Taube Nuss von Alexander Görsdorf – Buchempfehlung

Taube Nuss – Buchbesprechung

 

Vor mir liegt das Buch „Taube Nuss – Nichtgehörtes aus dem Leben eines Schwerhörigen“ vom schwerhörigen Autor Aleander Görsdorf. Mir fiel das Blog Not quite like Beethoven von Alexander Görsdorf schon im Jahr 2009 auf und seitdem besuche ich immer mal wieder sein Blog.

Taube Nuss von Alexander Görsdorf

Sein Buch begeisterte mich mit einer persönlichen Widmung für mich: „Von bloggender Taube Nuss zu bloggender tauber Nuss“.

Darüber muss ich sehr schmunzeln. Mit dem Begriff „Tauber Nuss“ hat er ins Schwarze getroffen, denn gerade wir Hörgeschädigte können uns selbst auf die Schippe nehmen, wenn es um einen solchen Spruch geht. Ein Hörender würde es wohl eher als beleidigend empfinden.

Meine Buchbesprechung unterscheidet sich durchaus von denen der Hörenden. Das liegt daran, weil ich eine Schicksalsgenossin von ihm bin.

Als ich das Buch „Taube Nuss“ mit voller Spannung erwartete, ahnte ich noch nicht, dass ich es noch am gleichen Abend komplett verschlang und etwas traurig war, als das Buch sein Ende hatte.

Das Buch rief in mir verschiedene Stimmungen hervor, lächeln, zustimmen, auflachen. Einige Male blieb das Lachen sogar in meinem Hals stecken, als ich die hilflose, einsame und deprimierte Stimmung zwischen den Zeilen herauslas, weil ich sie aus eigener Erfahrung viel zu gut kenne. Die Hörgeschädigte nachempfinden können und von der die Hörenden etwas erahnen können, aber oft nicht richtig nachvollziehen können.

Es ist dem Alexander in seinem Buch sehr gut gelungen, als ein Mensch mit schwindendem Gehör seinen abstrakten Alltag zu beschreiben, typisch für Hörgeschädigte. Das fängt schon gleich beim Aufwachen an, und zwar mit einem speziellen Wecker (den gleichen habe ich 😉 ). Dann die kommunikativen Barrieren, mit denen ein Hörgeschädigter tagsüber zu kämpfen hat, in so gut wie in allen Bereichen, vom Aufwachen über Sex bis hin zu verschiedenen Strategien für die Kommunikation. In so gut wie jeder von ihm beschriebener Szene erkenne ich mich. Die gleichen Schwierigkeiten, mehr oder weniger, die auch mir begegnen. Und anschließend seine Erfahrungen mit dem Cochlea Implantat und wie es damit wieder aufwärts ging.

Wie froh war ich, als er schrieb, dass er bei seiner Arbeit von seinem Chef so beschrieben wurde, dass er sich wie ein Chef verhalten würde. Weil er  sozusagen den Faden der Kommunikation in seine Hände holte und behalten wollte. Um die Kommunikation selbst steuern zu können, damit er alles, aber auch alles verstehen und mitbekommen kann. Auch mir passierte es, dass ein Kollege sich darüber beschwerte, ich würde mich ihm gegenüber wie eine Chefin verhalten, obwohl ich nicht das Sagen hätte, sondern sein Chef. Ich fühlte mich in dieser Sache ebenso nicht verstanden von  meinen Kollegen. Es ist wirklich eine Barriere in der Kommunikation, die keiner der Hörenden sieht und wahrnimmt.

Ich verrate die genauen Details aus dem Buch „Taube Nuss“ nicht 🙂 Es ist ein wunderschönes Buch, das gelesen werden möchte, von allen Menschen, ob hörend oder hörgeschädigt oder wer auch immer:

„Taube Nuss“ ist sehr unterhaltsam und zugleich spielerisch aufklärend. Es macht für Hörende richtig Spaß, auf diese Weise herauszufinden, warum wir Hörgeschädigte so ticken. Und mir als gehörlose CI-Trägerin gefällt es, weil er die Szenen mit der Komminaktionsproblematik so gut beschreibt und das Geheimnis der Hörgeschädigten preisgibt (siehe „Hörgeschädigte und ihr Geheimnis“).

