

http://www.onlinewelten.com/games/rift/specials/1×1-rift-makros-7771/

Die Leute, die über Hörbehinderte spotten und der Meinung sind, die Textchats während des Online-Spiels seien überflüssig – diese haben selbst in der eigenen grauen Masse zwischen den Ohren nichts gewaschen.

Ungefragt aus der Welt der Hörenden gestupst …

… oder die wachsende Scham bei auftretender Schwerhörigkeit.

Hierzu bin ich auf einen schönen Erfahrungsbericht der Ärztin Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner gestoßen, die richtig anschaulich beschreibt, wie es ihr erging, als sich die Schwerhörigkeit in ihr Leben eingeschlichen hat. Ebenso auch, wie sie sich schämte, weil sie immer mehr etwas nicht mitbekommen hat und sich das vor Mitmenschen nicht eingestehen wollte.

Dann beschreibt sie ihren Rückzug von ihrer Umgebung, weil es sehr anstrengend wurde, sich ständig durchzuflunkern, dass sie verstanden hätte. Viele Missverständnisse waren an der Tagesordnung und schreckte sie immer mehr vom Zusammenkommen mit Mitmenschen ab! Und wie sich ihre Rückkehr zum Hören mit Hilfe der Hörgeräte als nicht einfach rausstellte.

Das können sich die Hörenden wirklich nicht vorstellen. Viele meinen immer noch: Hört man, versteht man alles automatisch. Nein – das ist ein Lernprozeß!

Hier gehts zum Erfahrungsbericht (hier klicken)

Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner mit Hörgeräten

So wie dieser Ärztin ergeht es vielen, vielen Menschen, die sich ihre schleichende Schwerhörigkeit gar nicht eingestehen wollen und sich immer mehr von ihren Freunden und auch von ihrer Familie zurückziehen.

Derzeit soll es angeblich 15 Mio. Hörgeschädigte in Deutschland geben, aber nur ca. 1,5 Mio davon Hörgeräte tragen.

Die Dunkelziffer der Menschen, die ihr schlechtes Gehör gar nicht zugeben wollen – aus Stolz, aus Scham, oder was auch immer, ist SEHR HOCH!!!

Und damit führt es auch zum Vorurteil: „nicht hören = dumm“ – Das bekommen wir Hörgeschädigte immer wieder in der hörenden Welt zu spüren, weil die Informationen an uns vorbei gehen, ohne dass wir sie mitbekommen.

Den Regisseur hinterher schieben – März ist Darm-Monat

So steht es  😀  im ersten deutschen Werbespot mit Untertitelung von Felix-Burda-Stiftung –

Ich hatte hier meinen Spaß daran, zusammen mit Judit Nothdurft von www.deafservice.de das Untertitel-Skript vorzubereiten für diese Kampagne mit der Darm-Vorsorge.

Inzwischen wurde dieses dank der Pressemitteilung von meiner Namensvetterin im Internet gut bekannt gemacht, so dass weitere Kreise gezogen wurden und auch nun sogar in der Gehörlosen-Welt bei  www.gebaerdenwelt.at reingefunden hat.

Siehe hier das Video:

[youtube EhYJspbHGt0]

Sobald der Film zum Laufen gebracht wird, erscheint unter dem Film der Button „CC“ (das steht für Untertitel bzw. auf englisch “ Caption Capture“), dort drauf klicken, dann ist die Untertitel zu sehen!

Die Pressemitteilung kann hier nachgelesen werden:

http://www.fair-news.de/news/…