2. CI-Tag am 10. Juni 2006 – deutschlandweit

Hier mehr Infos über den 2. CI-Tag

An diesem Infotag gibt es in ganz Deutschland in großen Städten viele Aktionen und Informationen nach dem Motto:

„Taub und trotzdem hören“

Das Cochlea Implantat an sich selbst ist ein Wunder der Menschen, denen die Hörgeschädigten am Herzen liegt, um ihnen das Gehör zu geben.

Das Hören selbst ist für Hörgeschädigte einer der 5 Sinne, die ihn neu oder wieder erlernen, je nach Schwere der Vorgeschichte. Ein Ertaubter, der sich das Cochlea Implantat einpflanzen lässt, hat es meist leichter als ein von Geburt an gehörloser Erwachsener, über das Gehör zu verstehen. Der von Geburt an Gehörlose muss mit dem Hören von Null auf anfangen.

Im Klartext: Das Cochlea Implantat ist ein Segen für viele hörgeschädigte Menschen. An der Verständigung über das Hören muss gearbeitet werden.

Es ist nicht so, dass man nach der Operation gleich alles hört und versteht. Das Wunder Hören kommt erst später. Das Cochlea Implantat ist eine Prothese, und der Umgang mit einer Prothese will gelernt sein, bevor man mit ihm flexibel wird.

Ein Mensch, dem ein Beinprothese angepasst wird, kann ja auch nicht von heute auf morgen mit der Prothese laufen. Genauso ist dies mit der Hörprothese. Es braucht seine Zeit. Bei einem langsam, bei einem schnell, je nach Vorgeschichte und Psyche.

Taub geborene Kinder, denen das Cochlea Implantat früh eingepflanzt wurde, haben es leichter als gehörlose Erwachsene mit Cochlea Implantat, da das Hören lernen in die Sprachentwicklung integriert wird.

Mit der Zeit immer besser hören?

In meiner Kindheit übte ich mit meinem Lehrer das Sprechen und Fühlen der Stimme.

Nach einer der vielen Sprachübungsstunden sagte ich zu meinem Lehrer, dass ich später gut hören werde wie meine Eltern, wenn ich größer werde.

Ich glaubte als Kind, dass ich hören kann, wenn ich älter werde.

Mein Lehrer hat mir viele Jahre später von diesem Gespräch erzählt. Er sagte, ihm war zum Weinen zumute, als ich ihm dies sagte.

Dass ich als gehörloses Kind diese Hoffnung hatte mit dem Hören…

Lindenstraße, Gabi Zenker und Cochlea Implantat

Viele von Euch gucken die Fernsehsendung „Lindenstraße“ und kennen mit Sicherheit die „Gabi Zenker“, dargestellt von Andrea Spatzek. Diese hat in der Sendung gerade eine Cochlea-Implantat-Operation hinter sich gebracht…

Mit dieser „Gabi“ habe ich einige Gemeinsamkeiten: Erstens wohnte ich auch mal in der Lindenstraße (allerdings nicht dort, wo die Sendung gedreht wird *schmunzel*) und habe seit Sommer 2003 ein Cochlea Implantat.

Im Unterschied zu der „unfallbedingt ertaubten Gabi“ bin ich jedoch von Geburt an gehörlos und habe mich nach 32 Jahren Gehörlosigkeit operieren lassen. Nach der Operation hatte ich auch mit dem Schwindel zu kämpfen, genau wie die „Gabi“ in der „Lindenstraße“.

Ich sehe hier ganz deutlich, dass die Lindenstraßen-Macher sehr gut recherchieren bezüglich diesen Themen Ertaubung und Cochlea Implantat und die Recherchen in die Serie Lindenstraße mit einfließen lassen.

Hierzu muss ich mein Kompliment aussprechen. Auch, dass „Gabi Zenker“ die Ertaubung beeindruckend darstellt!

Allerdings ist und bleibt es eine Serie. Denn die Zeit ist hier sozusagen knapp, um die Geschichte voranzutreiben. Wieso kann „Gabi Zenker“ z.B. so schnell die Gebärden verstehen und vom Mund ablesen?