Eine herrlich erfrischende Abwechslung zur Fachliteratur über hörbehinderte Menschen:

Taube Nuss – Nichtgehörtes aus dem Leben eines Schwerhörigen
Alexander Görsdorf
Verlag: rowohlt polaris
ISBN: 978 3 499 61600 6

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Einkaufstipps für Schwerhörige

Englischer Originaltext: Gael Hannan http://hearinghealthmatters.org/betterhearingconsumer/2013/tips-for-the-hard-of-hearing-shopper/

Deutsche Übersetzung: Birgit Meyer

Einkaufstipps für Schwerhörige

 

Ich bin kein Mathematiker, aber diese einfache Gleichung habe ich schon vor langer Zeit gelernt:

Shoppen + Hörschädigung = eine Herausforderung an die Kommunikation

Ich gehe gerne einkaufen, aber ich mag nicht viel Zeit damit verbringen. Online Shopping ist eine fast barrierefreie Alternative, aber ich ziehe die altmodische Art vor, bei der ich anschauen kann, anfassen und riechen, was ich vielleicht kaufen möchte.

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Für mich beinhaltet eine zufriedenstellende Einkaufstour neben angemessenen Preisen und einem guten Service gute Raumakustik, die Möglichkeit, den Verkäufern ins Gesicht blicken zu können und idealerweise einen entscheidenden Vorsprung im Wissen um das, was er oder sie sagen wird.

Ich habe jedoch festgestellt, dass ich in der Regel mit der einen oder anderen Kommunikationsbarriere rechnen muss, wenn ich mich auf dem Weg in die Läden mache. Diesen Kommunikationsbarrieren begegne ich mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.

Hintergrund Lärm in Schicki-Micki Läden:

Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich nur daran denke, was dieser ständige Lärm während der Arbeitszeit dem Hören des Verkaufspersonals antut. Ich habe eine Möglichkeit, die sie nicht haben. Ich kann den Laden verlassen, wenn es mir zu laut ist. Wenn es so laut ist, dass ich der Verkäuferin nur von den Lippen ablesen kann, wenn sie sagt, Hi ich bin Cindy, was kann ich für sie tun?, bin ich sofort raus. Wer braucht schon solchen Ärger, ganz davon abgesehen von dem Verlust weiterer Dezibels?

Der fehlende Mund:

Gestern habe ich neue Passbilder machen lassen. Während ich stocksteif dastand und auf den Auslöser wartete, sagte der Fotograf etwas hinter der Kamera. Ich brachte ihn dazu, mir seine Lippen zu zeigen und das Gesagte zu wiederholen. Bitte nicht lächeln. Okay, okay. Stelle ich mich also wieder in Position, diesmal mit ernsterem Gesichtsausdruck und wieder sagt er was. Wie sich rausstellte, war es nur Okay, jetzt ist es richtig, aber wie hätte ich das wissen sollen? Ich glaube, er hat mir mehr berechnet, weil es doppelt solange gedauert hat, wie normalerweise – und als krönender Abschluss war das Passbild wirklich lausig. Für die nächsten 5 Jahre wird meinen Ausweis das Bild eines unterernährter und sehr traurig dreinblickenden Zombis zieren.

An der Kasse im Supermarkt:

Die heutigen computergesteuerten Kassen machen es leicht für Hörgeschädigte, den erforderliche Betrag zu verstehen. Und sollte es zu einer kleinen Plauderei kommen, haben wir das alles schon häufiger erlebt und wissen, worum es dabei geht, auch wenn wir nicht wirklich verstanden haben, was gesagt wird. (Dies ist eine alltägliche Kommunikationsstrategie, keine großartige aber eben eine alltägliche.) Hier ist ein Beispiel einer typischen Plauderei an der Kasse, üblicherweise ohne Blickkontakt, da das Personal damit beschäftigt ist, die Einkäufe weiter zu schieben. Die gute Nachricht, keiner erwartet, dass man antwortet.

Haben Sie alles bekommen, was Sie gesucht haben? (Bisschen spät für die Frage, finde ich)

Wie wollen Sie heute bezahlen( zeigt auf die Kasse)?

Brauchen Sie Tüten? (Ich wohne in Ontario/Kanada; wenn man keine eigene dabei hat, muss man für jede Tüte 5 cent bezahlen.)

Vielen herzlichen Dank, (Mist, das ist eine unangenehme Wendung. Was hat sie jetzt  gesagt?)

Wenn der Verkäufer Dich ansieht ohne was zu sagen, kannst Du davon ausgehen, dass er was gefragt hat und auf Deine Antwort wartet. Bitte? ist in dem Fall immer eine gute Option.

 

Klamotten anprobieren. Was man tun und nicht tun sollte:

 Klamotten kaufen macht Spaß… manchmal. Hier sind ein paar Tipps für Hörgeräte- und CI-Träger:

– Das Verkaufspersonal interessiert sich ausschließlich für Deine möglichen

  Einkäufe. Wenn es an die Tür deiner Umkleidekabine klopft und Du dann

  unverständliches Gebabbel hörst, kannst Du zuversichtlich davon ausgehen, dass

  gefragt wurde, Wie läuft es da drinnen? Du kannst also antworten, alles in Ordnung,

  ich brauche keine Hilfe, oder Ich brauche eine kleinere Größe bitte.  Wenn Du dann

  etwas hörst, was sich wie Awrmprsh anhört, hast Du Probleme. Es könnte alles sein

  von:

  Kleinere Größe? Machen Sie Witze? bis hin zu: Einen Moment, ich bin gleich

  wieder da.

Jetzt ist es besser, die Tür einen Spalt zu öffnen für eine Unterhaltung von

Angesicht zu Angesicht.

 

– Vergiss alles, was einen engen Halsausschnitt hat. Diese wurden entworfen für

Leute die hören oder einen stecknadelgroßen Kopf haben, nicht für Hörgeräte- und

CI Träger. Ganz davon abgesehen, dass man Gefahr läuft sich zu

enthaupten wenn man sich aus dem winzigen Loch befreien will, die Chance ist

zudem groß, dass der Magnet des CI sich löst oder das Hörgerät auf dem Boden

landet. (Meine peinlichste Erfahrung die ich damit gemacht habe, war ausgerechnet

auf der Bühne bei einem Theaterstück. Ich zog mein Sweatshirt über den Kopf und

es verhedderte sich mit meinem BTW Hörgerät. Das Publikum sah schweigend zu,

wie ich darum kämpfte, mich aus diesem grässlichen Dilemma zu befreien. Als ich

es endlich geschafft hatte, war das Ohrpassstück zwar noch an Ort und Stelle, das

Hörgerät selbst jedoch baumelte gut sichtbar an meiner Wange herunter wie eine

riesige Hummel. Meine Würde war am Boden und meine Schauspielkollegin

schaffte es vor Lachen kaum, ihren Text verständlich raus zu bringen.

Ich kriege immer  noch die Krise, wenn ich nur dran denke.)

 

– Beim Schuhe kaufen ist es meist so, dass beide, Kunde und Verkäufer auf die

Schuhe schauen und auch in Richtung der Schuhe reden. Das funktioniert einfach

nicht für hörgeschädigte Menschen. Wobei es viele gibt, die auch in solchen

Situationen weiter bluffen und anschließend Blasen und Schwielen an den Füßen

haben.

Also besteht bitte auf Verkaufsgesprächen von Angesicht zu Angesicht und ihr

könnt sicher sein, dass die Schuhe dann auch passen.

 

Das Feilschen um Preise in Bazaren im Ausland gehört nicht zu meinen naturgegebenen Talenten. Es fällt mir ohnehin schwer, Menschen mit Akzent zu verstehen und ehrlich gesagt, fühle ich mich in solchen Situationen etwas idiotisch, so als würde ich mit einer versteckten Kamera aufgenommen.

Auf einer Kreuzfahrt mit einer Freundin, als ich 20 Jahre alt war, machten wir einen Zwischenstopp auf den Fidschi Inseln. Uns war gesagt worden, dass die fidschianischen Händler erwarten, dass man um den Preis handelt. Wir fanden wirklich hübsche Baströcke. Meine Schwerhörigkeit als Entschuldigung vorschiebend, überließ ich das Handeln meiner Freundin. Und beobachtete das nachfolgende Gefeilsche, bei dem beide ausgiebigen Gebrauch von ausholenden Hand- und Armbewegungen machten. Der Händler warf den Kopf in den Nacken und lachte, als meine Freundin weg ging, die Arme hoch in der Luft mit der internationalen Gebärde für: Okay Freundchen, Du hast gerade einen Verkauf vermasselt.

