Schweden – was hat das mit gehörlos zu tun?

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Schweden – was hat das mit gehörlos zu tun?

Sehr viel! Ich war als junges Mädchen so hellblond, dass die „Straßenkinder“, mit denen ich früher durch die Altstadt streifte (und auch so viel anstellte – ich war ein richtiger Wildfang),  mich immer mal wieder fragten:

„Bist du aus Schweden?“

Mir saß der Schalk hinter den Ohren und ich fragte, warum sie das wissen wollen – sie sagten, naja, meine Stimme klingt anders als ihre.

Schweden-Mädchen ist es nicht, es ist nur gehörlosSchweden-Mädchen“ (Judith Göller am Kletterpfahl an der Spitze gegen Sommerhimmel zu sehen)

Da ich mir schon als Kind meiner Andersartigkeit voll bewusst war und wie lähmend das Wort „taub“ auf andere wirkte, so dass die Kommunikation durch die Unsicherheit total heruntergeschraubt wurde – log ich, bis sich die Balken bogen:

„Ja, ich komme aus Schweden – ich muss noch Deutsch lernen, ihr helft mir bitte dabei, ja?“

Wie rücksichtsvoll sie daraufhin mit mir waren! Sie brachten mir bei, wie man bestimmte Wörter richtig aussprach. Das war so traumhaft! Und wir spielten glücklich miteinander, wenn wir uns auf den Straßen in der Altstadt trafen. Meine Taubheit wurde von ihnen nicht bemerkt. Ich war mit meinen Augen so flink 🙂 Meine gehörlose Stimme wurde als Schweden-Akzent ausgelegt und ich wurde anderen Kindern als Schweden-Mädchen vorgestellt.

Ich wurde immer mal wieder als Ausländerin „abgestempelt“ (als Baby schon! Ich mutete arabisch an – aber das ist eine andere Geschichte und hat nichts mit meiner Gehörlosigkeit zu tun) – mal vermuteten sie bei mir die Holländerin, auch sogar Französin oder Italienerin, als ich älter wurde und meine Haare sich verdunkelten (weil ich den Buchstaben „H“ nicht aussprach).

Am meisten jedoch wurde ich als Schweden-Mädchen genannt.

Hin und wieder griff ich auch auf die Notlüge zu, dass ich an der Stimme krank sei und daher nicht so deutlich sprechen kann – immer mit dem Schalk in den Augen und der großen Unlust, über meine Gehörlosigkeit und die wichtigsten Aspekte herunterleiern zu müssen wie z.B. deutlicher sprechen, von den Lippen lesen und direkter Blickkontakt.

Aber im Ernst: Ich bin nur teilweise deutsch und gehörlos :-), natürlich mit dem gehörlosen Akzent in der Stimme – ah, und blond bin ich einfach gern, also helfe ich nach.

Euer Schweden-Mädchen *zwinker*

PS.: Hier „leiere“ ich aber ständig die wichtigen Aspekte der Gehörlosigkeit und deren Auswirkungen herunter und mir macht’s auch Spaß.

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3 Comments

  1. Avatar Verena Künne 2. Januar 2012
  2. Avatar Maren 2. Januar 2012
  3. Avatar jgoeller 2. Januar 2012

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