Hommage an meine hörende Mutter – Fototagebuch

Im vorigen Bericht „Hommage an meine hörende Mutter – Lippenlesen“ ging es um das Lippenlesen…Jetzt zeige ich, wie meine Mutter mir die Sprache vermittelte sowie meinen Wortschatz vergrößerte. Tag für Tag.Sie machte sehr viele Fotos von mir und klebte sie in die Fotoalben ein. Es waren jedoch keine normale Fotoalben, sondern eher Foto-Tagebücher, in denen ich eine Hauptrolle spielte. Alles, was ich in meiner Kindheit machte (und etwas anstellte *zwinker*), beschrieb meine Mutter im Foto-Tagebuch und ließ mich diese immer lesen/vorlesen.Auch die Wörter für meine Emotionen (wie z.B. Freude, Weinen, Lachen, Schimpfen, Zorn) kamen in die Foto-Tagebücher. Die Foto-Tagebücher waren für mich sehr wertvoll, da ich dadurch spielerisch zur Sprache kam.

Auf diese Weise bekam ich die Sprache sowie die Grammatik über meine wissbegierige Augen vermittelt.

Hier ein Beispiel-Ausschnitt aus einem meiner Foto-Tagebücher:


Manchmal war das sehr nervenaufreibend, nicht nur für mich, auch für meine Mutter. Nicht an allen Tagen ging es gut. Kurz gesagt: Es gab gute und schlechte Tage. Das Durchhaltevermögen war ganz wichtig… Jeden Tag immer lernen…
Täglich immer etwas lernen, ist sowieso die beste Methode, ob man dazu Lust hat oder nicht!

Ich kann mich nur wiederholen: Das Lesen ist für Hörgeschädigte sehr wichtig. Je früher, desto besser. Beim Lesen kommt man direkt zur Schriftsprache und Grammatik. Man kriegt beim Lesen direkte Informationen und vergrößert dabei zugleich seinen Wortschatz.

Mit dieser Methode (Foto-Tagebücher) verbessert sich auch die Kommunikation zwischen dem hörgeschädigten Kind und hörenden Eltern. Die visuelle Aufnahme ist für Hörgeschädigte nun mal sehr wichtig.

Vielleicht hilft dieser Bericht den hörenden Eltern mit einem hörgeschädigten Kind. Ich hoffe das sehr.

Ähnliche Beiträge

  • Gehörlos, schwerhörig oder hörend?

    Gehörlos, schwerhörig oder hörend?   Ich hatte eine längere Zeit ein persönliches Problem – und zwar: In welche Welt gehöre ich? Gehörlos, schwerhörig oder hörend? Man beschreibt mich in diesen drei Kategorien. So sage ich immer: Ich bin gehörlos, spreche wie eine Schwerhörige und denke / schreibe wie eine Hörende.  Als ich in der Schule…

  • Pantomime JOMI und sein JOMI-Film

    Pantomime JOMI und sein Film-Trailer Der Film-Trailer aus dem https://www.jomi-film.com lässt sich schon vielversprechend ansehen: JOMI – lautlos, aber nicht sprachlos: JOMI – lautlos, aber nicht sprachlos (Trailer) from Sebastian Voltmer on Vimeo. Das ist eine Dokumentation über den Künstler Josef Michael Kreutzer („JOMI“). Er erkrankte als Kind an Meningitis und wurde dadurch gehörlos. Statt…

  • Worauf beruht die deutsche Gebärdensprache?

    Meine liebe Leser und Leserinnen, was ich schon immer wissen wollte, ist: Worauf beruht die deutsche Gebärdensprache? Was ist die Grundlage dafür? Bis jetzt wurde ich bei meinen Recherchen nicht fündig, was die Grundlage betrifft. Vielleicht kann mir hier jemand weiter helfen in Sachen deutscher Gebärdensprache? Ich bin sehr dankbar für jeden Hinweis! Bitte schreibt…

  • Gehörloser Schwimmer mit CI bei Deafswimworld.com

    Auf dem Blog www.deafswimworld.com finden wir einen sehr interessanten Bericht / Video über einen gehörlosen Schwimmer aus den U.S.A., der auch ein CI-Träger ist. Seine Mannschaft erlernte extra für ihn die Gebärdensprache, damit er sich in seinem Schwimmteam wohl fühlt. Das ist wirklich super. Hier sieht man auch deutlich, dass die CI-Träger TROTZ des Cochlea…

  • Verantwortliche für Untertitel rausgeschmissen

    Verantwortliche für Untertitel rausgeschmissen   Stellt euch das mal vor:  Verantwortliche für Untertitel wurden rausgeschmissen – und dann wurden auch noch die Verantwortlichen, die die Verantwortlichen für Untertitel rausgeschmissen haben, selber rausgeschmissen! Seht selbst, das wurde gestern Abend im Filmabspann eingeblendet:     Dann kam gleich hinterher diese zweite Einblendung mit der nächsten Entschuldigung:  …

  • Wollen Schwerhörige in der Nacht überhaupt hören?

    Diese (lustige) Frage hat der Phonak-Firmengründer Andy Rihs auf Kosten seiner eigenen Firma in den Raum geworfen, als ein Phonak-Experte ein neues Hörgerät vorstellte, das 24 Stunden am Tag tief im Gehörgang sitzt und Schwerhörige dadurch plötzlich auch in der Nacht wieder hören können. Sein Originalzitat: «Die Frage ist jetzt, ob die das überhaupt wollen.»…

Ein Kommentar

  1. Die beschriebene Didaktik ist eine knappe und wertvolle Darstellung.
    Ich kann die Gedanken ind Ideen von Judith Göller gut und zustimmend nachvollziehen.

    Erich Meyer
    (hörend)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert