Interview: Gehörloser Walter Krieg mit Bundesverdienstkreuz (2)

Fortsetzung…

J. Göller: Hatte dein Gehörlosen-Kegelverein “Beinahe Neun” auch Wettkämpfe und Siege?

Walter Krieg:

Ja, wir hatten viele Wettkämpfe. Auch auswärts, unter anderem in Augsburg, München, Freiburg, Karlsruhe, Mannheim, Weinheim, Stuttgart… – mit Erfolg! Denn wir waren 5 Mal Deutscher Meister bei gehörlosen Kegelvereinen.

J. Göller: Wann gründetest du den Speyerer Gehörlosenverein?

Walter Krieg:

Kurz nach Gründung des Gehörlosen-Kegelvereines. Wir Gehörlose trafen uns immer samstags in der Wirtschaft Bratwurstgöckel (den gibt es heute nicht mehr). Dort gab es auch einen Fernseher. Damals hatte noch nicht jeder einen eigenen Fernseher. Das war ein weiterer Grund, weshalb wir uns dort versammelten.

J. Göller: Was habt Ihr im Fernsehen angeschaut und wie konntet Ihr diese verstehen? Damals gab es noch gar keinen Untertitel im TV.

Walter Krieg:

Wir schauten am liebsten die Fußballspiele und die Shows „Dalli-Dalli“ (mit Rosenthal), „Am laufenden Band“ (mit Rudi Carell) und „Musik ist Trumpf“ (mit Peter Frankenfeld). Diese Entertainer hatten ein sehr gutes Mundbild und es gab damals auch keine schnelle Bilder im Fernsehen wie heutzutage. So konnten wir diesen Shows gut folgen und mitlachen. Und beim Fußballspiel gibt es ja Fußball zu sehen. Wir schauten nur selten Spielfilme an, weil wir diese nicht so gut verstehen konnten.

J. Göller: Wie hast du die Informationen an die Gehörlosen weiter gegeben? Es gab früher ja noch kein Schreibtelefon, Bildtelefon oder Faxgerät.

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