Umfrage Gehörlosblog

Frage zu einer tauben Frau: Kann Ihr Mann sprechen?

Kann Ihr Mann sprechen?

Diese Frage bekam ich von einer Bekannten gestellt, als ich im Jahr 2014 geheiratet habe.

Im ersten Moment war ich ziemlich perplex über diese gestellte Frage und fragte zurück: „Äh, mein Mann und nicht sprechen? Wie meinst Du das?“ Sie wurde unsicher und fragte vorsichtig wieder, ob er trotz der Taubheit sprechen könne wie ich.

Oh, die Arme (hörend), sie ist mit dieser Frage eindeutig ins Fettnäpfchen getreten 🙂  Ich antwortete ihr: „Natürlich kann mein Mann sprechen, er ist hörend.“ Dann fragte sie auch (noch), ob meine Kinder sprechen können. Ich entgegnete ihr, dass meine Kinder ebenso hörend sind. Ich bin die einzige Taube in meiner eigenen Familie und wir sprechen alle miteinander. Die Augen meiner Bekannten wurden grooooß…

machste-augen-waFotoquelle: http://www.bizipic.de

Ich hätte ihr eher antworten sollen: „Natürlich kann mein Mann Englisch, Deutsch, russisch, italienisch, lateinisch, französisch und ach ja, auch arabisch und chinesisch…“ 😀 😀 😀

An dieser Frage merke ich, wie viel Schubladendenken (falls man überhaupt von Denken sprechen kann) es noch in unserer Gesellschaft gibt. Ist man taub, heißt das noch lange nicht, dass man auch immer einen hörgeschädigten Partner hat.

Ich kenne neben mir viele Hörgeschädigte, die einen hörenden Partner haben.

Es ist scheinbar nicht selbstverständlich, dass Hörgeschädigte hörende Partner haben. Was ist Eure Meinung?

 

Eure Gehörlosbloggerin

Judith Harter

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4 Kommentare

  1. Es wird generell angenommen, dass ein behinderter Mensch auch einen behinderten Partner hat. Immer mit dem Hintergedanken, dass jemand ‚Normales‘ ja niemand ‚Beschädigtes‘ will. Es gibt einige gute Blogposts zu dem Thema, mit den schlimmsten Reaktionen von unwissenden Menschen.

    Laura Gelhaar hat zum Beispiel darüber geschrieben https://fraugehlhaar.wordpress.com/2015/01/17/komplimente-zu-silvester/ und auch Anastasia Umrik http://anastasia-umrik.de/falls-du-mal-bock-auf-normale-maedels-hast/

  2. Guten Tag – Frau HARTER –

    ich war eine ganz lange Zeit nicht im Gehörlosblog.
    Zu dem Beitrag „Kann Ihr Mann sprechen habe ich gelesen. Ja, solche Situationen gibt es,
    Als ich Baby war (lange her), fragte eine Dame meine Mutter, ob ich sehen könne, denn mein Vater war blind. Und solche Dinge gibt es tatsächlich noch heute (Siehe Ihren Beitrag).
    Alles Gute noch für Sie – und noch einen Glückwunsch zu Ihrer Eheschließung.

    ERICH MEYER
    (Hamburg)

  3. Ich trage eine Brille – mein Mann nicht.
    Ich kämpfe ständig mit den paar Pfunden zu viel auf den Hüften – mein Mann nicht.
    Dafür ist er Bayer – ich nicht.
    Und er liebt Sudokus – ich kann damit überhaupt nichts anfangen….
    Gott sei Dank ist jeder Mensch verschieden!
    Ob kurzsichtig, moppelig, bayerisch oder gehörlos – nur die Summe aller Eigenschaften macht den einen Menschen aus, den wir lieben. Ich hoffe, dass diese einfache Erkenntnis in vielen Köpfen ankommt.
    Es sind solche Blogs wie deiner, liebe Judith, die dazu beitragen, dass immer mehr Menschen ihre Schubladen entstauben. Du bist sozusagen die „weiße Riesin“ oder das „Persil“ für Vorurteile.
    Mach bitte weiter so!

  4. Es ist jedoch nicht ganz abzustreiten, dass die Hörbehinderten oder Gehörlosen – mit oder ohne CI – in der Regel unter ihresgleichen bleiben und den Kontakt zu Hörenden nur sehr ungern oder zögernd aufnehmen. Ich habe eine Tochter mit CI und konnte es bei ihr und ihren Freunden beobachten.
    Dies ist auch mit ein Grund, warum viele Hörende ein Vorurteil den Gehörlosen gegenüber haben: Es gibt zu wenig Kontakte! Die Gehörlosen müssen mehr Mut haben, an die Öffentlichkeit zu gehen und zeigen, dass sie „nur“ nicht Hören können. Sonst bleibt leider immer das Bild des dummen Gehörlosen im Kopf der Hörenden. Und die Hörenden müssen toleranter werden: wenn jemand anders spricht, sollte man zuhören und nicht einfach ignorieren. Aber das kann man nur erreichen, wenn man aufeinander zugeht. Wofür haben wir denn jetzt das neue Schlagwort „Inklusion“??

    Übrigens: ich bin Gesamtschwerbehindertenvertrauensperson 🙂

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