Was war passiert? Er hat gesagt, er handelt nicht bei Baströcken für 50 cent.

Ich nehme an, das hätte ich trotz Schwerhörigkeit besser hingekriegt. Ich bin immer noch nicht gut im Feilschen und ich bin vermutlich langsamer bei der Abwicklung meiner Käufe als hörende Menschen. Aber wie viele hörgeschädigte Menschen bin ich ein sehr guter Bluffer und das nutze ich aus, um nicht wenige Geschäfte in meinem Sinne zu beeinflussen.

Und der beste Einkaufstipp des Tages: Steh zu Deiner Schwerhörigkeit und verlange eine klare und deutliche Kommunikation. Das mag die Preise nicht drücken, aber es hilft, das zu bekommen, wofür man bezahlt!

 

Ich danke meiner Teamkollegin Birgit Meyer (schwerhörig, Cochlea-Implantat-Trägerin)

Birgit Meyer, sh, CI-Trägerin Birgit Meyer, sh, CI-Trägerin

für die Übersetzung des Originaltextes von der schwerhörigen Bloggerin Gael Hannan (siehe ihr Blog: http://hearinghealthmatters.org/haveyouheard/)

Gael Hannan, sh

und die Kooperation mit den beiden Power-Frauen. Einen ganz herzlichen Dank beiden! :-D

 

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Hörgeschädigte und ihr Geheimnis

Hörgeschädigte und ihr Geheimnis

Es ist das Geheimnis der Hörgeschädigten, hinter dem die Hörenden nie kommen (können) und wenn doch, dann nur gerade mal ansatzweise. Ich werde auch nur einen Teil davon verraten können 😉

Hörgeschädigte sind zum sehr großen Teil hochintelligent und beim Anblick der Hörenden frustriert, wenn sie sehen, dass Hörende sich nichts aus ihrer Gabe mit dem Hören machen, ja sogar respektlos damit umgehen, als sei dies so selbstverständlich.

Hörgeschädigte haben – gleich welcher Hörschädigung – faktisch gleiche Kommunikationsprobleme in der hörenden Welt:

– Sie hören nicht und werden für dumm gehalten.

– Sie sprechen nicht gut oder komisch und werden für dumm gehalten.

– Sie können nie bei Diskussionen mitmachen und sind ausgeschlossen.

– Sie sehen Mitleid in den Augen der Hörenden und es nervt sie.

– Hörgeschädigte nutzen die Gebärdensprache – für so manche Hörende eine „Affensprache“

– Sie werden nicht verstanden, wenn sie sich lieber mit nur einem Hörenden treffen wollen, statt mit der Gruppe zu treffen.

– Wenn sie in der Gruppe sind, werden sie nicht verstanden, wenn sie die Gruppe früher verlassen und sich zurückziehen.

– Schwerhörige und Ertaubte reden viel bei den Hörenden, um ihnen nicht viel zuhören zu müssen, weil es sie sehr anstrengt.

– Haben hörende Menschen schlechtes Mundbild und geben sich sichtbar keine Mühe, schalten sich Hörgeschädigte innerlich ab.

– Wie händeringend Hörgeschädigte nach Informationen verlangen, bemerken die Hörenden nicht und sagen: „Ach, nicht so wichtig“ oder „Sage ich dir später“ *grrrrrrrr*“

Treffen sich Hörgeschädigte unter sich, reden sie darüber, wie schwer es manchmal bei Hörenden ist und dass sie durch die Eigenarten der Hörschädigung nicht verstanden werden, sehen sie sich mit wissenden Augen an und wissen sofort Bescheid:

– Hörende haben keine Ahnung über Hörgeschädigte.

– Hörende sind blind und stellen dumme Fragen: Dürfen Hörgeschädigte überhaupt Auto fahren/Rad fahren?

– Hörende hören nicht richtig zu und haben keine Geduld in der Kommunikation.

– Hörende sind manchmal so hilflos und haben Angst vor Hörgeschädigten bzw. vor der Kommunikation mit ihnen.

