Hommage an meine verständnisvolle Tante Helga Schmid

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Meine Tante Helga war eine der wenigen Hörenden, die sich richtig darum kümmerten, dass die Gehörlosen auch vom Gespräch mitbekamen. Sie ist vor einigen Jahren ganz plötzlich verstorben.

Immer, wenn sie bei uns war und wir saßen zusammen, sagte sie zu anderen Hörenden: „Ich spreche deutlich für Judith, damit sie mich auch verstehen kann und ihr anderen versteht mich auch so oder so.“

Hinzu kam noch ihr Naturell, „lebendig“ zu sprechen. Das heißt, sie gebrauchte auch ihre Hände und Mimik beim Reden, um ihren Worten Leben zu geben.

Sie hegte überhaupt kein Schamgefühl wie so viele andere Hörende, langsam und deutlich vor anderen zu sprechen, damit die anwesenden Gehörlosen auch sie verstehen konnten.

Nicht nur mir und meinen gehörlosen Schwestern gegenüber hat sie sich so prima verhalten.

Wenn meine gehörlosen Freunde bei mir waren, verhielt sie sich genauso gegenüber ihnen. Meine gehörlose Freunde waren sehr begeistert von ihr, dass sie so deutlich und lebhaft mit ihnen sprach. Ihre Mimik war immer schön anzusehen.

Als meine Tante Helga zu mir sagte, sie wünschte sich, ich wäre ihre Tochter – da war ich richtig erstaunt darüber. Dass sie das zu einem gehörlosen Mädchen sagt, ungeachtet der Behinderung!

Nach dem Tod meiner Tante begegnete ich auf einer Veranstaltung einer gehörlosen Frau, die mich aufgrund einer Ähnlichkeit als Nichte von Helga erkannte. Auch sie berichtete mir, wie gut Helga immer zu ihr war und dafür sorgte, dass sie alles mitbekommen konnte, was um sie herum gesprochen wurde.

Ich wünsche mir, es gäbe mehr hörende Menschen, die so sind wie meine Tante Helga. Offen und lebendig, mit Leben reden. Ohne Schamgefühl langsam und deutlich zu sprechen, wenn Gehörlose dabei sind. Die Hände und Mimik mit einzubeziehen, mit Schönheitsgefühl der Sprache.

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2 Comments

  1. Avatar E. MEYER 9. Januar 2009
  2. Avatar Laura Milde 25. September 2009

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