Solidaritätsgefühl unter Hörgeschädigten

Wenn ich unterwegs bin, zum Beispiel beim Einkaufen, am Bahnhof, einfach irgendwo und sehe dort Hörgeschädigte, egal, ob bekannt oder nicht.

Was passiert dann?

In mir kommt sofort ein Gefühl hoch, ein Gefühl der Gemeinsamkeit. Dann begrüße entweder ich die Hörgeschädigten oder sie mich. Wir freuen uns und kommen ins Gespräch.

Da ist dieses Gefühl der Solidarität und Gemeinsamkeit. Gemeinschaft mit den Schicksalsgenossen. Man schließt sich sofort zusammen und führt rege Gespräche.

Erst nach der Begegnung stelle ich fest, waren die Gesprächspartner mir sympathisch oder nicht sympathisch? Vorrangig ist zuerst das Gefühl der Gemeinsamkeit.

Bei den Hörenden ist das nicht so. Was passiert, wenn Hörende einkaufen gehen? Überall Hörende – empfinden sie da ein Solidaritätsgefühl? Gemeinschaftsgefühl? Empfinden sie Dankbarkeit, dass es andere Hörende gibt, und sie sich mit ihnen austauschen können? Diese Gemeinsamkeit des Hörens?

Wir Hörgeschädigte sind eine Minderheit und haben es oft schwer unter den Hörenden. Überall muss man sich als Hörgeschädigte anstrengen, um soweit wie möglich alles verstehen zu können. Sobald dann ein anderer Hörgeschädigter über den Weg läuft, fällt diese Anstrengung beim Gespräch weg, die ein Hörgeschädigter oft bei Hörenden hat.

Das hat wohl einen ganz einfachen Grund: Hörgeschädigte brauchen einander überhaupt nicht zu erklären, worauf im Gespräch zu achten ist und wo die Schwierigkeiten in Sachen Verständigung liegen. So können sie im Gespräch sofort loslegen 😉 Mit Gebärden dazu geht es richtig blitzschnell!

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Gehörlosbloggerin Judith Harter

Hier schreibt die Bloggerin Judith Harter, gehörlos und Cochlea-Implantat-Trägerin, rund um Hörschädigung / Hörbehinderung. Sie zeigt die Perspektive vonseiten der Hörgeschädigten und auch von Hörenden auf. Haben Sie Fragen oder interessante Themen, schreiben Sie ihr eine E-Mail über Kontakt.