– Hörende können selbst nicht gut sprechen, ihre Mundbilder lassen zu wünschen übrig.

Hörgeschädigte und ihr Geheimnis: Großes Fragezeichen

Das Geheimnis aller Hörgeschädigten: Inmitten der Menschenmenge so einsam zu sein – verbunden mit Frust aufgrund der entgehenden Informationen, die einfach nicht bei den Hörgeschädigten ankommen. Der Kopf ist leer, das Fragezeichen groß im Hirn. Keine Arbeit im Hirn, um irgendwelche für sich wichtige Informationen ausfiltern zu können, wie es bei Hörenden üblich ist.

Ertaubte Menschen erkennen diese „Falle“ im Kommunikations- und Informationsbereich und kommen oft eine Zeit lang damit nicht klar und wundern sich über Hörgeschädigte, wie diese die Kommunikations- und Informationsdefizit-Frust aushalten können – sie ziehen sich komplett zurück, und wenn sie sich dann doch mit Menschen treffen, dann sind sie laut und reden viel, damit sie nur nicht in die Verlegenheit kommen, anderen zuzuhören, weil es sie so sehr anstrengt und mit vielen (teilweise auch für sich selbst peinliche) Rückfragen und Ausreden (z.B. „Ach, ich war mit Gedanken woanders“) gekoppelt ist.

Wer möchte gerne diese Liste weiterführen und das Geheimnis genauer verraten? 😉

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Barrierefreiheit in den Medien für Gehörlose

Barrierefreiheit in den Medien für Gehörlose

Das hier ist die Ergänzung zum aktuellen Blogbeitrag von Julia Probst in Sachen Barrierefreiheit – http://meinaugenschmaus.blogspot.com/2012/01/ein-lob-die-bundesregierungl#comment-form.

Der alte Beitrag unten stammt aus 2008 und es ist dadurch sehr sichtbar, wie viel noch angepackt werden muss, um die Barrrierefreiheit für Gehörlose anzustreben.

Die Barrierefreiheit ist trotz der einzelenen Erfolge in der Gesellschaft / Politik noch immer in den Startlöchern seit dem Erscheinen des Buch eLogBuch_Accessibility von 2008.

Step by Step die einzelnen wichtigen Punkte für die Barrierefreiheit umsetzen!

Und wie Julia Probst zu Recht noch anprangert (und ich sowieso weiterhin), ist, dass die Gebärdensprachvideos immer noch zum großen Teil ohne Untertitel präsentiert werden.

Und überhaupt: Es sollten ALLE Videos untertitelt werden und das möglichst 1 zu 1!

Wir Hörgeschädigte erleben auch immer wieder so eine Art Bevormundung – besser gesagt: Barrieren -, das heißt, uns wird keine Wahl ermöglicht, welche Videos wir anschauen. So mancher sagt mir, ach, das ist nicht so wichtig zu wissen. Ihr glaubt gar nicht, wie sehr mich das manchmal so aufregt! Denn das will ich SELBST entscheiden, welche Informationen ich mir reinziehen will. Dabei ist es mir egal, ob es für denjenigen banal ist oder nicht. Auf der Welt gibt es alles und wir Hörgeschädigte wollen eben auch unsere Informationen selbst auswählen können und dürfen!

Deshalb ersehnen wir uns diese Barrierefreiheit so sehr!

Gäbe es die Barrierefreiheit in allen Videos, dann wäre es ein Segen für ALLE Menschen, ob mit oder ohne Handicap. Denn die Sprache wäre jedem zukömmlich, ob eigene Sprache, oder Fremdsprache!

(Foto: Logbuch Accessibility mit Abbildung meines Blogbeitrages über die Barrierefreiheit)

Hier gehts zu meinem alten – und trotzdem nach wie vor aktuellen Bericht in Anbetracht der heutigen Situation in Sachen Barrierefreiheit – Bericht vom 29. März 2008:

Ich war ganz erfreulich überrascht, als ich eine Einladung zur öffentlichen Buchausgabe am 27. März 2008 nach Wien bekam. Weil mein Bericht, mit dem ich an dieser Blogparade für Barrierefreiheit teilnahm, auch in diesem Buch aufgenommen wurde.

