Perspektivenwechsel beim Mailänder-Kongress von 1880 (Satire)

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Perspektivenwechsel beim Mailänder-Kongress von 1880 (SATIRE)

(Update: 10.11.2018 – Dieser Artikel wurde erstmals am 15.01.2011 veröffentlicht)

Ich mache hier mal einen Perspektivenwechsel für die Auswirkungen durch das Verbot der Gebärdensprache beim Mailänder-Kongress von 1880.

Kartoffelverbot führte zum Kartoffel essen

Sicher erinnert sich so mancher unter euch an den Kartoffel-Verbot? Da wurden Kartoffeln angepflanzt. Die armen Leute kannten dieses Gemüse gar nicht und vermieden dieses Gemüse daher. So soll der König Friedrich II. auf einem Kartoffelfeld Soldaten aufstellen zur Bewachung mit List, als ob die Kartoffeln verboten seien. Mit diesem „Verbot“ sollen die Bauern dann die Kartoffeln annehmen für den eigenen Anbau.

Gehörlos und hochintelligent

Verbot reizt

So kam es, wie es kommen musste:

Der Verbot reizte die armen Leute und sie stahlen Kartoffeln, um sich damit ernähren zu können. Die Soldaten wurden beauftragt, die Leute NICHT vom Stehlen abzuhalten, indem sie sich schlafend stellten. Seitdem fand die Kartoffel einen festen Platz auf dem Speiseplan der Menschen in Europa.

Ob es wirklich so war, wissen wir nicht. Es wird nur mutmaßt, wie es im Wikipedia steht.

Nun meine Frage bzw. Perspektivenwechsel: Wurde diese List beim Mailänder Kongress von 1880 auch angewandt? *zwinker*

Verbot der Gebärdensprache führte zu mehr Gebärdensprache

Der Verbot der Gebärdensprache hat eh nie gefruchtet und da der Verbot die Menschen eher reizte, dies erst recht zu tun – wurde die Gebärdensprache sowieso erst recht verbreitet – zusammen mit dem offenen Geheimnis, dass diese verboten sei.

Ich persönlich habe sehr lange nicht von diesem Mailänder-Kongress von 1880 gehört und ich hatte auch nie das Gefühl, dass die Gebärdensprache verboten sei.

Als ich mit 4 Jahren das erste Mal – abgesehen von meiner gehörlosen jüngeren Schwester – zum ersten Mal mit anderen gehörlosen Kindern im Kindergarten für Hör- und Sprachbehinderte in Frankenthal zusammen kam, wurde da auch untereinander gebärdet. Wir übten viel sprechen, aber ich kann mich gar nicht erinnern, dass uns die Gebärdensprache für die Kommunikation untereinander deshalb verboten wurde.

Dann kam meine Schulzeit – auch da kann ich mich gar nicht an das Wort „Verbot für die Gebärdensprache“ erinnern. Das kam erst viel später, da war ich bereits 14 oder 15 Jahre alt. Es gab für mich somit keinen Reiz, erst recht die Gebärdensprache zu beherrschen – ich war / bin in zwei Welten zuhause, bei den Hörenden und bei den Hörgeschädigten. Ich spreche sehr gerne die Lautsprache und die Gebärdensprache beherrsche ich bei den Hörgeschädigten, wenn leider bei beidem nicht so perfekt, aber ich werde verstanden 😀 Ich benutze immer beide Sprachen.

Seit ich den Gehörlosblog betreibe, erfuhr ich immer wieder die Aufregung über das Urteil des Verbotes für die Gebärdensprache, die beim Mailänder-Kongress von 1880 aufgestellt wurde.  Dank dieses Verbotes wurde die Gebärdensprache lange Zeit nicht anerkannt – worüber sich viele heute immer noch aufregen.,

Stärkere Verbreitung der Gebärdensprache

Aber ist es nicht so, dass wir diesem Verbot eigentlich dankbar sein sollten, weil DADURCH die Gebärdensprache stärker verbreitet wurde – schon allein aus dem Grund, dass der Verbot die Menschen schon immer reizt? Die Menschen können wirklich so leicht überlistet werden mit den Verboten.

Ist es vielleicht auch so, dass viel zu viel Wert auf dieses Urteil durch das Mailänder-Kongress gelegt wird?  Weil dieses immer noch in vielen Köpfen kursiert, statt nach vorne zu schauen und an besserer Publikation bzw. Öffentlichkeitsarbeit für Hörgeschädigte zu arbeiten?

Wenn ich mir die Gehörlosen-Historie anschaue und mich nicht täusche, so hatten die Gehörlosen vor dem 2. Weltkrieg ihre Blüte-Zeit und waren sehr gut aufgestellt. Da ist nichts vom Gebärdensprache-Verbot zu sehen. Diese Gehörlosen ließen sich nicht von der Gebärdensprache abbringen.  Oder irre ich mich?

Es ist jetzt das Jahr 2018 und wir haben durch das Internet so viele Chancen, die wir wahrnehmen und nutzen (können). Viel mehr als im Jahr 1880. Wir sind meiner Meinung nach noch viel besser aufgestellt!

Wie seht Ihr das?

 

Die Gehörlosblog-Redaktion

Judith Harter

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9 Comments

  1. Avatar jgoeller 16. Januar 2011
  2. Avatar Enno 16. Januar 2011
  3. Avatar ERICH MEYER 16. Januar 2011
  4. Avatar Alpphius 16. Januar 2011
  5. Avatar jgoeller 16. Januar 2011
  6. Avatar Alpphius 17. Januar 2011
  7. Avatar Alphius 19. Januar 2011
  8. Avatar Tobias Heinrich 19. Januar 2011
  9. Avatar Erich Meyer 25. Februar 2011

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