Taubstumm – immer noch im Gedächtnis verankert

„Taubstumm“ – immer noch im Gedächtnis verankert

 

In den Fernsehmedien fällt es auf, dass der Begriff „Taubstumm“ immer noch weiterhin im Gedächtnis unseres Volkes verankert ist. Vielen ist immer noch nicht bewusst, dass der Begriff „taubstumm“ längst überholt ist und faktisch auch oft gar nicht stimmt. Auch macht man sich erst mal gar keine Gedanken darüber.

Man sieht im TV zwar die Gehörlosen mit der Gebärdensprache, aber das heißt noch lange nicht, dass sie auch gleichzeitig taubstumm sind. Man muss nur genau hinhören und ihre Stimmen entdecken.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass viele Hörende weghören, sobald sie eine Stimme hören, die abseits der Normalität klingt – sei es aus Unsicherheit oder auch gar Bequemlichkeit.

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Trotzdem ist ein gehörloser / tauber Mensch kein Taubstummer, auch wenn die Stimme von der Normalität abweicht. Er kann eben nur die eigene Stimme aufgrund des fehlenden Hörens nicht kontrollieren und nachprüfen. Sobald Ihr einem hörgeschädigten Menschen begegnet, dessen Stimme ihr wahrnehmen könnt, ist er NICHT taubstumm – PUNKT.

Auch wenn die Stimme sehr gewöhnungsbedürftig sein kann, je nachdem, wie geübt der Hörgeschädigte in der Lautsprache ist.

Dass ausgerechnet in der TV-Branche der Begriff „Taubstumm“ immer noch vorherrscht, erkennt man daran, dass die TV-Sender ihren Bildungsauftrag nicht umsetzen 🙁

Schaut mal hier eine Serie „Der Masseur“ aus der lustigen Staffel mit Pastewka:

Der taubstumme Masseur mit Pastewka

http://www.myspass.de/myspass/shows/tvshows/pastewka/Der-Masseur–/10054/#commentList_10054

Leider ist diese Serie ohne Untertitel zu sehen (kein Wunder, dass wir Gehörlose in der hörenden Welt oft nicht mitlachen können).

 

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5 Antworten auf „Taubstumm – immer noch im Gedächtnis verankert“

  1. Es gibt noch einen zweiten Aspekt von „stumm“: „Sich nicht durch Sprache äußernd“ (im Duden nachzulesen). Auch von daher ist der Begriff „taubstumm“ falsch. Denn die Gebärdensprache ist eine Sprache, linguistisch betrachtet erfüllt sie die Kriterien einer Sprache.

  2. Also, ich finde ja die Äußerung, jemand könne nicht sprechen, noch diskriminierender als die Äußerung, jemand sei stumm. Letzteres fasse ich auf (übrigens im Einklang mit dem Digitialen Wörterbuch der Deutschen Sprache) als: „ohne sich lautlich, in Worten zu äußern, ohne zu sprechen, schweigsam“ und denke dabei an Stummfilm, stummer Diener, stumme Rolle! Beim ersten Ausdruck hingeben habe ich die Konnotation, dass man keine Sprache kann, also weder eine „laute“ Sprache noch eine (stumme = stille) visuelle Sprache. Man kann auch anders argumentieren: Ebenfalls im DWDS wird stumm definiert als „ohne die Fähigkeit, das Vermögen, sprechen zu können“. In diesem Sinne sind also „nicht sprechen können“ und „stumm“ synonym. Bei Kehkopfkrebspatienten würde ich differenzieren: Ohne ein technisches Hilfsmittel (Elektrolarynx oder Stimmprothese) ist man stumm, wenn man nicht eine Ruktusstimme ausgebildet hat. Dies ist meines Wissens nach nicht gerade leicht! Man kann natürlich einfach mal behaupten „Stumm heißt ohne jede Sprache“, nur habe ich bislang in keinem, aber auch keinem Wörterbuch oder Lexikon (digital und nicht digital), das ich konsultiert habe, diese Definition gefunden, noch eine, die auch nur so ähnlich wäre. Stummfilme ware ja auch nur „ohne Lautsprache“ und nicht ohne Sprache! Quintessenz aus meiner Sicht: Das Bemühen um eine politisch korrekte Ausdrucksweise führt zu einer Verarmung und Verballhornung der Sprache und wird uns irgendwann wirklich sprachlos und stumm machen. Pnin P.S: „Ohne jede Sprache“ heißt: Sprachlos! P.P.S.: Um das zu verdeutlichen: 1.) Stumm hörte ich mir die Rede an! 2.) Sprachlos hörte ich mir die Rede an! Fall 1 meint: Ich hörte mir die Rede an und habe nix dazu gesagt, wahrscheinlich, um die Rede nicht zu stören. Ich blieb einfach still! Fall 2 meint: Ich hörte mir die Rede an und war so erschrocken, entsetzt, dass mir nicht mehr einfiel, was ich dazu sagen könnte.