Doch leider konnte ich nicht hinfahren, weil ich derzeit in meiner Firma Urlaubssperre habe. Hochsaison im Büro (wegen dem Jahresabschluss; sehr lange im Büro bleiben bis 19.00 Uhr, und abends meine Kinder versorgen, Haushalt sauber halten, kaputt ins Bett plumpsen)… Ich wäre so gerne nach Wien gefahren, da diese Veranstaltung mich brennend interessierte, seufzzz…

Aber nun gehts hier weiter, also, dieses Buch wurde inzwischen ausgegeben und ist auch als PDF-Datei herunterzuladen (auf diesen Banner klicken!):

(http://www.mainweb.at/wp-content/uploads/2008/03/eLogBuch_Accessibility.pdf)

Mein Barrierefreiheit – Bericht ist in diesem (B)logbuch auf Seiten 98/99 vorzufinden.

Ebenso ist mein Link www.gehoerlosblog.de als Empfehlung auf Seite 156 (Blogroll) anzugeben.

Wobei ich hier noch gerne dazu erwähnen möchte, dass ich die Bloggerei schon lange entdeckt habe 😉 und hier im gehoerlosblog unter anderem Einblick in das Leben einer gehörlosen Frau gewähre, um bei den Hörenden besseres Verständnis zu erreichen. Denn wir Hörbehinderten fühlen ja doch vieles anders als die Hörenden…

Mit großem Dank an die Brigitta Aubrecht und Beate Firlinger (MAIN_Medienarbeit Integrativ) dafür, dass sie meinen Blogbeitrag zur Barrierefreiheit mit ins eLogbuch Accessibility aufgenommen haben.

Das war mein Beitrag von 2007 / 2008 zum nach wie vor aktuellen Thema Barrierefreiheit / Accessibility.

Herzlichst

Judith Göller

Online-Umfrage für Theater-Aufführungen für Hörgeschädigte

Mareike Soßdorf schreibt an ihrer Masterarbeit und untersucht Theateraufführungen für Hörgeschädigte.

Dazu hat sie eine Umfrage erstellt, um das aktuelle kulturelle Angebot in Deutschland zu erfassen. Sie möchte einen Vergleich mit England aufstellen.

Am Ende der Umfrage gibt es als Dankeschön für die Teilnahme einen Gutschein von verschiedenen Anbietern, die ihr euch aussuchen könnt.

Ich bin sehr gespannt darauf, wie der Vergleich zu England aussieht.

Teilnehmen kann man hier an der Umfrage:

http://www.q-set.de/q-set.php?sCode=GHEUSGRBRCQU

Gebt diese Info bitte weiter!

Je mehr Umfrage-Teilnehmer es sind, umso besser kann dieser Vergleich helfen, die kulturelle Situation für Hörgeschädigte zu verbessern!

Hörschädigung: zwischen Ohren nicht gewaschen?

Über diesen Satz musste ich so lachen – da ist einer von vielen Vorurteilen der Hörenden gegenüber den Nicht-Hörenden bzw. Hörgeschädigten! Es gab  jedoch auch Paroli (also Gegenüberstellungen bzw. Hinweise, dass man so nicht über Gehörschädigte/Behinderte reden darf).

Ich habe diesen Satz bei den Kommentaren für eine Vorstellung des Text-Makro für ein Onlinespiel gefunden:

http://www.onlinewelten.com/games/rift/specials/1×1-rift-makros-7771/

Die Leute, die über Hörbehinderte spotten und der Meinung sind, die Textchats während des Online-Spiels seien überflüssig – diese haben selbst in der eigenen grauen Masse zwischen den Ohren nichts gewaschen.

Das Verständnis der Gehörlosen (Poesie)

Unser Verständnis, unser Weltbild, dass unsere Hörbehinderung unsichtbar ist, war fremd für die Leute.

Die Hörenden wussten soviel, sie brauchten nichts von uns zu lernen.

Und das erlaubte ihnen, uns Hörgeschädigte für unwissend zu halten.

Die Gebärdensprache wurde verboten.

Das war Absicht:

Sie sagten sich, wir müssen diese Hörbehinderte zu Hörenden machen.

Vielleicht wollten sie damit auf ihre Weise sagen:

„Unsere Lebensweise ist gut, und ihr sollt sie auch haben.“

Aber:

Es war keine Liebe, was diese Dinge bewirkte.

