Musik vom ertaubten Beethoven – aggressiv?

Ich bekam von vielen Hörenden gesagt, dass die Musik (die Spätwerke) von Beethoven aggressiv klingt.

In einem wissenschaftlichen Recherche soll herausgefunden worden sein, dass die Babys bei Beethovens Musik anfangen zu weinen/schreien – wegen dem aggressiven Ton, der da mitschwingt.

Dass Beethoven immer mehr ertaubte und zum Schluss nichts mehr hörte, muss schlimm genug für ihn gewesen sein, so dass er seine ganze Frustrationen „heraus-musizierte“? Dazu noch in seinem Berufsstand als Musiker – oweia, was für tiefe Seelenqualen musste er erleiden?

Ich kann es mir denken, denn wenn man erst spät sein Gehör verliert, ist es viel schlimmer, als wenn man von Geburt an gehörlos ist.

Wenn dadurch die Musik von Beethoven aggressiv klingt, ist das sehr verständlich für mich. Seine damalige Probleme, all die Frustrationen sowie innerer Zorn/Wut („Gehörlosen-Zorn„) – die haben die heutigen Gehörlosen/Ertaubten auch.

Auch wenn wir heute – technisch gesehen – viel besser ausgestattet sind, sind die Frustrationen immer die gleichen. In der Begegnung mit anderen Menschen / Hörenden, da stößt der Gehörlose sehr schnell an die Grenzen der Kommunikation… das stößt manchmal all zu sauer auf.

Ich glaube, dem Beethoven ist es gelungen, seinen Frustrationen Töne zu geben…?

Dass Beethoven trotz der Ertaubung weitermachte und es verstand, sich in der Musik zum Ausdruck zu bringen, mit allem, was ihn ausmachte (einschließlich seiner Frustrationen), dazu kann ich sagen:

Hut ab vor Beethoven!

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Gehörlosbloggerin Judith Harter

Hier schreibt die Bloggerin Judith Harter, gehörlos und Cochlea-Implantat-Trägerin, rund um Hörschädigung / Hörbehinderung. Sie zeigt die Perspektive vonseiten der Hörgeschädigten und auch von Hörenden auf. Haben Sie Fragen oder interessante Themen, schreiben Sie ihr eine E-Mail über Kontakt.