  3. Zur speziellen Kultur der Gehörlosen gehört neben der Gebärdensprache beispielsweise, dass es in sämtlichen größeren Städten einen Verein und einen festen Treffpunkt, oft „Clubheim“ genannt, gibt. Stark entwickelt ist zudem der Gehörlosensport . So werden weltweit die Deaflympics jeweils ein Jahr nach den Olympischen Spielen veranstaltet.

  4. 3. Gehörlose verbinden mit dem Begriff “taubstumm” auch immer den Oralismus, der früher in den Schulen herrschte. Was war Oralismus? Kurz gesagt wurde den Gehörlosenschulen verordnet, das Gebärden unter den Schülern zu untersagen und auch im Unterricht nicht zu gebärden. Man dachte, es wäre wichtig, den Kindern das Sprechen beizubringen. Daher wurden die Gebärden abgeschafft und die Kinder wurden teilweise auf brutale Weise gezwungen zu sprechen. Das schwierige war daran, das sie selbst ihre Stimme nicht hörten, also sie nicht kontrollieren konnten. Daher wurden verschiedene Techniken entwickelt, um den “Stummen” eine Stimme zu geben und ihnen das Lippenlesen beizubringen. Heutzutage weiß man, das man nur ca. 30% von den Lippen lesen kann. Der Rest ist raten. Daher war es für die Kinder damals keine schöne Zeit. Sie wurden gezwungen etwas für sie unnatürliches zu machen. Heutzutage ist das anders. Gebärdensprache ist erlaubt und man hat eingesehen, das es wenig Sinn macht, die Kinder in der Lautsprache (das was wir sprechen, nennt man Lautsprache) zu fördern, sondern sie lieber in ihrer eigenen Sprache, der Gebärdensprache zu fördern. Da der Begriff “taubstumm” damals noch sehr häufig verwendet wurde, wird er auch oft mit dieser Zeit in Verbindung gebracht und daher lehnen taube Menschen es ab, so bezeichnet zu werden.

  5. ich nenne mal nur „taub“. „Taub“ ist einfach und leicht und logisch für mich, wenn ich die Leute anspreche, so dass ich taub bin. Die Leute verstehen mich prima, die sich auch wissen, was taub ist. Und sie holen einfach so das Blatt und die Stifte, die mich aber nicht gefragt haben, ob ich das Papier und die Stifte brauche. Wer es schon „gehörlos“ fand, finde ich es dann echt blöd, warum dieses Wort sich geändert sein wird. Kein Wunder, dass die Leute sich nicht mal verstehen, wie man den Unterschied über Taub, Taubstumm, Gehörlos oder so weiterhin zu erkennen hat. Mir wäre es lieber gewesen, dass es nur 2 Art der Hörbehinderung gegeben sein wird: Taub und Schwerhörig. Fertig & Basta! Und außerdem denke ich es, dass die Gehörlosen sich nicht so gut und verständlich „gehörlos“ sprechen.

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