Es ist einfach so:

„Nimmt man einem die geistige Freiheit weg, versiegt die Quelle, von der die Seele gespeist wird!“

© Judith Göller

Brille – intellektuell, Hörgerät – dumm

Vor nicht allzulanger Zeit diskutierte ich mit meiner Schwester Anna und ihrer Freundin über die Diskriminierung der Hörgeschädigten. Das eigentliche Thema will ich noch vorbehalten, bis dieses ein glückliches Ende nimmt, dann werde ich darüber berichten – vorausgesetzt, Anna erlaubt es mir -.

Aber ein Nebenthema will ich nicht zurückhalten. Ich sagte, wenn jemand eine Brille aufhat, gilt als intellektuell – wer aber ein Hörgerät anhat, gilt als dumm. Daraufhin sagte die Freundin, da ich Brillen- und Hörgeräte (bzw. CI-)Trägerin bin, gleicht sich das bei mir wohl aus, dass es gleich null ist – also ich bin weder intellektuell noch dumm.

Klasse, was? Im Ernst ist dies doch ein Vorurteil, das sich in den Köpfen der Hörenden eingenistet hat.

Die Tatsache ist, dass Hörgeschädigte aufgrund des schlechten Hörens praktisch zurück geworfen werden, wenn es um Empfang der Informationen geht. Nur weil sie diese Informationen nicht mehr empfangen können, heißt es noch lange nicht, dass sie deshalb dumm und geistig zurück geblieben sind oder so in der Art. Die Hörgeräte sind Zeichen der Behinderung und werden deshalb oft aus Scham und Optik versteckt. Die Brillen hingegen werden gerne als Accessoire zur Schau getragen.

Als bestes Beispiel kann ich hier wieder auf Christopher Buhr zurückgreifen. Er wurde im Rahmen der LKW-Firma MAN für das Concept S bei der Arbeit gefilmt. Er hatte bei der Arbeit seine Hörgeräte an. Im Flyer für die IAA-Nutzfahrzeuge in Hannover wurden seine Hörgeräte im Foto glatt wegretuschiert! Schaut mal im PDF im Bericht über Christopher Buhr rein!

Daran erkennt man, die Hörgeräte sind optisch für Hörende nicht ansehnlich!

Dies ist sehr gut beschrieben worden im „Deutschlandradio Kultur“-Artikel – gleichzeitig zusammen mit einem super Angebot an alle hörende Menschen, die ihr Gehör erst mal lieber im Internet, per Telefon oder sogar per App für iPhones prüfen lassen wollen. Viele wollen sich oftmals auch ihre Hör-Verschlechterung gar nicht eingestehen. Die Dunkelziffer ist hier ziemlich hoch!

Hier gehts zum Hörtest-Angebot für Hörende:

Hörtest per Telefon

Hörtest online

Hörtest als App für iPhone

Quelle:  http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/ewelten/1293443/

Wollen Schwerhörige in der Nacht überhaupt hören?

Diese (lustige) Frage hat der Phonak-Firmengründer Andy Rihs auf Kosten seiner eigenen Firma in den Raum geworfen, als ein Phonak-Experte ein neues Hörgerät vorstellte, das 24 Stunden am Tag tief im Gehörgang sitzt und Schwerhörige dadurch plötzlich auch in der Nacht wieder hören können. Sein Originalzitat: «Die Frage ist jetzt, ob die das überhaupt wollen.»

Wollt Ihr, liebe Hörgeschädigte, in der Nacht hören beim Schlafen?

Ich sicher nicht – ich bin ja CI-Trägerin, aber in der Nacht genieße ich wirklich diese Stille – da kann eine Bombe einschlagen, ich würde nichts merken, so tief und fest schlafe ich dank der Stille durch meine Hörschädigung!

Und Ihr? Ich freu mich hier auf Antworten!

Quellennachweis:

(Rechts ist der Phonak-Firmengründer Andy Rihs bei der Einweihung des neuen Phonak-Gebäudes )

http://www.tagesanzeiger.ch/zuerich/rechtes-ufer/Magistrales-Lob-fuer-Staefner-Hoergeraetefabrik-/story/11953549