Und dass die Mitmenschen alle plötzlich gebärden können, ist auch etwas merkwürdig.

Also nicht ganz realistisch dargestellt, aber es geht mir hier gar nicht darum, die Sendung zu kritisieren. Eher lobe ich diese „Soap-Serie“, all diese Recherche… Es ist gar nicht so einfach, all das in eine Serie einzubringen und alles zu bedenken.

Wer mehr über das Cochlea Implantat (abgekürzt: CI) wissen will, kann hier nachsehen:
http://www.schnecke-ci.de

Bleep – ich weiß, dass ich nichts weiß

Buchbesprechung zum Film „BLEEP“:

Dieses Buch ist ein wunderbarer Begleiter zum Film „Bleep“.

Im Film „Bleep – ich weiß, dass ich nichts weiß“ geht es um realitätserweiternde Gedanken, wie z.B.:

Wie entsteht Realität?
Wer erschafft sie?
Wer sind wir?

Hier werden die Grenzen zwischen Wissenschaft/Quantenphysik und Spiritualität verwischt.

Dieser Film ist unbedingt sehenswert – interessant ist auch, dass die gehörlose berühmte Schauspielerin Marlee Matlin in diesem Film mitwirkt. Sie gehört zu den besten Schauspielern, die schon mit ihrem ersten Film „Gottes vergessene Kinder“ mit dem Filmpreis Oscar anerkannt wurde. Weltweit sind es nur vier Schauspieler, die gleich mit dem Debütfilm zu Oscar-Preisträger wurden, darunter die gehörlose Schauspielerin Marlee Matlin!

Dieser Film ist einer der erfolgreichsten Dokumentarfilm-Phänomene der USA.

Wer den Film sehen will, dem empfehle ich, das Buch dazu erst zu besorgen, denn dieses ist ein wunderbares Film-Begleitbuch.

Ein wunderschön zusammengestelltes Buch, mit dem man „ins Herz der Magie eintauchen“ kann. Unter diesem Artikel können Sie auf den Buch-Link klicken.

Den Film auf DVD gibt es erst ab Herbst 2006.

Das kleine Buch der Bleeps
Denk eine Weile darüber nach! Das Buch zum Film

Hey, sind Sie taub???

Hier eine Anekdote aus meinem Berufsleben:

Damals in meiner Ausbildung als Industriekauffrau bin ich an einem Abend besonders lang im Büro geblieben, ganz alleine spätabends.

Dann musste ich mal dringend aufs Klo und bevor ich wieder zurück in mein Bürozimmer ging, beobachtete ich, dass die Putzfrau an jeder Tür anklopfte, bevor sie die Zimmer zum Reinigen betrat.

Dann ging ich ins Bürozimmer und konzentrierte mich wieder ganz auf die Arbeit.

Auf einmal wurde die Tür von der Putzfrau aufgerissen. Ich erschrak sehr. Als sie mich sah, blaffte sie mich an: „HEY, sind Sie taub???“

Ich antwortete: „JA!“

Da war die Putzfrau total verdutzt über meine Antwort und fragte total verwirrt und stotternd: „A-A-A-ber, wie-wie-wieso denn???“

Daraufhin sagte ich: „Schon von Geburt an.“

Mit dieser Antwort hat sie niemals gerechnet, als sie so barsch fragte, nur weil ich nicht auf ihr Klopfen reagierte!

Die arme Putzfrau war nach dieser Begegnung mit mir verstört gewesen *schmunzel*

Herzlich willkommen im Gehörlos-Blog

Ich wünsche viel Spaß beim Lesen meiner Blog-Beiträge von und für alle Menschen, ob hörgeschädigt oder hörend. Ich freue mich auf die Kommentare und neue Anregungen. Mögen die Menschen hier zueinander finden und mehr Verständnis aufbringen für Menschen mit Handicaps und umgekehrt.

Judith Göller

Seid ganz herzlich gegrüßt – Judith Göller