Hommage an meine hörende Mutter – Fototagebuch

Im vorigen Bericht „Hommage an meine hörende Mutter – Lippenlesen“ ging es um das Lippenlesen…Jetzt zeige ich, wie meine Mutter mir die Sprache vermittelte sowie meinen Wortschatz vergrößerte. Tag für Tag.Sie machte sehr viele Fotos von mir und klebte sie in die Fotoalben ein. Es waren jedoch keine normale Fotoalben, sondern eher Foto-Tagebücher, in denen ich eine Hauptrolle spielte. Alles, was ich in meiner Kindheit machte (und etwas anstellte *zwinker*), beschrieb meine Mutter im Foto-Tagebuch und ließ mich diese immer lesen/vorlesen.Auch die Wörter für meine Emotionen (wie z.B. Freude, Weinen, Lachen, Schimpfen, Zorn) kamen in die Foto-Tagebücher. Die Foto-Tagebücher waren für mich sehr wertvoll, da ich dadurch spielerisch zur Sprache kam.

Auf diese Weise bekam ich die Sprache sowie die Grammatik über meine wissbegierige Augen vermittelt.

Hier ein Beispiel-Ausschnitt aus einem meiner Foto-Tagebücher:


Manchmal war das sehr nervenaufreibend, nicht nur für mich, auch für meine Mutter. Nicht an allen Tagen ging es gut. Kurz gesagt: Es gab gute und schlechte Tage. Das Durchhaltevermögen war ganz wichtig… Jeden Tag immer lernen…
Täglich immer etwas lernen, ist sowieso die beste Methode, ob man dazu Lust hat oder nicht!

Ich kann mich nur wiederholen: Das Lesen ist für Hörgeschädigte sehr wichtig. Je früher, desto besser. Beim Lesen kommt man direkt zur Schriftsprache und Grammatik. Man kriegt beim Lesen direkte Informationen und vergrößert dabei zugleich seinen Wortschatz.

Mit dieser Methode (Foto-Tagebücher) verbessert sich auch die Kommunikation zwischen dem hörgeschädigten Kind und hörenden Eltern. Die visuelle Aufnahme ist für Hörgeschädigte nun mal sehr wichtig.

Vielleicht hilft dieser Bericht den hörenden Eltern mit einem hörgeschädigten Kind. Ich hoffe das sehr.

Ähnliche Beiträge

  • „Der kleine Prinz“ und seine taubblinde Mutter

    In der Zeitschrift „ELTERN“ (Ausgabe 9/2008) bin ich auf eine sehr interessante Reportage gestoßen: „Der kleine Prinz“ – darin geht es um seine Mutter Dr. Stephania Sabel, die mehrfach gehandicapt ist: – rollstuhlbehindert – gehörlos – sehbehindert Dazu noch das Besondere: Sie ist eine Prinzessin und zugleich die zukünftige Regentin eines afrikanischen Volkes. Von Beruf…

  • Gehörlose können nicht sprechen

    GehörlosenGehörlose können nicht sprechen (Update: 07.11.2018 – Dieser Artikel wurde erstmals am 01.01.2012 veröffentlicht) Diesen Satz muss ich mir ab und zu mal von den Hörenden gefallen lassen. Und wisst Ihr was: Die Hörenden haben mit ihrer eigenen Wahrnehmungsweise damit sogar Recht. Wenn sie mit ihren Ohren eine Stimme hören, die für sie sich eher…

  • Als es noch keine Fernseh-Untertitel gab…

    Wie ich junge Gehörlose beneide… (ich bin selber aber auch noch jung ;-)!) Aber in meiner gehörlosen Kindheit, da gab es noch keine Untertitel und somit keine schöne Fernseh-Abende für mich (und meine Eltern!). Ich habe meinen Eltern viele Fernseh-Abende vergrault. Ich fragte fast jede Minute: „Was sagt die grad?“, „Was sagte der eben?“ Wegen…

  • Weihnachten 2018

    Weihnachten 2018 Ich habe einen schönen Film gefunden, der die Weihnachtsgeschichte so schön erzählt. Mit Sand und richtiger Beleuchtung (Sandpainting). Das möchte ich Euch mitgeben:   Ich wünsche Dir und Deinen liebsten Menschen harmonisches und friedvolles Weihnachten! Seid froh miteinander 🙂 Die Gehörlosblog-Redaktion Judith Harter  

  • Blitzlichtwecker für Gehörlose ruft Schock hervor

    Früher – in meiner Jugendzeit -, da hatte ich einen Blitzlichtwecker, der mich aus meinem tiefen Schlaf rausholen sollte. Ich habe diesen Blitzlichtwecker sehr gehasst, jeden Morgen war ich blind durch die starke Blendung der Blitze – echt knallhart! Und jeden Morgen träumte ich, ich werde von dutzenden Leuten fotografiert und muss viele Blitze über…

  • Mimik und Gestik bei Mensch und Tier

    Ich bin auf eine lustige Galerie mit sehr passenden Kommentaren gestoßen. Darin geht es um den TV-Autor und Produzent Dirk Steffens, er interessiert sich sehr für fremde Länder und exotische Tiere. Seine Mimik im Vergleich zu der Mimik der Tiere ist fast genau übereinstimmend 🙂 Hier der Link zu seiner Galerie (bei VOX) – sehenswert!

Ein Kommentar

  1. Die beschriebene Didaktik ist eine knappe und wertvolle Darstellung.
    Ich kann die Gedanken ind Ideen von Judith Göller gut und zustimmend nachvollziehen.

    Erich Meyer
    (hörend)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert