Eine gehörlose Klogeschichte

Meine Jugend-Erinnerung:

Ich saß auf dem Klo, in aller Ruhe, einfach himmlisch…

Plötzlich stürmte mein kleiner hörender Bruder ins Bad, mitsamt seinem hörenden Freund. Ich zischte zu meinem Bruder: „Raus! Verschwinde!“ Er grinste und lief wieder aus dem Bad hinaus.

Sein Freund jedoch, der blieb im Bad auf der Stelle stehen. Er starrte mich an. Da ich ja auf dem Klo saß, war mir das peinlich. Ich sagte zu diesem kleinen Bub: „Siehst du nicht, dass ich auf dem Klo sitze…? Geh bitte aus dem Bad raus.“

Er blieb jedoch weiterhin stehen und starrte mich weiter an, mit offenem Mund. Ich wiederholte mich: „Geh bitte aus dem Bad raus!“ Er starrte mich weiterhin an.

Weil ich so nicht vom Klo wegkommen konnte, schrie ich dann nach meinem Bruder, er soll seinen Freund aus dem Bad holen. Mein Bruder kam nicht… Ich wurde ungeduldig. Anschließend rief ich nach meiner Mutter, sie soll den Kleinen aus dem Bad holen. Während dieser mich die ganze Zeit anstarrte…

Als meine Mutter dann endlich kam, begriff sie die Situation, in der ich steckte. Sie begriff jedoch auch sofort, warum der Kleine mich so anstarrte.

Als ich mein Klogeschäft endlich 😀 in Ruhe erledigen konnte, fragte ich meine Mutter danach, wieso dieser Kleine mich so anstarrte.

Daraufhin erklärte sie mir, dass der Kleine meine Stimme noch nie hörte. Weil ich keine normale, sondern eine „gehörlose“ Stimme habe, starrte er mich deshalb an, weil er es nicht gewohnt war und es immer wieder hören musste… So, so 🙁 😉 😀 Ausgerechnet da, als ich auf dem Klo saß…

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