Ungefragt aus der Welt der Hörenden gestupst …

… oder die wachsende Scham bei auftretender Schwerhörigkeit.

Hierzu bin ich auf einen schönen Erfahrungsbericht der Ärztin Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner gestoßen, die richtig anschaulich beschreibt, wie es ihr erging, als sich die Schwerhörigkeit in ihr Leben eingeschlichen hat. Ebenso auch, wie sie sich schämte, weil sie immer mehr etwas nicht mitbekommen hat und sich das vor Mitmenschen nicht eingestehen wollte.

Dann beschreibt sie ihren Rückzug von ihrer Umgebung, weil es sehr anstrengend wurde, sich ständig durchzuflunkern, dass sie verstanden hätte. Viele Missverständnisse waren an der Tagesordnung und schreckte sie immer mehr vom Zusammenkommen mit Mitmenschen ab! Und wie sich ihre Rückkehr zum Hören mit Hilfe der Hörgeräte als nicht einfach rausstellte.

Das können sich die Hörenden wirklich nicht vorstellen. Viele meinen immer noch: Hört man, versteht man alles automatisch. Nein – das ist ein Lernprozeß!

Hier gehts zum Erfahrungsbericht (hier klicken)

Dr. Ulla Schultens-Kaltheuner mit Hörgeräten

So wie dieser Ärztin ergeht es vielen, vielen Menschen, die sich ihre schleichende Schwerhörigkeit gar nicht eingestehen wollen und sich immer mehr von ihren Freunden und auch von ihrer Familie zurückziehen.

Derzeit soll es angeblich 15 Mio. Hörgeschädigte in Deutschland geben, aber nur ca. 1,5 Mio davon Hörgeräte tragen.

Die Dunkelziffer der Menschen, die ihr schlechtes Gehör gar nicht zugeben wollen – aus Stolz, aus Scham, oder was auch immer, ist SEHR HOCH!!!

Und damit führt es auch zum Vorurteil: „nicht hören = dumm“ – Das bekommen wir Hörgeschädigte immer wieder in der hörenden Welt zu spüren, weil die Informationen an uns vorbei gehen, ohne dass wir sie mitbekommen.

Ähnliche Beiträge

  • Deafmedia – Geschichte lebendig machen

    Deafmedia – Geschichte lebendig machen   Ich beobachtete schon länger den Youtube-Kanal von Deafmedia und das, was ich bis jetzt vorgefunden habe, gefällt mir. Denn die Deafmedia produziert richtig lebendige Videos, egal, ob Gebärdensprachpoesie, Geschichte, Bildung, Reportagen, virtuelles Reisetagebuch, Porträts, und vieles mehr. Gebündelt mit einem Schuss Humor sowie Satire. Ich habe meine Freude am…

  • Meine taubstumme Zeit…

    Ja, da staunt Ihr schön, was? Ich trug selbst dazu was bei, dass die Hörenden mich als taubstumm nannten… Doch nun der Reihe nach. Als Kind ging ich mit meiner Nachbarsfreundin in die Turnstunde vom Turnsportverein Speyer (TSV Speyer). Ich war da so ca. 5 bis 6 Jahre alt. Gegenüber anderen hörenden Kindern war ich…

  • Stillstand in meinem Blog und doch kein Stillstand

    Hallo, meine liebe gehoerlosblog-LeserInnen, in letzter Zeit erweckte ich bei Euch bestimmt den Eindruck, hier würde nun still stehen. Es stand hier auch eine Weile still, und im Hintergrund arbeitete mein Hirn gaaanz fleißig. Es geht um das Problem Untertitelung – immer wieder stieß ich bei meinen Überlegungen auf das verdammte Geldproblem. Spenden und Stiftungen…

  • Barrierefreiheit nur die Eisbergspitze?

    Barrierefreiheit nur die Eisbergspitze?   Was finden wir aber eher bei sechs Siebtel Eisberg unter Wasser vor? Macht, Korruption, Regierungslügen, Habgier, Gewalt, Kaltblütigkeit, Waffen-Aufrüstung, Terror, Glanz & Glorie von Einzelpersonen auf Kosten vieler Menschen, Egoismus, Heuchler, Unterdrückung, Diskriminierung, „Ich-will-mehr-Krankheit“, ständige Kritik,… und vieles mehr. Die Menschen machen über das Regierungssystem den Versuch, Güte zu verordnen…

  • Lebensfreude zum Tag der Gehörlosen 2016

    Lebensfreude zum Tag der Gehörlosen 2016   Als ich diesen Bericht „Au d‘ Händ schwätzed Schwäbisch“ (Stuttgarter-Nachrichten.de) las und das dazugehörige Video sah, breitete sich in meinem Gesicht ein Lachen aus. Die Lebensfreude sprang auf mich über. Das Video ist so gut gemacht, dass Mutter und Tochter Edith und Patricia Wahl, beide gehörlos, so gut…

  • Gehörlosblog im Hamburger Abendblatt

    Ich erlebte dank dem lieben Gehörlosblog-Stammleser Erich Meyer eine schöne Überraschung. Er hat einen Leserbrief an die Zeitung „Hamburger Abendblatt“ geschrieben. Die Redaktion hat den Leserbrief abgedruckt in der Zeitung. Ich war davon ahnungslos, bis ich von Erich Meyer einen Brief bekam, mit dem Zeitungsausschnitt. Hier ist es: (aus dem Hamburger Abendblatt am Sonnabend/Sonntag, 6./7….

2 Kommentare

  1. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Selbstzeugnisse
    am eindringlichsten sind.

    ERICH MEYER (hörend)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert